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Beschluss

Plastik landet weiterhin im Plastiksack

Am Sammelsystem für Verpackungen aus Kunststoff ändert sich nichts: Kelheim will Bürgern eine weitere Tonne ersparen.
Von Martina Hutzler

Die Gelben Säcke aus Kelheim werden in der GEO-Sortieranlage der Firma Heinz recycelt, die in der Nähe des Münchner Flughafens steht.  Foto: Hutzler
Die Gelben Säcke aus Kelheim werden in der GEO-Sortieranlage der Firma Heinz recycelt, die in der Nähe des Münchner Flughafens steht. Foto: Hutzler

Kelheim.Die Landkreis-Bürger müssen sich und ihr Sammelsystem nicht umstellen: Auch in Zukunft werden Verpackungsabfälle in den gewohnten „Gelben Säcken“ gesammelt. Das hat der Kreis-Umweltausschuss beschlossen. Die Alternativen – eine weitere Tonne entweder für alles ausrangierte Plastik oder eine Tonne nur für Umverpackungen – lehnten die Kreisrätinnen und Kreisräte inklusive Landrat Martin Neumeyer einhellig ab.

Das Sammeln und Recyceln von Verpackungen aus Plastik (wie auch Glasflaschen und Papier/ Kartons) erfolgt in Deutschland in einer gesetzlich vorgeschriebenen Kooperation von öffentlicher Hand und privater Abfallwirtschaft, den so genannten „Dualen Systemen“. Acht solcher privatwirtschaftlicher Unternehmen gibt es aktuell in Deutschland.

Kooperation ist vorgeschrieben

Diese Dualen Systeme organisieren das Abholen, Sortieren und Verwerten des Verpackungsmülls. Den Rahmen dafür legen aber die Landkreise und kreisfreien Städte fest, die in Bayern für Abfallentsorgung zuständig sind. Sie haben sich allerdings laut neuem Verpackungsgesetz mit dem für sie zuständigen „Dualen System“ abzusprechen.

Konkret musste der Umweltausschuss nun festlegen, worin die Landkreis-Bürger ab dem 1. Januar 2021 ihren Plastikmüll zur Abholung bereitstellen. Dazu hatten die Ausschussmitglieder zu Jahresbeginn schon eine Infofahrt zum Münchner Flughafengelände unternommen: Dort nämlich befindet sich die „Geo-Sortieranlage“ der Firma Heinz, in der die Gelben Säcke aus Kelheim sortiert und zu Recycling-Kunststoff verarbeitet werden:

Entscheidung

Wie wollen wir fürs Recyceln sammeln?

Weiterhin gelbe Säcke oder eine Tonne für Verpackungsmüll? Darüber muss sich der Landkreis Kelheim heuer klar werden.

Schon damals tendierten die Kreisrätinnen und Kreisräte eher dazu, die Gelben Säcke beizubehalten. Vor der abschließenden Entscheidung stellte nun Richard Restle, der Sachgebietsleiter für Abfallwirtschaft am Landratsamt, dem Ausschuss nochmals die Vor- und Nachteile der drei Varianten vor.

„Bekannt, bewährt und eingeführt“, mit diesem Vorteil punktet der Gelbe Sack: In den Plastiktüten sammeln die Bürger schon seit Jahren die Plastikverpackungen und können je nach Anfall entsprechend viele Säcke nutzen. Außerdem, so Restle, seien allzu große Entsorgungssünden in dem fast durchsichtigen Sack erkennbar. Ihr Nachteil: Sie reißen recht schnell – sollen aber künftig stabiler werden – und die Säcke-Haufen sind optisch nicht gerade ein Schmuckstück im Stadtbild, zumal wenn vom Winde verweht.

Auch über das Für und Wider von Gelben Säcke informierte sich der Kreis-Umweltausschuss. Foto: David Ebener/dpa
Auch über das Für und Wider von Gelben Säcke informierte sich der Kreis-Umweltausschuss. Foto: David Ebener/dpa

Stabiler und etwas „ordentlicher“ wirkt die Gelbe Tonne. Jeder Haushalt könnte sie sich kostenlos bereitstellen lassen; das Holen von Gelben Säcken entfiele. Allerdings ist auf vielen Grundstücken der Platz eh schon knapp. Aus Städten wie Augsburg wissen Recycler zudem, dass die (undurchsichtige) Tonne so manchen Zeitgenossen einlädt, allen möglichen Müll darin zu versenken. Das erhöht die Sortierkosten und senkt den Recycling-Erfolg; ebenso wie das begrenzte Fassungsvermögen der Tonne.

