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Gillamoos

Schnauzer, Schweiß und Volksmusik

Eine Begegnung der besonderen Art in Abensberg: Die „Bolzen Beer Band“ steht nicht für klassische Bierzelt-Musik, hat sich dieser aber verschrieben.
von Benjamin Neumaier

  • Dave Soucha (re.) und Brian Brazier sind die Hauptakteure der „Bolzen Beer Band“ und sehen sich als „Retter der Volksmusik“. Fotos: Bolzen Beer Band
  • In Regensburg versuchten sich Dave und Brian als Straßenmusikanten.
  • Die „Bolzen“ sind „etwas anders“.
  • „Live“ ist den Bolzen am liebsten.

Abensberg. Dave Socha und Brian Brazier sind laut, schwitzen auf der Bühne und trinken gerne Bier – so zumindest beschreiben sie sich selbst. Dazu trägt Brazier einen mächtigen, ständig gewachsten Schnurrbart, Socha zieren zahlreiche Tattoos. Die beiden Amerikaner tragen außerdem Lederhosen, lieben den Freistaat Bayern, vergöttern Haindling und sehen sich als Retter der Volksmusik in den USA. Als „Bolzen Beer Band“ sorgen sie in den Vereinigten Staaten seit ihrer Gründung 2010 für Furore und wollen das in diesem Jahr auch am Gillamoos tun – im Hofbräuzelt am Gillamoossamstag um 11 Uhr und am Gillamoosmontag um 12 Uhr – auf der erstmals eingerichteten „Bühne im Grünen.“

Als Koch auf Schloss Eggersberg

Die Affinität zu Bayern und besonders zum Landkreis Kelheim rührt von Bandleader Dave Socha her – er lebte in Riedenburg und arbeitete als Koch auf Schloss Eggersberg sowie in der Rosenburg. Dort lernte er nicht nur die bayerische Kultur kennen und lieben, sondern auch Akkordeon. „Ich habe als Backpacker Jungs aus Bayern kennengelernt – sie haben mich mitgenommen und ich bin irgendwie hängengeblieben.“ Zurück in den USA holte er seinen Kumpel Brian ins Boot und sie wurden zur Bolzen Beer Band. Auch einen Teil des Bandnamens hat er aus Bayern in seine Heimat Nebraska mitgenommen: Bolzen. „Dieses Wort hat mich fasziniert, sobald ich es das erste mal gehört habe. Außerdem ist es ein Alleinstellungsmerkmal. In den USA kennt das niemand, die Leute können es nicht mal aussprechen. Wir müssen es ständig buchstabieren“, sagt Socha.

Doch das und ihre Mischung aus Volksmusik, Polka und modernen Einflüssen – sie nennen ihren Musikstil Party-Punk-Polka – brachte ihnen im vergangenen Jahr 75 Auftritte überall in den USA ein. So spielten sie in den amerikanischen Hofbräuhausablegern, Bars oder auch auf Festivals oder dem South by Southwest (SXSW), der Kombination aus größter Fachkonferenz sowie größtem Musikfestival der westlichen Hemisphäre. 2012 landeten sie dort mit einem Foto in der New York Times. Ende 2012 gingen Dave und Brian ins Studio, um ihr Debütalbum „Sex Drugs Polka“ aufzunehmen. Dabei spielen sie nicht stur nach ihrem Motto – „Wir machen mehr Spaß, wenn ihr tanzt, klingen besser, wenn ihr singt und sehen besser aus, wenn ihr trinkt“ –, sondern passen ihren Stil immer dem jeweiligen Publikum an, sagt Brazier: „Wir können nicht nur laut und punkig. Klar spielen wir schneller als normale Volksmusikkapellen es tun würden, aber es kommt immer darauf an, wer vor der Bühne steht.“ So finden sich in ihrem Repertoire Volksmusik-Klassiker wie „Bier her, Bier her oder i fall um“ oder „In München steht ein Hofbräuhaus“ genauso wie „Hotel California“ , Billie Jean“ oder Eigenkompositionen wie „You are my Bierstein“.

Schon mehrfach im Landkreis aktiv

Einen kleinen Vorgeschmack, was die Gillamoosbesucher erwartet, bekamen einige Musikbegeisterte im Landkreis bereits im vergangenen Jahr zu hören: Denn die Bolzen Beer Band spielte in Abensberg im Gleis 1 und auch schon beim AgrathamAgatha. Dabei versuchten sie sich auch als Straßenmusikanten in Regensburg und besuchten das Hopfenfest in Mainburg – aber nur als Gäste. „Dass wir auf dem Gillamoos spielen dürfen, ist ein Traum – den verdanken wir dem Hofbräu-Seppe. Der kennt unseren Drummer – denn der Abensberger Daniel Brunner spielte schon öfter mit den Bolzen und tut das auch am Gillamoos – und er hat uns eingeladen“, sagt Brazier, der noch lieber als auf dem Gillamoos nur auf dem Oktoberfest zu Gast wäre: „Aber wirklich nur, um Musik zu machen. Was ich im Fernsehen sehe, welches Gedränge da herrscht und wie die Leute abgehen – nein, da nehme ich das Ganze lieber eine Nummer kleiner.“

Socha kennt den Gillamoos, war schon viermal als Gast am Abensberger Jahrmarkt: „Für mich ist der Gillamoos das schönste Fest, das ich kenne. Nicht so überlaufen, gemütlich und vor allem ist hier die Tradition nicht verloren gegangen. Es ist eine Ehre, hier spielen zu dürfen – ich bin schon richtig heiß drauf.“

Vom Gillamoos will sich Brazier überraschen lassen –wie damals, bei seinem ersten Besuch in Bayern: „Es gibt ja dieses Vorurteil, dass alle Amerikaner denken, in Deutschland gebe es nur Volksmusik, Bier und Lederhosen. Ich hingegen war wirklich überrascht, dass hier wirklich so viele Menschen Tracht tragen.“

Und genauso spielen die beiden Musiker auf ihrer Homepage mit den Vorurteilen, die die Welt von den USA hat – dünnes Bier, zu viel Patriotismus oder die Fast-Food-Gesellschaft. „Das ist teilweise natürlich eine Parodie – aber schon mit einem gewissen ernst gemeinten Hintergrund“, sagt Brazier. „Und mal ganz im Ernst – in Amerika gibt es schon eine ganze Menge ´Mist an Bier, da lob ich mir mein Bayernland“, fügt Socha an.

Dass ihr Auftritt am Gillamoos wohl nicht allen Gästen gefallen werde, damit rechnen die beiden: „Du kannst es nicht jedem recht machen. Gerade Volksmusik-Traditionalisten sind nicht immer begeistert von dem, was wir tun – wir sind eben anders.“

Aber genau das mache den Reiz ihrer Musik aus. „Wir brechen Grenzen der Volksmusik auf, erkunden unterschiedliche Stile aus der ganzen Welt, während wir immer an unserem Bolze-Feeling festhalten: „Schnell. Laut. Betrunken“, so steht es zumindest auf ihrer Homepage, „aber man muss nicht alles, was wir tun, immer bierernst nehmen“, sagt Socha.

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