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Initiative

Rohr versucht sich am Lückenschluss

Der Markt Rohr startet als erste Gemeinde in der ILE Donau-Laber mit einer Befragung der Eigentümer von Baulücken.
Von Edith Vetter

Dr. Christian Thurmaier (ALE) und Bürgermeister Andreas Rumpel vor dem „Röllbauer“-Anwesen in der Asamstraße als Leerstand-Positivbeispiel. Foto: eav
Dr. Christian Thurmaier (ALE) und Bürgermeister Andreas Rumpel vor dem „Röllbauer“-Anwesen in der Asamstraße als Leerstand-Positivbeispiel. Foto: eav

Rohr. Die Bedeutung der Baulücken für eine erfolgreiche Innenentwicklung sei häufig nicht bekannt und regelmäßig unterschätzt. Die Summe vieler einzelner Baulücken aus den Siedlungserweiterungen der letzten Jahrzehnte einer Gemeinde ergebe wohl eine beeindruckende Menge an Nettowohnbauland, so Bürgermeister Andreas Rumpel.

Mit der Versendung eines Fragebogens an die Grundstückseigentümer im Gemeindegebiet wagte die Marktgemeinde einen weiteren Schritt im Gemeindeentwicklungsprozess. Der Markt sei im Landkreis der erste, der diese Befragung durchführe, betonte Rumpel beim Pressegespräch. „Unter Herausfilterung bestimmter Parameter ist es unser großes Ziel, drohenden Leerständen und Baulücken, insbesondere im Ortskern, frühestmöglich und künftig durch ein Gemeindeentwicklungskonzept entgegenzuwirken“, sagte der Rathauschef. In Rohr wurden die Eigentümer (teil)leerstehender Häuser, unbebauter Grundstücke, aufgegebener Geschäfte und Eigentümer ab einem Lebensalter von 75 Jahren für diese repräsentative Umfrage angeschrieben. Die Altersgruppe wurde ausgesucht, um herauszufinden, ob es eine nachfolgende Generation gebe und ob Kinder einmal das Haus, das Grundstück oder die Hofstelle übernehmen würden oder ob ein Leerstand drohe, so Rumpel. Gemeindeentwicklung soll viele Jahre im Voraus geplant werden, um auch zu erfahren, wo eine Lücke entstehen könnte, aber auch, wo die Chance für eine nachfolgende Generation bestehe.

Bürger werden beteiligt

Nach der Auswertung werde sich ein Ortsspaziergang mit den zuständigen Fachstellen und dem beauftragten Fachbüro im Hauptort und in den Ortsteilen anschließen, bei dem in einem Bürgerbeteiligungsprozess das Umfrageergebnis und die nächsten Schritte zur Ortsentwicklung vorgestellt werden. Für Rohr wird es in der Zukunft immer wichtiger werden, rechtzeitig zu erkennen, wo die Übernahme einer Immobilie im Gemeindegebiet geregelt ist und ebenso, wo künftig ein verlassener Leerstand droht, erklärte der Bürgermeister. Auch wenn sich davon nur ein kleinerer Anteil der Eigentümer zu einem Verkauf entschließen würde, so könnten doch Baugrundstücke in erheblichem Umfang auf dem Grundstücksmarkt bereitgestellt werden und erstmalige und laufende Kosten für neue Siedlungserweiterungen eingespart werden.

Auch im ländlichen Bereich müsse man mit Weitsicht und geeigneten Mitteln dem Innerortssterben entgegenwirken. Hierzu benötige man das Instrument eines Gemeindeentwicklungsplanes. Dabei müsse der Focus darauf gerichtet sein, Leerstände durch gezielte Nachverdichtung und Immobilienübernahmen zu verhindern. Die Eigentümerbefragung sei hierzu ein erstes und wichtiges Instrument, mit dem sich Rohr in die Vorzeigegemeinden in Bayern einreihen dürfe, sagte stolz der Rathauschef. Die Eigentumsbefragung sei ebenso ein wichtiges Instrument für bevorstehende oder bereits erfolgte Schließungen von Geschäften.

Entwicklung

  • Gemeindentwicklungsprozess:

    Unter dem Dach der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) Donau-Laber, einem Zusammenschluss von neun Gemeinden zur interkommunalen Zusammenarbeit, wurden die Grundstückseigentümer mit einem einheitlichen Brief angeschrieben.

  • Vertraulich:

    Die Empfänger des Fragebogens können den Bogen im Rathaus persönlich abgeben. Die Daten werden streng vertraulich behandelt. (eav)

Problem für Senioren

Der klassische Dorfladen gehöre in vielen Orten bereits der Vergangenheit an. Auch in Rohr mussten in den letzten Jahren Einzelhandelsgeschäfte wie der Gemischtwarenhändler Salleck oder das Schuhgeschäft Vögerl ihren Betrieb aufgeben. Gerade für die älteren Mitbürger, die nicht mehr mobil seien, entstünden so Probleme durch Versorgungslücken. In Rohr dürfe man noch nicht jammern, denn die Grundversorgung sei noch auf einem erstaunlichen Niveau, informierte Rumpel.

Dr. Christian Thurmaier (ALE) und Bürgermeister Andreas Rumpel vor dem „Röllbauer“-Anwesen in der Asamstraße als Leerstand-Positivbeispiel. Foto: eav
Dr. Christian Thurmaier (ALE) und Bürgermeister Andreas Rumpel vor dem „Röllbauer“-Anwesen in der Asamstraße als Leerstand-Positivbeispiel. Foto: eav

Dr. Christian Thurmaier vom Amt für Ländliche Entwicklung (ALE), der den Entwicklungsprozess in der ILE Donau-Laber in Rohr begleitet, hob auch die Wichtigkeit der Eigentümerbefragung hervor. „Beim ALE wird den Innenentwicklungskonzepten der Gemeinden ein hoher Stellenwert eingeräumt. Aus diesem Grund fördern wir auch das Konzept in Rohr mit 75 Prozent öffentlichen Mitteln.“

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