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Brauchtum

Schäffler-Fähnchen in neuen Händen

Kelheims Schäffler setzten den Schlusspunkt hinter eine mitreißende Saison. Knittl tritt die Nachfolge von Dirscherl an.
Von Josef Eder

Matthias Knittl übernimmt die Fahne des Oberschäfflers von Christian Dirscherl Foto: Josef Eder
Matthias Knittl übernimmt die Fahne des Oberschäfflers von Christian Dirscherl Foto: Josef Eder

Kelheim. Es ist geschafft! 250 Auftritte hat die Schäfflergruppe des ATSV Kelheim zusammen mit der Stadtkapelle D’Spreißler im Jahre 2019 absolviert. Am Faschingsdienstag um 17 Uhr vor dem Gasthaus Stockhammer „Am oberen Zweck“ stand der Höhepunkt an. Nicht einmal, nein noch zweimal zeigten die aktiven Tänzer ihre Schrittfolge. Der Tanz wird der Tradition folgend lediglich alle sieben Jahre aufgeführt. Viele Hundert Zuschauer waren gekommen, obwohl das Wetter während beider Aufführungen sehr regnerisch war.

Die Schäffler bei ihrem letzten Tanz Foto: Josef Eder
Die Schäffler bei ihrem letzten Tanz Foto: Josef Eder

Beim ersten Tanz führten Oberschäffler Christian Dirscherl und die Musikkapelle, der die Fahne und weitere Schäfflerattribute wie das weißblaue Fass folgten, auf den Tanzplatz. Acht Kasperl reihten sich ein. Einer von ihnen vollführte einen Salto aus dem Stand. Der Reifenschwinger, der auf dem Fass stand, dankte den vielen Aktiven vor und hinter den Kulissen. Sein Schnapsglas wurde aufgrund des Dauerregens immer voller, so dass er das hochprozentige Getränk arg verdünnt nach langer Rede zu sich nahm.

Holzgeschnitzte Figur

Christian Dirscherl, der seit 1984 als Aktiver, davon drei Perioden als Oberschäffler dabei ist, übergab das weißblaue Fähnchen, das Zeichen seines Amtes, an seinen Nachfolger Matthias Knittl. Zuvor dankten die Vorsitzenden des ATSV dem scheidenden Oberschäffler. Sie übergaben ihm die holzgeschnitzte Figur eines Schäfflers.

So begann am 20. Januar die Schäfflersaison:

Schäffler zeigten Eröffnungstanz

Nachdem Dirscherl die Tänzer in ihren roten Jacken, den schwarzen Hosen und weißen Kniestrümpfen sowie den grünen Hüten mit dem Federflaum vom Platz geführt hatte, formierten sich die Tänzer erneut. Der neue Oberschäffler Knittl führte die Formation zum ersten Mal im Amt zum Tanze. An diesem Tag hatten alle, die gekommen waren, ihren Einsatz. Sie schwangen ihr Bein in der typischen Schäfflerart unter dem grünen, mitgetragenen Bogen.

Als der Tanz zu Ende war, lagen sich die Aktiven in den Armen. Freudentränen flossen. Vorbei war der Stress der Aufführungen, die die Truppe an 16 Tagen in alle Ortsteile der Stadt geführt hatte. „Ich habe Straßenzüge und Plätze zu Gesicht bekommen, von denen ich als gebürtiger Kelheimer nicht einmal gewusst habe“, sagte ein Schäffler.

Vater und Sohn lagen sich in den Armen

Ergreifend war, wie sich in vielen Fällen Vater und Sohn umarmten. Besonders emotional gestaltete sich das Finale für Rainer Pschierl, einen älteren Schäffler. Am Morgen wusste er noch nicht, ob er mitwirken können würde. Doch am Abend trug er stolz die Fahne, auf der der Leitspruch „Oba heit is kalt“ eingestickt ist.

Erstmals tanzten die Schäffler auch jenseits der Donau:

Doch bevor die Emotionen hochgingen, sangen alle das Lied Nummer 17 aus dem Notenbuch der Kapelle. Alle bildeten einen Kreis um die Musikanten. Als die ersten Töne erklangen, sangen alle das Lied „Lasst uns das Leben genießen, schenkt ein…“ aus voller Kehle mit. Nein, es sei kein traditionelles Schäfflerlied. Es habe sich im Laufe der Auftrittstage zum Abschlusslied entwickelt, so informierten Knittl und Dirscherl

Oberschäffler Christian Dirscherl wird verabschiedet Foto: Josef Eder
Oberschäffler Christian Dirscherl wird verabschiedet Foto: Josef Eder

Matthias Knittl betonte, wie wichtig das Organisationsteam hinter den Tänzern ist. Es habe ihn ermutigt, das Amt des Oberschäfflers zu übernehmen. Seit 2005 absolvierte er drei Saisonen als Aktiver. Zwei bis drei Jahre vor den Auftritten beginnen die Vorbereitungen im Hintergrund.

Wie ein Fußballtrainer

  • Bilanz:

    Christian Dirscherl betonte in seinen Schlussworten: „Es hat alles gepasst. Die Gruppe ist sehr homogen. Jeder ist für jeden da“. Das Amt des Oberschäfflers, das er mit dem eines Fußballtrainers vergleicht, hat aber auch Schattenseiten schmunzelte er.

  • Aufgabe:

    „Jeder will immer mittanzen“, sagte Dirscherl, „aber das Team ist größer als die, die tanzen können. So ist es meine Aufgabe gewesen, alle gerecht einzusetzen. Das der Eine oder Andere mehr oder weniger Einsätze bekam lag in der Natur der Dinge sowie dessen Verfügbarkeit. (lje)

Im Herbst 2018 startet diesmal die heiße Phase „Es sind große Fußstapfen, die Dirscherl hinterlässt“, sagte Knittl. Mit den Musikanten, Tänzern, Kasperln, Organisationsteam und dem Busfahrer waren 60 Menschen involviert.

Das Schäfflerlied wurde zum Ohrwurm

Schäffler Georg Lickleder sagte der Mittelbayerischen: „Die Melodie des Schäfflerliedes ist ein Ohrwurm. Ich kann ihn immer hören. Sogar während der Arbeit summe oder pfeife ich es. Einen Muskelkater vom ganz speziellen Tanzschritt hatte ich eigentlich nur nach den Trainingsmonaten im November und Dezember. Nach dem 20. Januar, dem ersten Auftrittswochenende, war er kurz da, aber dann, obwohl es im Schnitt bis zu 19 Auftritte am Tag waren, war er wie verflogen“.

Stolz ist er, ein Teil der Kelheimer Stadtgeschichte zu sein. Ob bei 30 Zentimeter Neuschnee, Frost oder Regen, es mache Spaß. Die Tänzer kommen aus allen Abteilungen des ATSV. Diese Treffen sich während der sieben Jahre regelmäßig zum Stammtisch.

Kelheims Bürgermeister Horst Hartmann meinte nach dem Fototermin am Schäfflerdenkmal: „Es ist immer ein emotionaler Moment, wenn die Schäffler tanzen. Besonders heute, wenn ein neuer Oberschäffler sein Amt antritt. Die Bürger sind begeistert von den Auftritten. Das hat man heute beim tosenden Applaus gemerkt – und als alle mitsangen. Die Schäffler sind eine große Familie.“

Alles über die Schäfflersaison 2019 in Kelheim finden Sie hier.

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Kelheims Schäffler auf neuen Wegen

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