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Umwelt

Noch viele Jahre ein Thema

PFT soll krebserregend sein. Nach dem Stadtrat von Neustadt beschäftigte PFT auch den Gemeinderat Münchsmünster.
Von Dr. Peter Wöllauer

Nach dem Brand im Jahr 2005 im Industriepark Münchsmünster wurde großzügig Erdreich ausgetauscht und entsorgt. Foto: Landratsamt Pfaffenhofen
Nach dem Brand im Jahr 2005 im Industriepark Münchsmünster wurde großzügig Erdreich ausgetauscht und entsorgt. Foto: Landratsamt Pfaffenhofen

Neustadt.Seit PFT als krebserregend gilt und einige Vertreter dieser Stoffgruppe verboten wurden, wurde die Anwendung in Feuerlöschschaum eingestellt. Im Industriepark Münchsmünster waren aber nach einem Brand aufgrund der Löscharbeiten große Mengen Erde mit PFT kontaminiert. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderates Münchsmünster waren der Lyondell Basell-Werksleiter Stephan Reeker und dessen Leiter Umweltschutz und Sicherheit, Bernd Pötzchke, berichteten über die bisherigen Maßnahmen zum Abbau von PFT und die weiteren Vorhaben.

Das Ist PFT

  • Verbindungen:

    Perfluorierte Verbindungen wirken schmutz- und wasserabstoßend, weshalb sie zum Ausrüsten von Teppichen und Outdoor-Kleidung sowie Schuhen verwendet werden.

  • Nachteil:

    Ein wesentlicher Nachteil dieser Fluorverbindungen ist ihre Persistenz. Das heißt, sie werden biologisch nicht abgebaut, sondern sie verteilen sich auf der ganzen Welt.

Bisher sei kontaminierter Boden von der Brandstelle von 2005 großzügig ausgetauscht und entsorgt worden. Ein neuer Eintrag in Boden und Grundwasser sei daher nicht möglich. Geplant sei nun, mittels einer Brunnengalerie zwischen Werksbahnhof und Straße das Grundwasser zu entnehmen und mittels Aktivkohlefilter zu reinigen. Danach soll das Wasser als Brauchwasser genutzt werden. Bodenuntersuchungen hätten ergeben, dass durch die dadurch verursachte minimale Grundwasserabsenkung von wenigen Millimetern keine Bauschäden an nahegelegenen Gebäuden zu erwarten seien. Dennoch werde der Zustand einiger Häuser genau dokumentiert, um Veränderungen durch die Grundwasserentnahme rasch und eindeutig erkennen zu können.

Reeker meinte, dass langsame Entscheidungsprozesse bei Behörden die Sanierung verzögert hätten. Münchsmünsters Bürgermeister Andreas Meyer nahm dabei das Unternehmen in Schutz und bestätigte diese Tatsache.

Probleme auch andernorts

Mehrere Gemeinderäte äußerten sich positiv über die transparente und kooperative Vorgehensweise von Lyondell Basell. Martin Schuh sprach von ähnlichen Problemen rund um den Flughafen Manching und kritisierte die dort verantwortliche Bundeswehr dafür, dass sie sich seiner Meinung nach mit juristischen Tricks über Verjährungsfristen aus der Verantwortung stehlen wolle. Reeker sagte, dass dies auf das Vorgehen von Lyondell Basell keineswegs zutreffe. Das Unternehmen wolle die Pumpengalerie spätestens 2019 – wenn möglich schon 2018 – in Betrieb nehmen. Das hänge aber davon ab, wie rasch die behördlichen Genehmigungen vorlägen. Er meinte, die Brunnenlagerei müsse mindestens zehn Jahre betrieben werden, um alles im Boden versickerte PFT zu entfernen. Meyer bestätigte, dass sich die betroffenen Anwohner von Lyondell Basell durchaus mitgenommen und nicht ausgegrenzt fühlten.

