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Coaching

Projekt baut Frauen neue Brücken im Job

Wiedereinsteigen, umsteigen, aufsteigen: Frauen können sich in Abensberg Hilfe für den Beruf holen beim Projekt „Tatendrang“.
Von Martina Hutzler

Ob bei der Rückkehr nach der Babypause oder vorm nächsten Karriereschritt: Frauen im Kreis Kelheim können sich über das Abensberger Berufsförderzentrum kostenlos beraten, coachen und qualifizieren lassen. Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa
Ob bei der Rückkehr nach der Babypause oder vorm nächsten Karriereschritt: Frauen im Kreis Kelheim können sich über das Abensberger Berufsförderzentrum kostenlos beraten, coachen und qualifizieren lassen. Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Abensberg.Geringer Verdienst im Minijob, steiniger Rückweg in den Job nach der „Babypause“, unsicherer Tritt auf der Karriereleiter: Es sind nach wie vor „Klassiker“, mit denen sich viele Frauen in der Arbeitswelt herumplagen. Sie in ihrem beruflichen Tatendrang zu fördern ist Ziel eines neuen, landkreisweiten Projekts – das denn auch „Tatendrang“ heißt. Die kostenfrei nutzbare Unterstützung schließt eine akute Angebotslücke, erklärt Elisabeth Lammel-Kargl. Sie ist in Abensberg Seminarleiterin bei den Beruflichen Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (bfz); diese gemeinnützige GmbH stellt „Tatendrang“ mit EU-Hilfe auf die Beine.

Projektleiterin kennt Probleme aus eigener Erfahrung

Die Hürden auf dem Weg vom Kinderzimmer zurück in den Job kennt Natalie Skala-Englbrecht selbst ganz gut. Die Wirtschaftspädagogin hatte als Arbeitsvermittlerin gearbeitet. Auf diese Stelle konnte sie nach der Elternzeit nicht zurückkehren; ganz daheimbleiben kam für sie aber auch nicht in Frage. „Ich war schon erst mal ratlos, wie es weiter geht, welche Chancen ich in meiner Situation auf dem Arbeitsmarkt habe“, blickt sie zurück. „Die Antworten hab’ ich mir mühselig selbst suchen müssen“. Künftig hilft sie anderen Frauen beim Suchen: Als bfz-Mitarbeiterin wird Natalie Skala-Englbrecht das Projekt „Tatendrang“ künftig betreuen.

Sie organisieren fürs bfz Abensberg das Projekt „Tatendrang“: (v. li.) Natalie Skala-Englbrecht, Karin Lichtinger und Elisabeth Lammel-Kargl Foto: Hutzler
Sie organisieren fürs bfz Abensberg das Projekt „Tatendrang“: (v. li.) Natalie Skala-Englbrecht, Karin Lichtinger und Elisabeth Lammel-Kargl Foto: Hutzler

Ein starres Schema, einen festen Zeitplan gibt es dafür nicht: „Das Angebot wird davon abhängig sein, wo es welchen Unterstützungsbedarf gibt“, sagt Elisabeth Lammel-Kargl. Möglich sind Workshops ebenso wie Einzel- und Gruppen-Coaching, auch eine spezielle Beratung für angehende Existenzgründerinnen sei möglich.

Um abzuschätzen, wer von welchem Angebot profitieren könnte, will Natalie Skala-Englbrecht mit Interessentinnen ein Erstgespräch führen: „eine ,Standort-Bestimmung’, bei der es um die Ausbildung und den bisherigen Berufsweg geht, um das Ziel, das die Frau anstrebt, und um mögliche Schritte auf dem Weg zum Ziel.“

Rhetorik oder digitales Update

Wer nach längerer Familienpause wieder in den Beruf einsteigen will, mag vielleicht an einem „Update“ interessiert sein, wie man sich in digitalen Zeiten online bewirbt. Wer im Job zum Karrieresprung ansetzen will, kann dazu vielleicht ein Rhetorik-Training brauchen, Tipps für ein selbstbewussteres Auftreten oder „Nachhilfe“ bei Stil- und Umgangsregeln in der Geschäftswelt.

