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Interview

Peter Untermaierhofer erlebte Traum live

Er hält verlassene Orte für Nachwelt fest. Im Archäologischen Museum Kelheim ist seine Ausstellung „Lost Places“ zu sehen.
Von Elfi Bachmeier-Fausten

Peter Untermaierhofer Foto: Scotch Carlsen
Peter Untermaierhofer Foto: Scotch Carlsen

Kelheim.Herr Untermaierhofer, wie alt waren Sie, als Sie mit dem Fotografieren begonnen haben?

Ich habe relativ spät mit der Fotografie begonnen. Erst 2008, also mit 25 Jahren. Davor hatte ich lediglich ein Fotohandy, das im Vergleich zu heutigen Handykameras grottenschlechte Aufnahmen machte. Irgendwie hatte mir das aber gereicht.

Wie ist Ihnen der Durchbruch als Fotograf gelungen?

Ein großer Punkt war sicher das Jahr 2013. Da hatte ich die Chance, aufgrund zahlreicher Aufträge der Firma Bildermeister mich hauptberuflich selbstständig zu machen und überwiegend Sportwägen und Oldtimer zu fotografieren. Dazu brauchte ich aber auch eine Profikamera. Das war der entscheidende Wendepunkt. Mit besserem Equipment und dem ständigen Schulen des fotografischen Auges entwickelte sich das Ganze dann über die Jahre. Sowohl in der Automobil- als auch in der „Lost Places“-Fotografie. Dann kam eins zum anderen. Bücher, Ausstellungen usw.

Ausstellung "Lost Places"

An welchen bekannten Orten haben Sie Ihre Bilder ausgestellt?

Das Lenbach Palais und die „Stroke Art Fair“ in München dürften wohl die bekanntesten Orte gewesen sein. Bei der Ausstellung im Kulturhaus Babelsberg war bei der Vernissage jedoch am meisten los. Es war mit circa 300 Leuten so viel los, dass sie anstehen mussten und aufgrund der Brandschutzbestimmungen nicht alle auf einmal am Eröffnungsabend in die Ausstellung konnten. Der größte aktuelle Erfolg wird meine Ausstellung im August in der Schweiz in einem Künstlerhaus. Das wird meine erste internationale Ausstellung werden. Da bin ich schon richtig aufgeregt.

Warum stellen Sie Ihre Fotografien in Kelheim aus?

Ich hatte gedacht, dass der Kontext zwischen Archäologie und verlassenen Orten, die im Stillen verfallen, ganz gut passen würde. Meine Bilder sind ja auch eine Art der Dokumentation solcher Orte, die oft Jahre später abgerissen werden.

Ihr Lieblingsbild in der Ausstellung?

Das ist gar nicht so leicht zu beantworten, da für mich bei jedem Foto persönliche Erlebnisse dranhängen. Neben meiner geliebten Kühlturm-Serie ist aber das Bild „deep in the woods“ etwas ganz Besonders für mich. Ich habe das Château das erste Mal 2011 auf Bildern bei der Recherche zu meiner Diplomarbeit im Internet gesehen. Es hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Ein Schloss wie aus einem Märchen – mitten im Wald – verlassen und versteckt. Nach einer Weile habe ich herausausgefunden, wo es ist. Belgien war damals in meinem Kopf noch in unerreichbarer Ferne. Als ich zwei Jahre später mit meinem Kumpel doch die erste Belgientour machte, war das Ziel auf einmal in greifbarer Nähe. Als ich davor stand, war das ein bombastisches Erlebnis. Den Traum, den man zwei Jahre hatte, endlich live zu erleben. Leider wurde das Schloss 2017 vom Besitzer endgültig abgerissen. Somit bleiben mir nur meine Erinnerungen und Bilder von diesem Ort, der immer etwas ganz Besonderes für mich sein wird.

Haben Sie Ihre eigenen Fotografien bei sich zuhause hängen?

