mz_logo

Region Kelheim
Freitag, 21. September 2018 27° 1

Umweltschutz

Schüler prüfen ihr „grünes Ich“

Beim Nachhaltigkeitsprojekt „Um Welt 4u“ erfuhren die Schüler des BSZ Kelheim viel Neues und teils auch Schockierendes.
Von David Santl

  • Es muss ja nicht immer Fleisch sein: Vegetarische und vegane Produkte stießen auf viel Interesse. Fotos: Santl
  • Die Organisatorinnen Christine Linhard (li.) und Gabriele Kilger wollten der Umwelt eine Plattform bieten.
  • Müll aus Plastik kann durch die Chemie, die in ihm steckt, Krankheiten verursachen. Plastik sparen kann man auch, indem man beim Einkauf darauf achtet, dass nicht alles eine Extra-Verpackung bekommt. Dafür verkaufte die F10b selbst gemachte garantiert plastikfreie Tragetaschen. Vom Erlös wurde ein Euro pro Tasche gespendet.
  • Sogar beim „in der Schule sitzen“ verbrennt man Kalorien. Trotzdem ist es aber empfehlenswert, Sport zu treiben. Eine Möglichkeit dazu gab es mit einem Springseil gleich an der Station selbst. Wer eine Minute Seilspringen durchhielt, durfte sich danach guten Gewissens mit einem Gummibärchen belohnen.
  • „Nimm dir, was du brauchst und spende, was du nicht mehr benötigst“, war das Motto der Tauschbörse. Vor allem Kleidung wurde angeboten. Textilarbeiter in Billiglohnländern leben oft unter schlimmen Bedingungen. Von einem T-Shirt, das 4,95 Euro kostet, bekommt der Näher oft nur etwa 13 Cent.
  • „Der schmeckt super“, war am Fairtrade-Stand oft zu hören. Grund dafür war der Orangensaft, der vor den Augen der Schüler frisch zubereitet wurde. Die Orangen kommen übrigens von einem Baum in Spanien, der vom BSZ gepachtet wurde. Je nach Bedarf wird das „Fairtrade-Team“ mit Orangen von „seinem“ Baum beliefert.

Kelheim.Längst haben viele von uns erkannt, wie wichtig in der heutigen Zeit Umweltschutz und Nachhaltigkeit wirklich ist. In den Lehrplänen an den Schulen kommt er bisweilen noch eher selten vor. Ein guter Grund also für einige Schüler des Beruflichen Schulzentrums (BSZ) Kelheim, das Projekt „Um Welt 4u“ auf die Beine zu stellen, um dieses Thema in den Fokus zu rücken.

Schulleiter Johann Huber veranschaulichte bereits bei der Eröffnung mit einer einfachen Tube, wie viel Mikroplastik sich in Dingen verbirgt, die man täglich benutzt. „Hier ist es wichtig, dass die Leute wachgerüttelt werden“, mahnte er.

Auch der stellvertretende Landrat Wolfgang Gural wies darauf hin, wie viele Möglichkeiten es gibt, die Umwelt zu schonen. „Ich werde mir später noch die Infotafeln anschauen und mir Anregungen holen“, versprach er.

Eine Million Tonnen Klamotten

Tina Rosenhammer und Maria Reiser-Ebn vom Caritas-Verband des Landkreises Kelheim nannten eine erschreckende Zahl zum Thema Kleiderverschwendung: Fast eine Million Tonnen Kleidung werde jedes Jahr aussortiert.

Dabei biete die Caritas Möglichkeiten, wie diese verwertet werden kann. Vor allem auf ihre „CarLa-Kleiderläden“ wiesen die beiden hin. Bevor man Kleidung wegwirft, könne man diese in den Kleiderläden in Abensberg und Kelheim vorbeibringen.

Organisatorin Gabriele Kilger schilderte die grausamen Umstände der Massentierhaltung. „Die Schweine können sich in ihren Käfigen nicht umdrehen“, sagte die Lehrerin. Tierwohl und auch Menschenwohl müsse allen am Herzen liegen.

„Niemand muss komplett auf Fleisch und Kunststoff verzichten, aber wenn jeder Einzelne seinen Konsum ein bisschen überdenkt, können wir etwas bewegen“, motivierte Kilger die Schüler und anderen Anwesenden.

Bedrückendes über Plastik

Bereits vor der Eröffnung durften manche Klassen die Stationen des Projekts durchlaufen. Bei einer Station über Plastik gab es interessante, wie auch bedrückende Infos, welchen Schaden Plastik anrichten kann.

Jährlich landen gut 12,7 Tonnen Plastikmüll in den Meeren, so viel, dass man Berlin drei Mal damit zudecken könnte. Vor allem Meerestiere leiden: Sie fressen den Müll, weil sie ihn für Futter halten, verhungern aber trotzdem, da sie ihn nicht verdauen können.

Auch einige Tipps, um Plastik zu vermeiden, gab es: Statt der typischen Coffee-to-go-Becher sollte man Mehrwegbecher verwenden.

Was ist vegetarisch, was vegan?

Einige Abwechslung brachte die „Sportstation“ in den Schulalltag. Neben einigen Infos, wie man sich fit halten kann und seinen Body Mass Index ausrechnet, lag ein Springseil bereit.

Bei einer anderen Station wurde vor allem der Unterschied zwischen vegetarischer und veganer Ernährung erklärt. Insgesamt gibt es weltweit bis zu 1,3 Milliarden Vegetarier, wie die Schüler erfuhren.

Nach so viel Input hatte sich jeder Schüler eine Pause verdient. Das ging am besten bei der „Fairtrade-Truppe“, die ihre Mitschüler mit frisch gepresstem Orangensaft verwöhnte. „Das ganze Projekt ist eine super Idee“, waren sich Linda und Mark einig. „Die Orangen stammen übrigens vom schuleigenen Orangenbaum“, berichtete Betreuungslehrerin Christine Linhard.

Was die wenigsten wussten: Der Baum steht in Spanien! Den Hintergrund wusste Christine Linhard: „Wir haben dort im Rahmen eines Projekts einen Baum gepachtet.“ Immer wenn das Team Orangen braucht, werden sie in Spanien geerntet und dann geliefert.

Nachdem alle wieder gestärkt waren, wurde vor allem die Tauschbörse zum Anziehungspunkt: Egal ob alte Kleidung oder Bücher – alles, was die Schüler nicht brauchten, konnten sie verkaufen. In einer Präsentation wurden zudem die schrecklichen Bedingungen der Textilindustrie in Ländern, wie Bangladesch und der Türkei verdeutlicht.

Nach gut zwei Schulstunden war das Projekt auch schon wieder zu Ende. „Ich finde es wichtig, dass Aufklärung betrieben wird, wie wir besser auf unsere Umwelt achten können“, sagte Liena aus der Klasse FW12c. „Dank der Fitnessstation weiß ich jetzt, dass ich normalgewichtig bin“, ergänzte Ludwig lachend. Dieses Umweltprojekt war also weitaus mehr als „nur“ zwei Stunden ohne Unterricht.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht