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Erfolg

Poesie in Stein und Stahl holt Preis

Das Grabdenkmal des Riedenburger Bildhauers Günter Schinn wurde bei der Bundesgartenschau mit einer Goldmedaille prämiert.
Von Petra Kolbinger

Steinbildhauer Günter Schinn aus Riedenburg arbeitet schon am nächsten Projekt für die Landesgartenschau 2020 in Ingolstadt. Foto: Petra Kolbinger
Steinbildhauer Günter Schinn aus Riedenburg arbeitet schon am nächsten Projekt für die Landesgartenschau 2020 in Ingolstadt. Foto: Petra Kolbinger

Riedenburg.Unter seinen Händen wird Stein zu purer Poesie: Günter Schinn (35) aus Riedenburg hat das einmal mehr bewiesen und wurde für seine Arbeit bei der Bundesgartenschau in Heilbronn mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Schinn hat ein Grabzeichen entworfen für einen Dirigenten, dem der Tod den Taktstock aus der Hand genommen hat. Das Thema „Musiker“ war bei einem Gestaltungsseminar 2018 ausgegeben worden.

„Ich habe einige Musiker in meiner Familie und meinem Bekanntenkreis.“, sagt Schinn. Angesprochen hat sein Entwurf dann den Dozenten des Seminars, der den Riedenburger Steinbildhauer ermunterte, sein Exposé für die Grabzeichenausstellung auf der Bundesgartenschau 2019 einzureichen. „Ich bin kurz vor Fristablauf noch reingerutscht“, erinnert Schinn sich beim Pressegespräch. Jetzt freut er sich auf die Preisverleihung am 16. Juni. Dann wird er sein Werk erstmals in Kombination mit professioneller Grabbepflanzung sehen. Bis dato kennt er er den Gesamteindruck nur von Fotos in der Fachzeitschrift „Naturstein“, in der die Gewinner abgebildet sind.

Strenge und Leichtigkeit

Schinn entrollt eine Kreidezeichnung in Originalgröße, die Teil seiner Bewerbungsunterlagen war und fasst seine Gedanken in Worte: „Ich wollte etwas Fragiles, Spitzes; etwas, das Strenge und Leichtigkeit zugleich ausstrahlt! Das ist in Stein schwierig. Der Stein ist schwarz – wie der Frack, in dem der Dirigent vor dem Orchester steht, statisch, schmal und hoch. Die Bewegung ist auf einen bestimmten Radius beschränkt“, beschreibt er. Auf Friedhöfen formierten massive Grabsteine sich oft zu einer regelrechten Wand. „Ich bin der Meinung, dass einem Stein eine Lücke gut tut“, führt Schinn aus. Auf dem schlanken, hohen Stein fehlt das Kopfstück. Es ist herausgefräst und liegt mit eingravierten Lebensdaten des Verstorbenen zu Füßen der Grabbesucher. Oben auf dem Stein, wie eben aus der Hand gelegt, ein Dirigentenstab aus Cortenstahl. Ein Stahlband mit ausgefrästen Noten scheint auf einer Seite des Grabsteines aus der Erde zu steigen, überspannt den Stein, um auf der anderen Seite wieder in die Erde zu tauchen – ein ewiger Kreislauf, wie das Leben.

Steinbildhauer Günter Schinn mit einer Kreidezeichnung seines Dirigentensteins, der mit Gold prämiert wurde. Foto: Petra Kolbinger
Steinbildhauer Günter Schinn mit einer Kreidezeichnung seines Dirigentensteins, der mit Gold prämiert wurde. Foto: Petra Kolbinger

Überraschende Erkenntnis

Bei den Stahlarbeiten haben Schinn Andreas König und Florian Zeitler unterstützt. „Das war eine interessante Erfahrung. Man glaubt nicht, wie weich Stahl ist!“, zeigt Schinn sich um eine überraschende Erkenntnis reicher. Fällt das Licht in einem bestimmten Winkel auf das Stahlband, hinterlässt eine durchgefräste Note faszinierende Lichtspiele auf dem „Schwarz-Schwedisch“. Schinn mag Grabzeichen. „Jeder Mensch hinterlässt Spuren. Es ist wichtig, dass es einen Ort gibt, an dem man sich an einen lieben Verstorbenen erinnern kann!“

Es gehe auch nicht nur um Trauer, sondern auch um Erinnerung an gemeinsame Erlebnisse. Die können durchaus heiter sein. Die Friedhofskultur sei im Umbruch, sagt er. Friedwälder und Urnenwände erfreuen sich zunehmender Beliebtheit – auch, weil die Lebensumstände der Menschen sich verändert und oft eine regelmäßige Grabpflege unmöglich gemacht haben.

Steinbildhauer Günter Schinn aus Riedenburg arbeitet schon am nächsten Projekt für die Landesgartenschau 2020 in Ingolstadt. Foto: Petra Kolbinger
Steinbildhauer Günter Schinn aus Riedenburg arbeitet schon am nächsten Projekt für die Landesgartenschau 2020 in Ingolstadt. Foto: Petra Kolbinger

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