Auch der Stadtrat von Neustadt hat sich unlängst mit dem Thema PFT beschäftigt. In Neustadt verwendete die Werkfeuerwehr der Bayernoil Raffinerie seit 1992 PFT als Mittel in Feuerlöschschäumen. Bei Einsätzen drang das Mittel in den Boden ein.

Arbeit an Lösungen

Ab 2005 tauchte der Verdacht auf, dass PFT Krebserkrankungen auslösen könnte. Seither sei die Werkfeuerwehr, ebenso wie die Freiwilligen Feuerwehren der Umgebung, auf andere Mittel umgestiegen und setzt PFT bei Übungen überhaupt nicht mehr ein, hieß es im Stadtrat. Im Ernstfall soll es ausschließlich bei Großbränden verwendet werden, wo andere Mittel wesentlich weniger wirksam seien. Seit 2009 bemüht sich Bayernoil, Wege auszuarbeiten, wie das auf dem Firmengelände im Boden und in weiterer Folge auch im Grundwasser vorhandene PFT entfernt werden können, ohne weitere Schäden zu verursachen.

Nicht der Betrieb der Raffinerie, sondern der Einsatz von Löschschaum ist die Ursache von Verunreinigungen. Foto: Wöllauer
Nicht der Betrieb der Raffinerie, sondern der Einsatz von Löschschaum ist die Ursache von Verunreinigungen. Foto: Wöllauer

Die Kartierung der Verteilung von PFT im Boden und im Grundwasser im Raum Neustadt sei nahezu abgeschlossen, wurde in der Stadtratssitzung mitgeteilt. Aufgrund von Bodenproben und Grundwasseranalysen sei sicher, dass östlich und westlich der Raffinerie kein PFT im Untergrund vorhanden sei. Als erste Maßnahme sei kein Wasser vom Raffineriegelände aus mehr in den Schallerbach eingeleitet worden. Die Verunreinigung PFT bewege sich mit dem Grundwasserstrom in Richtung Norden hin zur Goldau. Vorsorglich habe Bayernoil die in dieser Richtung liegenden Weiher gekauft bzw. gepachtet, um den bisherigen Besitzern eventuelle Schäden durch die Verunreinigung zu ersparen. Als Lösung schwebe den Verantwortlichen vor, eine Pumpengalerie zu errichten, die das verunreinigte Wasser hochpumpt, es durch eine Wasseraufbereitung mit einem modifizierten Aktivkohlefilter schickt und es dann als Brauchwasser für die Dampferzeugung und als Kühlwasser verwendet, bevor es wieder freigesetzt wird. In einem solchen Fall würden einige der jetzt eingesetzten Pumpen stillgelegt.

Es könne aber aus hydrologischen Gründen sein, dass das Wasser wieder unmittelbar nach der Reinigung in den Boden zurückgepumpt werden müsse. Diese Details seien noch zu klären. Hier arbeite Bayernoil eng mit dem Landratsamt und dem Wasserwirtschaftsamt zusammen. Die Analysen wurden und werden vom Fraunhofer-Institut durchgeführt. Birgit Wack drückte tiefes Unbehagen aus und warf Behörden und Bayernoil vor, nichts getan zu haben. Sie rückte das PFT-Problem in die Nähe radioaktiver Verseuchung. Nachdem es in Jahren nicht einmal gelungen sei, einen verbindlichen Grenzwert für diesen vermutlichen Schadstoff festzulegen, könne das Risiko aber nicht so extrem hoch sein. Erhard Garbe nahm Bayernoil in Schutz und lobte die sehr offene und frühzeitige Informationspolitik des Unternehmens. Von Bayernoil habe er als Vorsitzender des Fischereivereins früher und fundierter Informationen über das Problem erhalten als von den zuständigen Fachbehörden.

Neustadts Bürgermeister Thomas Reimer wies in der Sitzung darauf hin, dass die Lösung des Problems Jahre, wenn nicht Jahrzehnte in Anspruch nehmen werde.

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