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Obdachlose dürfen an den Pflegerspitz

Wo Vereine ihre Bleibe haben, sollen Container als Übergangswohnungen errichtet werden. Auch eine Bebauung ist jetzt möglich.
von Roland Kugler

Mehrere Vereine und Organisationen haben am Pflegerspitz ihr Domizil. Dort sollen Wohncontainer für Obdachlose aufgestellt werden.  Foto: Roland Kugler
Mehrere Vereine und Organisationen haben am Pflegerspitz ihr Domizil. Dort sollen Wohncontainer für Obdachlose aufgestellt werden. Foto: Roland Kugler

Kelheim.In der Bauausschusssitzung des Stadtrates wurde die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit für die Änderung des Bebauungsplans „Am Pflegerspitz“ beschlossen. Hinter dem Volksfestplatz sollen Container für Obdachlose aufgestellt werden. Eine Wohnbebauung würde durch die Änderung auch möglich gemacht: auf einer Fläche von 0,9 Hektar mit Gebäuden bis zu zwei Stockwerken. Doch es gibt Bedenken, ob das der richtige Platz für Obdachlose in Kelheim ist.

Nach dem Gesetz hat jede Kommune für die Unterbringung ihrer Obdachlosen zu sorgen, egal ob es sich um eine ländliche Gemeinde oder eine Millionenstadt handelt. Auch die Kreisstadt Kelheim, bringt seit Jahren einige als wohnsitzlos gemeldete Mitbürger im Johannisspital in der Wittelsbachergasse am Alten Markt unter. Doch das denkmalgeschützte Gebäude aus dem Mittelalter ist dringend sanierungsbedürftig.

Sanierung des Johannisspitals

Deshalb hatten Stadtrat und Bauausschuss bereits in vergangenen Sitzungen für eine Sanierung des Hauses gestimmt. Außerdem wurde beschlossen, dass für die darin untergebrachten Obdachlosen an einem anderen Ort eine Unterbringungsmöglichkeit geschaffen werden soll. Da es in Kelheim ohnehin viel zu wenig günstige Wohnungen gebe, entschied sich die Stadt dafür, auf dem Pflegerspitz Container aufzustellen. Dort sollen Menschen ohne Wohnsitz – zumindest übergangsweise –untergebracht werden können. Doch der Pflegerspitz, besser bekannt als der Kelheimer Volksfestplatz, war im bisher bestehenden Flächennutzungsplan nur für Freizeit-, Sport- und Erholungszwecke zur Nutzung zugelassen. Deshalb muss der Plan nun geändert werden, da die Unterbringung von Obdachlosen in jedem Fall eine Nutzung zu Wohnzwecken darstelle.

Der Pflegerspitz ist Kelheims größter kostenfreier Parkplatz in Altstadtnähe. Er ist der Festplatz der Kreisstadt: Fischerfest, Donau-Wiesn, Flohmärkte, das Jukuu-Festival und viele andere Veranstaltungen finden dort statt. Am Ende des Festplatzes befinden sich öffentliche Toiletten. Dahinter ist eine freie Fläche gelegen, auf der vor dem Bau des neuen Stellplatzes Wohnmobile abgestellt werden durften. Dann erst folgt das Grundstück, für das der Flächennutzungsplan erweitert werden soll.

Der Pflegerspitz

  • Lage: Kelheims Volksfestplatz befindet sich zwischen der Donau und dem Altwasser der früheren Altmühl. Sie mündete früher dort in die Donau, und machte den Platz zu einem „Spitz“.

  • Nutzung: Er wird als Parkplatz, Festplatz und Veranstaltungsort genutzt. Hinter dem Festplatz befinden sich die Vereinsgebäude, dann geht ein Fuß- und Radweg bis zur Mündung des Kanals in die Donau.

Hier haben, entlang eines Schotterweges zwischen Donaudamm und dem Altwasser, verschiedene Vereine ihre Heimat: der Motorradclub Old Bikers, die Wasserwacht, Geflügelzuchtverein und Kaninchenzuchtverein. Auch eine Lagerhalle des Roten Kreuzes befindet sich dort, sowie die Mosterei des Obst- und Gartenbauvereins. Alle diese Gebäude sind unbewohnt, sie dienen als Lager-, Treffpunkt- oder Arbeitsstätten der Vereine. Mit der Änderung des Flächennutzungsplanes würde auch die Möglichkeit für eine Wohnbebauung beschlossen. Gebäude mit zwei Stockwerken und einer Wandhöhe von sieben Metern seien dabei zulässig.

Keine Bebauung geplant

„Es ist jedoch noch keine Bebauung geplant“, sagt Andreas Schmid vom Stadtbauamt. Der Ort für die Container stehe noch nicht fest. Sie könnten vor die Halle platziert werden, die das Rote Kreuz nutze und dort eigene Container lagere. „Ich finde es nicht integrationsfördernd, wenn Obdachlose dorthin sollen“, gab Stadtrat Andreas Ober zu bedenken. Er halte eine gewisse Kontrolle für notwendig: „Sie brauchen Nachbarn, die sie beobachten, und gegebenenfalls maßregeln.“

Wenn die Obdachlosen in der Wittelsbachergasse durch negatives Verhalten aufgefallen seien, „dann haben die Nachbarn die Polizei gerufen“, sagt Ober. „Ich verstehe die Sorge“ entgegnete Kelheims zweiter Bürgermeister Franz Aunkofer, der die Sitzung leitete. „Aber der Standort wurde bereits beschlossen.“ Auch für die Erweiterung des Flächennutzungsplanes um soziales Wohnen für Obdachlose votierte der Bauausschuss einstimmig.

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