MyMz
Anzeige

Noch schweigen St. Oswalds Glocken

Der Turm der Jachenhausener Kirche wird saniert. Die Anwohner freuen sich jetzt schon wieder auf den gewohnten Klang.
Von Petra Kolbinger

Ein Gerüst am Kirchturm der Pfarrkirche St. Oswald in Jachenhausen verschafft den Handwerkern einen bequemen Zugang und eine Arbeitsplattform für die Sanierung des Glockenstuhls. Foto: Petra Kolbinger
Ein Gerüst am Kirchturm der Pfarrkirche St. Oswald in Jachenhausen verschafft den Handwerkern einen bequemen Zugang und eine Arbeitsplattform für die Sanierung des Glockenstuhls. Foto: Petra Kolbinger

Riedenburg.Seit Ende Januar schweigen die Glocken in dem Riedenburger Ortsteil. „Das freut bei uns keinen“, sagt Michael Pickl von der Kirchenverwaltung und seine Kollegen Ottmar Meyer und Hubert Mayer ergänzen, dass, ganz im Gegenteil, Anwohner schon ungeduldig gefragt hätten, wann das Geläut wieder zu den gewohnten Zeiten den Tag strukturieren wird.

Kirchenpfleger Bernhard Meyer kennt sowohl den Grund für die ungewohnte Stille und auch das Ende der Glockenpause. Am Montagabend informieren die Vier über den Stand der laufenden Sanierungsarbeiten am Glockenstuhl der Pfarrkirche St. Oswald. Schon bei der Außenrenovierung des schmucken Gotteshauses im Jahr 1999, sei vom Tragwerksplaner die Sanierungsbedürftigkeit des Glockenturms fest gestellt worden. Aus Kostengründen sei damals aber nur eine Notsicherung und die Verstärkung mit Metallteilen erfolgt. Zwischenzeitlich haben die Schäden sich aber soweit vergrößert, dass akuter Handlungsbedarf bestand. Die besagten Metallstreben und die nachträglich eingefügte Konstruktion aus Fichtenholz, werden im Zuge der jetzt laufenden Sanierung entfernt und der Glockenstuhl aus Eichenholz im ursprünglichen Zustand wieder hergestellt – mit einer Einschränkung, denn ursprünglich sollen drei Glocken im Glockenturm von St. Oswald gehangen haben – „zumindest erzählen das die Alten im Dorf.

Eichenholz forderte Zimmerer

Im Zweiten Weltkrieg mussten die drei Glocken abgeliefert werden. Nach dem Krieg, im Jahr 1949, wurde ein Geläut mit vier Glocken eingebaut. Die beiden Glocken im mittleren Teil hingen übereinander. Nach der Sanierung sollen sie so platziert werden, dass kein zusätzlicher Aufbau mehr für die vierte Glocke erforderlich ist. Das Eichenholz der Glockenböcke und der Auflager des Glockenstuhls, die durch eindringende Feuchtigkeit völlig marode waren, werden ausgetauscht“, berichtete der Kirchenpfleger. Vor eine zeitaufwendige Herausforderung habe die Beschaffung des Eichenholzes für die sieben massiven Eichenbalken die Zimmerei gestellt. „Holzbalken in diesen Dimensionen sind in Deutschland kaum zu bekommen. Einer davon wiegt 400 bis 450 Kilo“, wusste Hubert Mayer. Die Glocken hängen seit Mitte Februar eine Etage höher, direkt an der Decke der Glockenstube. Damit war der Weg frei für die Neukonstruktion des Glockenstuhls in Eichenholz und ohne Kontakt zu den Turmwänden in der Glockenstube.

Drei Glocken

  • Historie:

    Vor dem Zweiten Weltkrieg sollen drei Glocken im Kirchturm gehangen sein. (epk)

Wenn die Zimmerei in den nächsten Tagen das neue Gebälk fertiggestellt und den Boden der Glockenstube mit starken Dielen ausgelegt haben wird, schreitet der Glockenbauer erneut zur Tat. Wegen der extrem beengten Verhältnisse in der Glockenstube, wird ein Verteilerschrank eine Etage unter die Glockenstube gesetzt und neue Leitungen für das elektrische Geläut verlegt. Auch wenn beim konventionellen Antrieb unter Verwendung der vorhandenen Motore ein Montagemehraufwand entsteht und ein erhöhter Verschleiß respektive Wartungsaufwand zu erwarten ist, gab man dem Kettenantrieb den Vorzug vor Linearmotoren. Dadurch ist die bestehende Stromversorgung ausreichend und die alten Motoren können weiter ihren Dienst tun. Die Glockentechnik wird überprüft und ergänzt oder erneuert, wo nötig und die Glockenantriebe müssen auf dem Glockenstuhl montiert werden.

Auch an Sicherheit gearbeitet

Dann können die vier Glocken an ihren angestammten Platz zurückkehren. Quasi „nebenbei“ wurden sicherheitstechnische Mängel beseitigt, wie die „Hühnersteige“, ein Balken mit Quersprossen, in den Dachstuhl der Turmspitze. Die Arbeiten wurden frühzeitig erledigt, damit die Fledermauskolonie, die die Turmspitze alljährlich mit acht- bis neunhundert Individuen besiedelt, nicht gestört wird. Aktuell seien rund 300 der fliegenden Säuger da oben. „Sie fliegen über die Öffnungen des Glockenturms ein und aus, sind aber nachtaktiv und werden durch die Arbeiten an der Glockenstube nicht gestört“, versicherte der Kirchenpfleger. Und er hat noch eine erfreuliche Nachricht: „Wir halten den Zeit- und Kostenplan ein!“

Will heißen, die Sanierung des Glockenturms dürfte mit rund 150 000 Euro brutto zu Buche schlagen und in rund zwei Wochen abgeschlossen sein. Dann hören die Jachenhausener wieder, was die Stunde geschlagen hat und werden von den vertrauten Klängen ihrer Glocken zum Gottesdienst gerufen.

Mehr Aktuelles aus Riedenburg lesen Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht