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Rarität zog die Besucher an

Dem „Melchergütl“war der Tag des offenen Denkmals des Jurahausvereins e.V. gewidmet. Das Interesse war beachtlich.
Von Petra Kolbinger

Viele nutzten die Gelegenheit, während der laufenden Sanierung einen Blick auf und in das rund 300 Jahre alte Melchergütl zu werfen. Foto: Petra Kolbinger
Viele nutzten die Gelegenheit, während der laufenden Sanierung einen Blick auf und in das rund 300 Jahre alte Melchergütl zu werfen. Foto: Petra Kolbinger

Altmühlmünster.Es herrschte ein reges Kommen und Gehen an diesem frühsommerlichen Sonntagnachmittag in dem altehrwürdigen Haus Nr. 11 in dem beschaulichen Riedenburger Ortsteil. Schön auf Abstand und mit Mundschutz, betreten Erwachsene und Kinder das Wohnstallhaus – versorgt mit guten Tipps des Bauherrn.

Ringo Nitsche und seine Frau Cornelia warnen vor: „Aufpassen! Im oberen Geschoss stehen Nägel vor. Und wenn Sie im Erdgeschoss sind und jemanden über sich gehen hören, schauen’s nicht nach oben! Sonst rieselt’s ins Auge.“ Der Mittfünfziger sitzt mit Agnes Martiny vom Jurahausverein, der diesen Tag der offenen Tür organisiert hat im Vorgarten und macht einen entspannten Eindruck. „Wir haben das Haus im Juni 2019 gekauft“, erzählt er. Alten Quellen zufolge sind seine Frau und er Besitzer Nummer zehn in der rund 300 Jahre währenden Geschichte des ehemaligen Bauernhauses, das ursprünglich zum Kloster Altmühlmünster gehörte.

Nicht das erste Projekt

Die letzten 30 Jahre diente es als Ferienhaus, „mit einem Standard, der nicht auf modernes, zeitgemäßes Wohnen ausgelegt war. Und genau das haben wir vor,“ sagt Nitsche. Die Kinder sind aus dem Haus. Das Paar wollte sich verkleinern, wurde im Internet fündig und will aus Geisenfeld nach Altmühlmünster ziehen. „Wenn das Erdgeschoss so weit bewohnbar ist, ziehen wir auf die Baustelle; mit etwas Glück noch heuer. Ansonsten nächstes Jahr“, plant er. Das denkmalgeschützte „Melchergütl“ ist nicht sein erstes Sanierungsobjekt. Schon bei der Instandsetzung eines Hauses aus 1907 bei Berlin und des aktuellen Wohnhauses in Geisenfeld, Baujahr 1960, hat das Paar Erfahrungen mit alter Bausubstanz und unvermeidlichen Überraschungen gemacht.

„Dem bisher ältesten Objekt, verdanken wir die größte Überraschung“, resümiert er. Bis zum Anschluss an die Trinkwasserversorgung 1965, nutzten die Bewohner nämlich eine Quelle, die im Haus sprudelt „und nicht so dicht war, wie sie sein sollte“, berichtet Nitsche. Es brauchte umfangreiche Maßnahmen, um das Gebäude trockener zu bekommen. Ein Baustrahler illuminiert die Aussparung im Boden des Erdgeschosses, wo das gebändigte Naß an diesem Tag Getränke kühlt.

Die Besucher schwanken zwischen Überraschung, Besorgnis und Begeisterung über die kreative Umnutzung der Quelle. „Ich könnte mir eine Glasscheibe als Abdeckung vorstellen. Allerdings muss man Sediment entfernen können, ehe es das Quellrohr verstopft“, überlegt der Bauherr und witzelt, er habe das „Haus im See“ gekauft. Das alte Fundament ist raus; eben so die alten Fußböden. Das Haus steht größtenteils auf Fels. Mit Kies und Schotter wurde der Boden nivelliert und wasserfester Unterbeton eingebracht.

Behutsame Anpassungen

Der Fußbodenaufbau ist ein Kampf um jeden Zentimeter Raumhöhe. Bis dato liefert die Jahreszahl 1785 unter den drei Fresken der Fassade den frühesten, greifbaren Hinweis auf das Alter des „Melchergütls“. Nitsche lobt die gute Zusammenarbeit mit den Denkmalschutzbehörden. Ein Museum soll das „Melchergütl“ nicht werden. Es gelte, Anpassungen an die Moderne behutsam vorzunehmen. Die Sanierung alter Gebäude hält Nitsche für nachhaltig und ist sich sicher, dass kein moderner Neubau so alt werden wird.

Viel Atmosphäre und Geschichten gibt’s obendrein, findet Nitsche, der gesteht: „Uns hat der Altbau-Virus erwischt!“ Und er macht anderen Mut: Man könne bauwilligen Paaren jederzeit dazu raten, es ihnen gleich zu tun, „wenn man eine Zeit lang mit Dreck leben kann und beide das wollen.“

„Laufender Hund“

  • Quelle:

    Informationen zur Historie und ein bebildertes Bautagebuch veröffentlich der Bauherr unter www.altmühlmünster.de.

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