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Montag, 18. Juni 2018 26° 2

Justiz

Passanten mit Messer bedroht?

Die Anklage lautet auf versuchte räuberische Erpressung. Der Angeklagte soll in Kelheim zwei Männer attackiert haben.
Von Marion von Boeselager

Der Angeklagte (Mitte) mit seinem Dolmetscher und Verteidiger Alexander Greithaner (rechts) Foto: Boeselager
Der Angeklagte (Mitte) mit seinem Dolmetscher und Verteidiger Alexander Greithaner (rechts) Foto: Boeselager

Kelheim. Ein 22-jähriger Mann steht seit Mittwoch wegen versuchter schwerer räuberischer Erpressung in Regensburg vor dem Landgericht. Der gelernte Kfz-Mechaniker soll nach einem Besuch des Kelheimer Volksfestes in den frühen Morgenstunden des 13. August letzten Jahres zwei Fußgänger mit einem Messer bedroht und sinngemäß von ihnen gefordert haben: „Gib mir dein Geld und dein Handy. Ich habe Messer dabei.“ Gleichzeitig hielt er den Opfern in der Nähe des Parkplatzes im Niederdörfl das Messer mit einer Klingenlänge von fünf bis zehn Zentimentern etwa in Bauchhöhe vor, so die Vorwürfe. Einer der Passanten rief jedoch per Notruf die Polizei. Der junge Mann flüchtete ohne Beute.

Angeklagter bestreitet die Tat

Zum Auftakt des Prozesses bestritt der Angeklagte, teils über seinen Dolmetscher, teils mit eigenen Worten auf Deutsch, jedoch die Vorwürfe.

Bereits im Vorfeld des Prozesses hatte es ein Telefonat zwischen dem Verteidiger Alexander Greithaner und dem Gericht gegeben. Die Vorsitzende Richterin Dr. Bettina Mielke gab zu Beginn des Verfahrens den Inhalt wieder: Dass die Tat über das Versuchsstadium nicht hinauskam, würde strafmildernd gewertet, so Dr. Mielke. Sollte der 22-Jährige die Tat gestehen und noch ein Täter-Opfer-Ausgleich (etwa die Zahlung eines Schmerzensgeldes) stattfinden, könne die zu erwartende Strafe eventuell auch unter zwei Jahren Haft liegen. Die Aussetzung zur Bewährung sei aber „fernliegend“, sagte die Vorsitzende.

Von diesem Angebot machte der Angeklagte, der vor seiner Verhaftung in Kelheim wohnte, aber keinen Gebrauch. „Ein falsches Geständnis wird es nicht geben“, erklärte sein Anwalt Alexander Greithaner. Der Angeklagte beschrieb eine völlig andere Variante des Vorfalls: Er sei nicht Täter gewesen. Vielmehr sei er selbst beleidigt und verfolgt worden.

Seine Schilderung: Am Abend vor dem Vorfall habe er zunächst in seiner Wohnung in der Innenstadt allein eine halbe Flasche Whiskey getrunken. „Dann rief mich meine Freundin an: Wir gehen zusammen aufs Volksfest.“ Mit der Clique, an die 15 junge Männer und Mädchen, habe man vor dem Aufbruch noch einige Jägermeister gekippt. Auf dem Volksfest „sind wir dann alle zusammen gesessen. Wir waren fröhlich und haben Fotos gemacht. Alles war friedlich“, so der Angeklagte.

Mehrere Stunden später habe er sich dann allein auf den Weg nach Hause gemacht. „Unterwegs hab ich die ganze Zeit auf dem Handy meiner Freundin Textnachrichten geschrieben. Dann musst ich Pippi machen an einem Baum“, sagte der Angeklagte. Zwei Männer, die zunächst hinter ihm gingen, hätten ihn deshalb mit „Hey Kurwa (poln. Hure)“, angepöbelt und weitere Beleidigungen wie „Scheiß-Ausländer, Kanake und Drecksau“ losgelassen. „Ich habe gesagt: Wenn ich eine Drecksau bin, dann bist Du es auch“, räumte der Angeklagte ein. Der 22-Jährige bestritt jedoch, die Fußgänger bedroht zu haben. „Ich hatte gar kein Messer dabei.“ Auch habe er keine Wertsachen von ihnen verlangt. „Ich habe doch selber drei Handys!“

Nach dem Streit habe er das Weite gesucht. Die Männer hätten ihn aber noch eine ganze Weile verfolgt. „Sie haben mich nicht in Ruhe gelassen. Ich bin dann zur Drogerie Müller, weil da Kameras sind. Dort hab ich mich hinter einer Mauer versteckt, bis sie weg waren.“

Wild-Piesler verscheucht

Die Geschädigten blieben jedoch bei ihren Anschuldigungen. „Wir waren auf dem Heimweg vom Volksfest“, berichtete einer von ihnen, ein 20-jähriger Schlosser aus Neustadt an der Donau. „Da urinierte ein Mann direkt vor uns mitten auf der Straße. Er war wohl betrunken.“ Sein Kumpel und Kollege habe den Wild-Piesler „freundlich“ aufgefordert, für sein dringendes Geschäft doch „ein bissel auf die Seite“ zu gehen.

„Wir gingen dann weiter“, fuhr der Zeuge fort. „Doch nach einiger Zeit lief der Mann hinter uns her und schrie: „Ich hab ein Messer!“ Der Unbekannte habe die Waffe aus seiner Hose herausgezogen: „Es war eine Art Militärmesser. Die Klinge war ziemlich lang, mehr als fünf Zentimeter! Ich stand unter Schock und hatte Angst.“

Dann habe der Mann geschrien: „Gib alles! Gib alles! Geh weg!“ Ganz habe er die Rufe nicht verstanden. „Er redete so undeutlich. Ich habe dann einen Schritt zurück gemacht und den Notruf 112 gewählt.“

Der Angreifer türmte daraufhin nach Angaben des Zeugen. „Wir sind ihm nachgelaufen, damit wir der Polizei später sagen können, in welche Richtung er gelaufen ist“, so der Zeuge. Bei der Wahllichtbildvorlage durch die Beamten habe er den Täter allerdings nicht identifiziert, räumte der 20-Jährige ein. „Ich hatte Angst, dass er herausfindet, wo ich wohne und um meine Familie.“ Er habe den Mann aber damals schon erkannt und sei sich sicher, dass der Angeklagte der Täter sei. Auch die mutmaßlichen Opfer waren damals nicht mehr ganz nüchtern: Der 20-Jährige hatte 1,2 Promille Alkohol im Blut. Der Prozess dauert an.

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