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Jubiläum

Seit 50 Jahren ein „Lückenfüller“

Die Musikvereinigung Kelheim feiert seit 50 Jahren Erfolge – untrennbar damit verknüpft ist Dr.Christoph Lickleder.
von Benjamin Neumaier

Dr. Christoph Lickleder Foto: Heindl
Dr. Christoph Lickleder Foto: Heindl

Kelheim.Dr. Christoph Lickleder schaut nicht stolz, sondern dankbar zurück. Denn „gerade in der Kunst gibt es nichts, was nicht noch besser gemacht werden könnte“. Mit dieser Erkenntnis und Demut dankt er allen, die die Musikvereinigung Kelheim und ihr Angebot nun seit 50 Jahren tragen. Dieses Gemeinschaftswerk feiert heuer Jubiläum – und soll weiter leben.

Herr Lickleder, Ihre Maxime ist, dass man sich der Musik unterordnen, der Musik dienen muss, um ihr gerecht zu werden.

Der Erfolg setzt sich als Mosaik zusammen, auch das kleinste Steinchen darf nicht fehlen. Das Zwischenmenschliche muss passen, denn große Sprüche und Selbstdarstellung verträgt die Musik nicht.

Die Musikvereinigung Kelheim steht und fällt aber mit einer Person: Dr. Christoph Lickleder. Da könnte manch einer auf die Idee kommen, von Selbstdarstellung zu sprechen.

Das hat es auch gegeben, klar, und es war auch stets eine Gratwanderung, aber: Bei einer Vereinigung mit der Größe der unsrigen muss das künstlerische, organisatorische und musikalische in einer Hand liegen, sonst funktioniert es nicht.

Diese Hand sind seit 50 Jahren Sie. 1968 haben sie die Musikvereinigung als Musikstudent ins Leben gerufen – und es ging gleich rasant aufwärts.

Bereits unser erstes Konzert in der Weltenburger Klosterkirche am 30. Juni 1968 war ein riesiger Erfolg. Es hat einfach gepasst. Laienmusiker aus Kelheim haben zusammen mit Profis aus München musiziert, die Mischung stimmte. Danach wurden wir zigfach zu Konzerten eingeladen. Ich hätte diesen Erfolg und die Kreise die er zog, nie erwartet. Aber es war wohl so, dass wir eine Nische besetzt, eine schmerzliche Lücke gefüllt haben. Konzertant dargebotene Kirchenmusik war in Kelheim damals nicht existent.

Warum eigentlich ausgerechnet Kirchenmusik?

Das war wohl einerseits das eiserne Hemd der damaligen Erziehung, andererseits hat sie mich schon immer fasziniert. Als ich dann mit 13 Jahren mit dem Rad nach Rohr zu Musica Sacra gefahren bin, Größen wie Fritz Wunderlich oder Franz Graß live erlebt hatte, da war es um mich geschehen. Im Studium hat sich dieser Gedanke dann Bahn gebrochen. Aber wer weiß, wäre ich 30 Jahre später geboren, vielleicht wäre es dann Rockmusik geworden.

Sie haben danach mehr als 100 Konzerte organisiert und dirigiert, arbeiteten mit den Münchner Philharmonikern zusammen, tourten durch Bayern oder traten im ZDF auf – wäre dieser Erfolg auch heute so noch möglich?

Es wäre definitiv schwieriger. Damals war live noch angesagt, die heutige Vielfalt mit CD, DVD oder Internet oder Livestream ja nicht in den kühnsten Träumen denkbar. Auch die gestiegene Mobilität und unsere Lage zwischen München, Regensburg und Ingolstadt, sorgt für mehr Konkurrenz. Zudem sind die Ansprüche gestiegen.

Sie hatten auch stets hohe Ansprüche, Sind Sie denen stets gerecht geworden?

Auch wenn man, gerade in der Musik, immer alles besser machen kann, hat es rückblickend meist sehr gut gepasst. Klar wollte ich gefühlt nach jedem Konzert wegen irgendwas hinwerfen, war ein richtiger Feuerkopf, aber die Philosophie, die Profis entscheiden zu lassen, was für Kelheim passt und das dann umzusetzen, damit sind wir immer gut gefahren. Wir haben unsere Grenzen ausgereizt, aber nie versucht, höher zu springen, als wir konnten.

Wenn Sie sich in all den Jahren einen Wunsch hätten erfüllen können, was wäre das gewesen?

Ein Konzertsaal in Kelheim. Ich habe Neumarkt immer um den Reitstadel beneidet. Es ist aber leider so, dass am Kulturetat von Kommunen am schnellsten gekürzt wird. Streicht man den Bau eines Feuerwehrhauses oder die Zuschüsse für einen Sportverein, dann schreit die Masse auf – auf Kultur wird leichter verzichtet. Dennoch haben wir viel Unterstützung erfahren, gerade durch den Kulturförderverein oder auch aus privater Hand. Ich kann nicht klagen.

Einen musikalischen Wunsch gibt es nicht?

Auf Lange Sicht einen Zyklus eines Komponisten zu verwirklichen – etwa die Auferstehungssinfonie von Gustav Mahler – das wäre toll. Aber daran würde ich mich wohl komplett aufreiben.

50 Jahre einen Verein zu führen, 40 Jahre zu dirigieren, das muss doch auch aufreibend sein?

Das ist es auch, aber es war schon ein Anreiz, als Gründer die 50 Jahre jetzt noch voll zu machen. Und ich hatte immer auch viel Freude.

Das hört sich nach Abschied an.

Ich fahre mein Engagement herunter. Es wird noch ein jährliches Weihnachtskonzert mit den Kammersolisten geben – das ist ein Selbstläufer –, aber das reicht dann auch.

Ist ein Nachfolger nicht in Sicht?

Die zieren sich noch. Aber wenn ich nicht mehr bin, dann wird schon einer aufspringen.

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  • Programm:

    Beginn, 19 Uhr: Sreten Krstic, Leitung und Solovioline, hat folgende Werke für Streichorchester bearbeitet: Mozart: Große g-moll Sinfonie, KV 550; Wieniawsky: Scherzo tarantella; Mendelssohn: 4. Sinfonie, die Italienische. Ferner kommen die Zigeunerweisen op. 20 von Sarasate zur Aufführung. In großer Streicherbesetzung spielt das Gasteig-Orchester München. Dazu gibt es für jeden Besucher eine Überraschung.

  • Karten:

    Karten zu 27 Euro, ermäßigt 23 Euro; Start ab 1. März in der Tourist-Information der Stadt Kelheim, Ludwigsplatz 1, Tel. (0 94 41) 70 12 34; Email: tourismus@kelheim.de; Restkarten an der Abendkasse.

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