Ob bei der Rückkehr nach der Babypause oder vorm nächsten Karriereschritt: Frauen im Kreis Kelheim können sich über das Abensberger Berufsförderzentrum kostenlos beraten, coachen und qualifizieren lassen. Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa
Ob bei der Rückkehr nach der Babypause oder vorm nächsten Karriereschritt: Frauen im Kreis Kelheim können sich über das Abensberger Berufsförderzentrum kostenlos beraten, coachen und qualifizieren lassen. Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Auch Frauen, die sich beruflich umorientieren wollen oder müssen, seien bei „Tatendrang“ willkommen, sagt die Abensberger bfz-Koordinatorin Karin Lichtinger – und blickt nach unten. Ein Stockwerk tiefer befinden sich die Werkstätten des bfz, in denen Teilnehmer anderer bfz-Kurse und -Weiterbildungen ihre beruflichen Eignungen und Interessen austesten. Werkbank oder CNC-Fräse – warum nicht, findet Lichtinger?! „Wir wollen Frauen ermuntern, nicht nur ,klassische Frauenberufe’ in Betracht zu ziehen, sondern auch mal in vermeintlich ,typische’ Männerberufe reinzuschnuppern!“ Findet eine Teilnehmerin dort eine neue Traumjob-Idee, könne man gemeinsam versuchen einen Betrieb zu finden, in dem eine entsprechende Qualifizierung möglich ist.

„Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf stellt häufig immer noch eine Herausforderung dar.“

Elisabeth Lammel-Kargl

Denn eines gilt nach Ansicht von Elisabeth Lammel-Kargl selbst im Kreis Kelheim, wo mit einer Arbeitslosenquote von 2,3 Prozent nahezu Vollbeschäftigung herrscht: „Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf stellt häufig immer noch eine Herausforderung dar.“ So schreckten Frauen beispielsweise oft davor zurück, ihre Stundenzahl im Job aufzustocken – aus Angst, dass Arbeit und Familie dann nicht mehr unter einen Hut zu bringen sind. Auch solche Sorgen könne man mit individueller Beratung im Idealfall ausräumen.

Hier sehen Sie einen Überblick über die jüngste Arbeitslosen-Statistik für Bayern; bei Klick auf „Region“ können Sie sich zum Beispiel die Entwicklung im Kreis Kelheim anzeigen lassen.

Workshops zum „Schnuppern“

Nicht jede Frau will aber womöglich gleich eingangs ihre persönliche Lebens- und Berufslage ausbreiten – das kann sich Natalie Skala-Englbrecht gut vorstellen. Auch deshalb sind Vorträge und Workshops als „niederschwellige Angebote“ geplant, bei denen Interessentinnen in das Projekt „reinschnuppern“ können. Aus organisatorischen Gründen zwar mit Anmeldung, ansonsten aber unverbindlich. Stilberatung, Tipps für Bewerbungsunterlagen, eine Einführung in Arbeitsrecht und die „geheime“ Zeugnissprache – Ideen für solche Workshops hat das Damentrio schon genügend; mit einem ersten Termin im November soll es losgehen.

Der Weg zum „Tatendrang“

  • Das Projekt:

    Für interessierte Frauen ist die Teilnahme an „Tatendrang“ kostenlos. Es richtet sich an alle Frauen, die in beruflichen Fragen coachen und beraten lassen wollen. Wer interessiert ist, kann bei den Projektbetreuerinnen in Abensberg einen unverbindlichen Beratungstermin vereinbaren: natalie.skala-englbrecht@bfz.de, Tel. (0 94 43) 9 28 16 17 oder elisabeth.lammel@bfz.de, Telefon (0 94 43) 9 28 16 16 .

  • Das bfz:

    Die Beruflichen Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (bfz) sind eine gemeinnützige GmbH mit 23 Standorten in Bayern und Baden-Württemberg. Einer der Standorte ist Regensburg, zu dem die Außenstelle Abensberg gehört. Eine Hauptaufgabe des bfz ist die Weiterqualifizierung und berufliche Integration, speziell für den Landkreis-Süden. Dafür arbeitet das Abensberger bfz unter anderem mit dem Jobcenter zusammen.

Dazu steht dem Projekt ein eigenes Büro in der Regensburger Straße 2 in Abensberg zur Verfügung; die Workshops und Seminare sollen aber auch quer über den Landkreis verteilt stattfinden, orientiert an den Teilnehmerinnen.

Mitfinanziert wird das Projekt „Tatendrang“ über den Europäischen Sozialfonds (ESF) und vom bayerischen Sozialministerium.

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