Ja, ich habe zwei Bilder und immer die in meinem aktuellen Kalender an der Wand hängen. „perpeduum ebner“, weil ich selbst seit 2014 Schallplatten sammle und meine Liebe zu Vinylschallplatten entdeckt habe, und „magic mushroom“, weil ich das doppelt habe. Wenn ich gerade keine Ausstellung habe, tausche ich auch hin und wieder mal durch und hänge das ein oder andere Ausstellungsbild in die Wohnung. „Sleep baby sleep“ hing z. B. auch schon ein paar Monate über meinem Arbeitsplatz. Bei meiner Freundin hängen dann noch „spacestation“ und „and up and down“. Am liebsten würde ich die meisten meiner Bilder in der Wohnung hängen haben, aber da fehlt mir ganz einfach der Platz.

In Eggenfelden geboren

  • Künstler:

    Der 1983 in Eggenfelden geborene Peter Untermaierhofer ist ein bekannter deutscher Szenefotograf. Er zeigt mit „Lost Places“ von Menschen verlassene und sich selbst überlassene Orte, die dem Verfall ausgesetzt sind. Er hält Gebäude wie Fabriken, Krankenhäuser, Kirchen und Hotels vor ihrem endgültigen Verschwinden fotografisch fest und bewahrt sie auf diese Weise vor dem Vergessen. Er ist Teil einer jungen Fotografenszene, die sich einem selbstauferlegten Ehrenkodex verschrieben hat: „Nimm nichts außer Bilder und hinterlasse nichts anderes als Fußspuren.“

Macht sich Ihre Familie Sorgen, wenn Sie Ihre Fotos schießen?

Am meisten sicher meine Mama. Aber ich denke, dass sie sich mittlerweile damit abgefunden hat. Ändern kann sie es sowieso nicht. So hatte sie es mir zumindest mal gesagt. Ich sag‘ ihr auch nicht immer, wenn ich auf Tour gehe, da ich weiß, dass sie sich dann nur Sorgen macht und ich ihr das gerne erspare. Der Rest der Familie macht sich wahrscheinlich unterbewusst auch Gedanken oder hin und wieder Sorgen, aber zum größten Teil finden sie es spannend, wo ich mich wieder rumtreibe und was ich alles entdecke. Über meine Reise ins Sperrgebiet von Tschernobyl wusste aber nur mein Bruder, welcher selbst fast mitgekommen wäre. Ansonsten habe ich das meiner Familie erst im Nachhinein erzählt, weil sie es mit Sicherheit nicht verstandene und es mir ausreden hätte wollen. Meine Freundin geht mit dem Thema sehr cool um und war selbst schon ein, zweimal in einem Lost Place dabei …

Sind Sie bei Ihren Fotoaktionen schon einmal von der Polizei erwischt worden?

Nein. Ich wurde 2012 einmal von einem Security-Mitarbeiter von einem verlassenen Militärflughafen begleitet. Er hat mich aber ohne Konsequenzen ziehen lassen, auch wenn er es eigentlich dokumentieren hätte müssen. Aber als er sah, dass ich nur ein Fotograf und kein Randalierer, Sprayer oder Metalldieb bin, hatte ich ein ganz nettes Gespräch mit ihm. Ansonsten gab es nicht wirklich nennenswerte Zwischenfälle. Ein aufgebrachter Jäger, der unsere Ausweise fotografiert hat, und ein Bauarbeiter, der auch dachte, wir seien Sprayer und uns dann fotografieren ließ.

Treffen Sie Sicherheitsvorkehrungen, wenn Sie an verlassenen Orten fotografieren?

Natürlich und das ist auch wichtig. Es ist zwar nicht empfehlenswert alleine auf Tour zu gehen, aber öfter mach‘ ich es dann doch mal, wenn mein Kumpel keine Zeit hat oder es die Umstände gerade nicht anders zulassen. In diesem Fall gebe ich davor jemandem Bescheid, wo ich jetzt bin und sobald ich wieder vom Gelände bin. Ansonsten habe ich immer gutes Schuhwerk und Taschenlampen dabei. Teilweise auch Wasser und ne Kleinigkeit zu essen. Vor Ort ist es wichtig, die Situation richtig einzuschätzen. Vor allem morsche Böden sind eine große Gefahr. Da hilft es, sich die Decken ein Stockwerk unterhalb anzusehen. Holztreppen können auch leicht zur Gefahr werden. Ich habe zwar über die Jahre meine Erfahrungen gesammelt, aber jeder Ort ist anders.

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