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Pläne gegen neue Sturzfluten

Auch Extremniederschlag soll künftig gefahrlos abfließen können. ALE und Fachplaner informierten betroffene Ihrlersteiner.
Von Renate Beck

Damit sich die Dorfstraße bei Starkregen nicht mehr in einen Fluss verwandelt, soll das Boden:ständig-Projekt Schwachstellen stärken.  Foto: Renate Beck
Damit sich die Dorfstraße bei Starkregen nicht mehr in einen Fluss verwandelt, soll das Boden:ständig-Projekt Schwachstellen stärken. Foto: Renate Beck

Ihrlerstein.Das Starkregenereignis in den Ortsteilen Sausthal/Rappelshofen im vergangenem Jahr erfordert Verbesserungsmaßnahmen. Straßen wurden überflutet. Wasser und mitgeschwemmtes Material landeten im Graben, auf den Flächen, den Äckern und in den Häusern. Die Abwasserkanalisation war umgehend verstopft.

Um das Wasser im Gelände zu halten, hat die Gemeinde Ihrlerstein beantragt, ein Verfahren einzuleiten. Das sogenannte Boden:ständig-Projekt soll künftig die erkannten Schwachstellen in der Feld- und Entwässerungsstruktur stärken. Eine erste Grobkonzeption wurde entwickelt.

Das Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) und Fachplaner Felix Schmitt informierten kürzlich die betroffenen Grundstückseigentümer über den Sachstand und mögliche Verbesserungsmaßnahmen. Bürgermeister Josef Häckl sagte dazu, er hoffe, dass viele im Sinne der Gemeinschaft mitziehen. Da das meiste Wasser vom oberen Ortsbereich herunter strömt, sind die Leidtragenden meist die im unteren Bereich wohnenden Bürger. Die Maßnahmen seien wichtig. Auch die daran beteiligten Partner. Vordringliche Arbeiten werden zuerst erledigt.

Dr. Christian Thurmaier vom ALE zeigte die Ziele und Aufgaben der Flurneuordnung auf. Er betonte, dass dies nur ein gesetzlicher Begriff ist.

Die Strukturen der Fluren sollen belassen werden und nicht in großen Feldern zusammengelegt werden.

Keine klassische Flurbereinigung

An einigen Stellen werden sich Grenzen verschieben. Grenzanpassungen sind möglich. Dr. Thurmaier erwähnte in diesem Zusammenhang einen Weg, der anders als auf der Karte verläuft: „Zur Zeit ist er laut Karte eine Ackerfläche.“ Privatgrund kann in einem einfachen Verfahren abgetreten oder zum Beispiel getauscht werden.

Ziel ist laut ALE, das Wasser und den Stofftransport zu verlangsamen und zu unterbrechen. Ein betroffener Bürger fragte, wer denn diese Maßnahmen bestimme. „Das wird nicht ohne euch geplant. Es wird keiner übergangen“, beruhigte Dr. Thurmaier. Zur Mitbestimmung wird unter den betroffenen Bürgern ein Vorstand gewählt. Im Anschluss daran werden die Maßnahmen besprochen. Da man erst am Anfang des Verfahrens sei, ist die Zeitschiene dazu noch unbekannt.

Felix Schmitt zeigte verschiedene Maßnahmen, die Linderung für Sausthal/Rappelshofen bringen sollen. Von den Bayerischen Staatsforsten wurde Unterstützung zugesagt. Wasser könne durch Waldwege abgeleitet werden. Da Dolinen einen großen Teil des Wassers auffangen und in den Untergrund ableiten, sollen sie freigelegt werden. Diese Karsttrichter sind häufig nicht nur mit lehmhaltigen Sedimenten, sondern mit Unrat gefüllt.

Möglich ist auch ein Wasserrückhalt in der Fläche zum Beispiel in Form eines dezentralen Rückhaltebeckens. Die eigentlich positive Bewirtschaftung der Fluren und deren Bodenstruktur hat beim Starkregenereignis trotzdem Schwachstellen aufgezeigt. Raine, Ranken, Feuchtbiotope und Hecken sollen deshalb nicht nur erhalten, sondern auch neu angelegt werden., Zufahrten entwässert oder befestigt, Niederschläge sollen vor Ort versickern, Rohrdurchlässe und Gräben optimiert werden. Dazu gehört auch das Austauschen der am leichtesten überlastbaren Verrohrungen.

Keine allzu hohen Kosten

Die Kosten einer Flurneuordnung werden durch Zuschüsse, Eigenleistung, Gemeindebeiträge und Sondereigenleistung gedeckt. „Eigenleistung ist der zu den Ausführungskosten zu leistende Beitrag der Teilnehmergemeinschaft.“ Die Eigenleistung im Verfahren Sausthal: 25 Prozent. Sie wird nach Fläche berechnet. „Vor den Kosten brauchen wir keine so große Angst haben“, versicherte der Bürgermeister und verglich mit den Zahlungen im Gebiet Ihrlerstein-Rehseige.

Boden:ständig setzt auf die enge Zusammenarbeit und Freiwilligkeit. „Die Probleme können nur gemeinsam gelöst werden. Und auch nur, wenn alle Beteiligten mitmachen.“ Ein Anwohner stellte bereits am Infoabend bei Bedarf eine Grundstücksabgabe „zum Wohle von allen“ in Aussicht.

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