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Juniorwahl

Schnellkurs in Demokratie mit Erfolg

Neuntklässler der Abensberger Mittelschule gaben sozusagen zur Probe ihre Stimme ab. Ihr Interesse freut die Lehrer.

Diese Wahlurne kam auch bei der richtigen Landtagswahl zum Einsatz. Fotos: Abeltshauser
Diese Wahlurne kam auch bei der richtigen Landtagswahl zum Einsatz. Fotos: Abeltshauser

Abensberg.Der Neuntklässler bemerkt, dass seine Wahlbenachrichtigung fehlt. Doch er hat Glück. Denn Wahlhelfer Thomas Eisvogel fragt ihn nach einem Lichtbildausweis. So einen hat der junge Abensberger bei sich. Er zeigt ihn vor. Und erhält deshalb doch noch die Stimmzettel. Er geht in die Wahlkabine. Wenig später steckt er die zwei Papiere in die Wahlurne.

Ein richtiges Wahllokal

Das Wahllokal ist echt. Bei der Landtagswahl stimmen die Abensberger in der Tat in der Mittelschule ab. Auch Wahlkabine und -urne sind original. Es gelten dieselben Regeln wie bei den Wahlen von Erwachsenen. Wer keine Wahlbenachrichtigung dabei hat, der benötigt eben ein amtliches Dokument, um sich auszuweisen. Nur die Wähler sind nicht echt – noch nicht. Die 14- und 15-jährigen Neuntklässler des M-Zugs der Abensberger Mittelschule müssen erst noch volljährig werden. Sie machen mit bei der Juniorwahl für den Landtag. Jugendliche aus über 600 Schulen in Bayern sind mit dabei.

Wie im echten Leben

Dabei läuft alles exakt so ab wie bei einer richtigen Abstimmung. Vor einigen Tagen haben die Lehrer Thomas Eisvogel – er ist übrigens im echten Leben schon häufig Wahlhelfer gewesen – und Jürgen Deinlein den Schülern Wahlbenachrichtigungen in die Hand gedrückt. Die mussten zu Hause ausgefüllt und zum Wahltag mitgebracht werden. Das hat nicht jeder geschafft. Was Eisvogel von echten Einsätzen in Wahllokalen kennt. „Das kommt sogar öfter vor.“

Wer die Wahlbenachrichtigung vergisst, muss den Ausweis rausrücken.
Wer die Wahlbenachrichtigung vergisst, muss den Ausweis rausrücken.

Er und sein Kollege loben die Juniorwahl als ein sinnvolles Projekt. Ihre Erfahrungen zeigen: Jugendliche können so für die Politik und Wahlen interessiert werden. Nicht in jedem Elternhaus sei das ein Thema. Und auch nicht alle Eltern würden selbst zum Wählen gehen. „Alles, was man selber macht, bleibt besser hängen“, beschreiben es die beiden. Eine Wahl wie in echt durchzuziehen mache den Schülern mehr Spaß als trockener Theorieunterricht im Klassenzimmer.

Mit einfachen Übungen gestartet

Dabei müssen die Pädagogen durchaus Kernerarbeit leisten. „Wir haben einfach angefangen“, beschreiben sie die Vorarbeit zum Wahltag. Da warfen die Lehrer beispielsweise Bilder bekannter Politiker an die Wand. „Sogar Söder kannten einige 16 nicht.“ Aber der Plan von Eisvogel und Deinlein ging auf. Das Interesse der Neuntklässler stieg, sie setzten sich sogar mit sperrigen Begriffen wie Mietpreisbremse auseinander oder Wertekatalog auseinander, als sie diese in Wahlprogrammen fanden. Eisvogel beschreibt das Projekt für seine Schützlinge zumindest als Erfolg: „Es ist uns gelungen bei den Schülern Interesse für die Demokratie zu wecken.“

Wählen mit 16 gute Sache

Ann-Lena Zeilnhofer gehört zu denen, die sich ohne die Juniorwahlen noch nicht für Politik interessiert hätte. Sie wartet gerade vor dem Wahllokal, das Eisvogel und Deinlein eingerichtet haben. Wenig später bekommt die 15-Jährige ihren Stimmzettel in die Hand gedrückt. Der sieht zum Verwechseln echt aus. Erst beim zweiten Hinsehen erblickt man das Wort Juniorwahl.

Selbstverständlich war die Wahl geheim.
Selbstverständlich war die Wahl geheim.

Auch wenn sie sich mit Parteien bisher noch nicht extrem auseinandergesetzt hat, findet die Schülerin, dass man mit 16 wählen dürfen sollte. Sie ist sich damit einig mit ihre Freundin Johanna Ziegler. Beide sind der Meinung, dass Jugendliche unter 18 so ein größeres Mitspracherecht in der Gesellschaft hätten. Sie würden ernster als jetzt genommen. Alt genug sei man – so sehen es die beiden Mädchen.

Hier finden Sie ein Video über die Juniorwahl:

Juniorwahl an der Abensberger Mittelschule

Im Grunde sind sich da alle einig: Das Wahlalter sollte herabgesetzt werden. Wobei Rinor Makica einräumt, dass wohl nicht jeder 16-Jährige schon reif genug ist. Er selbst wird sicherlich wählen, wenn er einmal 18 Jahre alt ist. Für den gebürtigen Kosovaren ist das schon allein ein Grund, den deutschen Pass zu beantragen. Der 14-Jährige macht sich schon jetzt Gedanken darüber, welche Parteien für ihn infrage kommen. Zum Beispiel nutzt er den Wahlomat dafür. Dort sind zum Beispiel die Wahlprogramme der einzelnen Gruppen zu finden.

. Die 14- und 15-jährigen Schüler, die aus dem gesamten Verbreitungsgebiet des Mittelschulverbundes Kelheim-Mitte stammen, haben sehr „bunt gewählt“. Hier ist das genauer Ergebnis:

Ganz so weit ist Johanna Ziegler noch nicht. Aber das Interesse an Politik wächst bei ihr – unabhängig von der Juniorwahl. Es gehe auch gar nicht anders. Wird sie doch durch die vielen Wahlplakate immer wieder an dieses Thema erinnert. Sie sehe sie ja täglich auf ihrem Weg zur Schule. Die Landtagswahlen spielen auch daheim am Wohnzimmertisch eine Rolle. Das hat etwas mit ihrer älteren Schwester zu tun. Die darf heuer erstmals wählen. Und wird von ihrem Recht auch Gebrauch machen.

Die Jugendlichen haben von der Tendenz her so gewählt, wie die erwachsenen Bayern am Sonntag. Allerdings schneidet die CSU bei den Schülern noch deutlich schlechter ab. Deutlich besser steht bei den Jungen dafür die Linke da. Sie erhält mehr als dreimal so viel Stimmen. Sichtbar mehr Stimmen als im bayerischen Gesamtergebnis bekommt die SPD. Dafür erhalten die Grünen einige Prozent weniger als bei der richtigen Abstimmung.

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