Wertstofftonne wäre Konkurrent

Dieselben Pro- und Contra-Argumente gelten auch für die Wertstoff-Tonne. Darin darf man nicht nur Verpackungen, sondern auch Gegenstände entsorgen, also z.B. das ausrangierte Plastikspielzeug oder den kaputten Metalltopf. Damit träte diese Tonne allerdings auch in Konkurrenz zum etablierten Sammelsystem in den kreiseigenen Wertstoffzentren; obendrein müsste sich der Landkreis an den Entsorgungskosten auch noch beteiligen.

Manche Kommunen nutzen Gelbe Tonnen oder auch Wertstofftonnen – im Kreis  Kelheim jedoch  kommt keine weiter Tonne. Foto: Peter Endig, dpa
Manche Kommunen nutzen Gelbe Tonnen oder auch Wertstofftonnen – im Kreis Kelheim jedoch kommt keine weiter Tonne. Foto: Peter Endig, dpa

Zwar hatten einige Kreisräte schon bedenken, weiterhin auf Plastik-Sammelsäcke zu setzen – zum Beispiel, weil ja zeitgleich europaweit über ein Verbot von Plastik-Verpackungsbeuteln diskutiert wird. Aber auch die Gelbe Tonne ist aus Kunststoff, und so ein Zwölf-Kilo-Teil ist im Durchschnitt erst nach 17 Jahren Sammeln per Gelbem Sack aufgewogen, rechnete Restle vor. Letztlich waren alle Ausschuss-Mitglieder überzeugt von der Devise: Ja kein gut etabliertes Sammelsystem aufgeben – der Gelbe Sack bleibt.

Die Gelben Säcke aus Kelheim werden in der GEO-Sortieranlage der Firma Heinz recycelt, die in der Nähe des Münchner Flughafens steht.  Foto: Hutzler
Die Gelben Säcke aus Kelheim werden in der GEO-Sortieranlage der Firma Heinz recycelt, die in der Nähe des Münchner Flughafens steht. Foto: Hutzler

Wenig Absprachebedarf mit dem „Dualen System“ gibt es aus Landkreis-Sicht aktuell für Glas-Einwegflaschen: Das flächendeckende System an Glascontainern sei bewährt und laufe weitgehend reibungslos, bilanzierte Richard Restle. Auch für Papier-, Papp- und Karton-Verpackungen gibt es eine funktionierende Vereinbarung: Der Landkreis sammelt sie mit, via Papiertonne und Papp-Container in den Wertstoffzentren. Dafür überweist das Duale System an die Kreiskasse ein Mitbenutzungs-Entgelt.

Weitere Sitzungsthemen

  • Abfallbilanz:

    Wirtschaftsentwicklung, Klimawandel – all das hinterließ auch in der Abfallbilanz 2018 des Landkreises Spuren, die Vize-Sachgebietsleiter Florian Meyer vorstellte. So sank die Anlieferung an Grüngut in den Wertstoffzentren um knapp neun Prozent im Vergleich zu 2017: Folge der extremen Trockenheit, die wenig sprießen ließ. Die Bauschutt-Anlieferung stieg dagegen um rund 28 Prozent: Zeichen für den Neubau- und Sanierungsboom. Die Restmüllmenge stieg um zwei Prozent, analog etwa zum Bevölkerungswachstum.

  • Öko-Flächen:

    Umfangreich Stellung nahm die Kreisverwaltung zu einem Antrag von Konrad Pöppel. Der ÖDP- Kreisrat hatte gefordert, kreiseigene Flächen ökologisch aufzuwerten und dafür Umsetzungspläne zu erstellen. Kreis-Gartenfachberater Franz Nadler und Tiefbau-Sachgebietsleiter Andreas Fischer stellten dazu einige bestehende Projekte vor, etwa Blühflächen in Schulen und an Straßen; limitierender Faktor seien aber Zeit und Geld. Beschlossen wurde, dass zeitnah ein verwaltungsinternes Fachgespräch mit Pöppel stattfindet.

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