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Region Kelheim
Sonntag, 23. September 2018 19° 4

Interview

„Segelfliegen ist Teamsport“

Luitpold Kaspar, der Vorsitzende des Flugsportvereins Kelheim, spricht über Gefahren, Kosten und besondere Rituale.
Von Beate Weigert

Luitpold Kaspar ist der 1. Vorsitzende des FSV Kelheim  Foto: Weigert
Luitpold Kaspar ist der 1. Vorsitzende des FSV Kelheim Foto: Weigert

Kelheim.Kann jeder Segelfliegen?

Ja, im Prinzip schon. Ein Blick auf unsere Aktiven zeigt, dass Frauen wie Männer den Sport betreiben können. Unsere Jüngsten sind 14 Jahre, der älteste Pilot ist 71. Von 50 Aktiven, sind fünf weiblich. Voraussetzung ist ein Tauglichkeitszeugnis eines Fliegerarztes. Dieses muss in regelmäßigen Abständen vorgelegt werden. Einsteiger sollten keine Angst vor Höhe haben und gerne im Team arbeiten, denn ohne die Hilfe der Kameraden kommt keiner in die Luft.

Was sollte man noch mitbringen?

Ein Segelflugzeug bleibt rein mit Hilfe von thermischen Aufwinden auf Höhe. Man sollte das Spiel mit den Elementen und den Aufenthalt in der Natur mögen. Wer den Pilotenschein machen möchte, muss wissen: Ohne Theorie geht nichts. Grundlagen des Fliegens, Luftrecht, Meteorologie, Navigation und vieles mehr sind Pflicht.

Hut ab, der 14-jährige Max legte vor kurzem seinen ersten Alleinflug hin! Foto: David Scherer
Hut ab, der 14-jährige Max legte vor kurzem seinen ersten Alleinflug hin! Foto: David Scherer

Bietet der Verein auch noch andere Pilotenausbildungen an?

Generell bilden wir „Fußgänger“ im ersten Schritt zu Segelflugpiloten aus. Der Segelflug ist unsere Hauptsparte. Er bietet beste Voraussetzungen für alle weiteren fliegerischen Wege. Sie können bei uns im Weiteren auch den Motorseglerschein machen. Zum „Fuhrpark“ gehören neun Maschinen. Ein Motorflugzeug, zwei Motorsegler und sechs Segelflugzeuge. Davon sind zwei Doppelsitzer, vier Einsitzer. Zwei Einsitzer dienen vor allem Schulungszwecken, die beiden anderen sind für Streckenflüge.

Wie gefährlich ist der Sport?

Jeder Segelflugpilot weiß, wie klein der Schritt von sicher zu unsicher ist. Meist sind es die eigenen Fehler, die sich unmittelbar bemerkbar machen. Deshalb durchlaufen unsere Schüler eine fundierte Ausbildung.

Wovor haben Ihre Flugschüler am meisten Schiss?

Die erste Landung muss sitzen. Segelflieger haben keinen Motor, wir können nicht durchstarten und die Maschine wieder hochziehen. Das macht es anspruchsvoll und ist am Anfang Stress für die Schüler. Wir schauen ganz genau hin, wann jemand bereit ist, für den ersten Alleinflug. Das entscheidet nie ein Fluglehrer allein, sondern immer zwei im Team. Grundsätzlich gilt – Start und Landung sind die anspruchsvollsten Phasen.

Wie muss man sich den ersten Alleinflug vorstellen, was macht der Fluglehrer da?

Er begleitet den Flugschüler per Funk vom Boden aus und ist in dem Moment mindestens so nervös wie der Schüler. Schließlich muss der ja wieder heil am Boden ankommen. Das ist eine große Verantwortung.

Max mit seinem Brennnesselstrauß, den gibt‘s wirklich. Foto: David Scherer
Max mit seinem Brennnesselstrauß, den gibt‘s wirklich. Foto: David Scherer

Stimmt es, dass den Schüler nach dem ersten Alleinflug ein besonderes Ritual erwartet?

Ja. Er bekommt einen Wildblumenstrauß. Könnte sein, dass sich darin ein paar Brennnesseln verstecken. Zum anderen wird ihm von allen Kameraden der Hintern versohlt. Denn eigentlich fliegt man mit dem Hintern, der spürt, was das Segelflugzeug macht, wie es reagiert.

Kann man sagen, wie viel man als Segelflieger Minimum für seinen Sport pro Jahr ausgibt?

Reine Segelflieger zahlen im Schnitt 500 bis 1000 Euro pro Jahr inkl. Jahresbeitrag, Segler- und Motorseglerpiloten liegen bei 800 bis 1500 Euro, je nach Flugaktivitäten.

Muss man eigentlich für jeden Flug Startgebühren oder Sonstiges entrichten?

Ja, Startgebühren zum Selbstkostenpreis

Wie hoch ist beim FSV die Jahres-Vereinsgebühr?

Jugendliche und Azubis zahlen 260 Euro, Erwachsene 590 Euro.

Noch Fragen zur Ausbildung? Mail: ausbildung@fsv-kelheim.de

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