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Diskussion

Sicherheit bricht die Tradition

Was gehört zum Maibaum-Aufstellen? Neustadts Heimatpfleger Albrecht pocht auf Tradition, Hotelier Zettl hat seine Meinung.
Von Jochen Dannenberg

Auch das ist Bad Gögging: •Über 25 kräftige Männer richteten den Maibaum beim TSV  auf.  Foto: Pirthauer, Archiv
Auch das ist Bad Gögging: •Über 25 kräftige Männer richteten den Maibaum beim TSV auf. Foto: Pirthauer, Archiv

Neustadt.Die Tradition des Maibaums ist mehrere hundert Jahre alt. Sie könnte aussterben. Und das könnte nicht nur daran liegen, dass sich keine Menschen mehr finden, die dieses Brauchtum – ein Markenzeichen des Freistaat Bayern – pflegen wollen.

Zur Tradition des Maibaums gehört, dass der Maibaum eine Woche vor dem 1. Mai aus dem Wald holen, der Baum gesegnet und anschließend aufgestellt wird. Doch jetzt wird ausgerechnet am spektakulärsten, weil spannendsten Teil des Brauchtums, abgesehen vom Maibaum-Stehlen, gerüttelt: Das Aufstellen des Baumes könnte deshalb schon bald der Vergangenheit angehören.

Bad Gögging nicht im Wettbewerb

In Irnsing wurde der Maibaum heuer traditionell aufgestellt. Foto: Sebastian Liedl
In Irnsing wurde der Maibaum heuer traditionell aufgestellt. Foto: Sebastian Liedl

Bad Gögging lieferte in diesem Jahr einen Vorgeschmack. Im Kurort wurde der Baum nicht mehr von jungen und kräftigen Burschen aufgestellt, sondern von einem Kran. Neustadts Heimatpfleger Edi Albrecht war empört. Das entspreche nicht der Tradition, sagte Edi Albrecht. Und das hatte Folgen: Als er unlängst mit Stadtarchivar Anton Metzger durch Neustadt und die Ortsteile fuhr, um die schönsten Maibäume zu ermitteln, hielt das Duo nicht in Bad Gögging an. Man sah sich den Baum nicht einmal an, das Stangerl nahm am Wettbewerb nicht teil.

Den Grund erläuterte der Heimatpfleger im Gespräch mit der Mittelbayerischen. Danach gehört es nach seiner Auffassung zur Tradition, dass der Baum mit Muskelkraft in die Höhe gebracht wird. Skeptisch sieht Edi Albrecht deshalb, wie die Tradition, die den Maibaum ausmache, aufgeweicht wird.

Spitze für den Baum

Es könne zum Beispiel nicht sein, sagt er, dass ein Weihnachtsbaum aus Plastik als Spitze für den Maibaum herhalten müsse. Bänder aus Plastik lehnt der Heimatpfleger ebenfalls ab. Milde zeigte er sich jedoch im Gespräch mit der Mittelbayerischen, soweit es um die Kränze geht.

Sie könnten durchaus aus Kunststoff angefertigt sein, wobei Edi Albrecht keinen Hehl daraus machte, dass er aus Gründen der Tradition die althergebrachte Variante aus natürlichen Zweigen bevorzugt. Keinen Zweifel ließ der Heimatpfleger jedoch daran, dass er ein Aufstellen des Baumes mit einem Kran ablehne.

Sicherheit bricht die Tradition

  • Risiko:

    Immer wieder kommt es zu Unfällen. Letztes Jahr wurde im fränkischen Wettelsheim eine junge Frau von einer abgebrochen Maibaum-Spitze erschlagen.

  • Prüfung:

    Auch nach dem Aufstellen muss die Sicherheit gewährleistet sein. Im ersten Jahr reicht es, wenn ein Schreiner oder Zimmerer den Baum begutachtet. Ab dem zweiten Jahr ist mehr Sachkunde erforderlich.

Damit erregte Edi Albrecht den Widerspruch von Karl Zettl, Hotelier und Gastronom aus Bad Gögging sowie Vorsitzender des örtlichen Tourismusverbandes. Der griff, kaum dass er den Artikel mit Edi Albrechts Gedanken in der Mittelbayerischen gelesen hatte, zum Telefon und erklärte, dass es so einfach mit dem Maibaum-Aufstellen nicht sei. Es gebe Vorschriften!

„Ich gehe beim Aufstellen auf ’Nummer sicher‘“, erklärte Zettl und verwies auf die Rechtslage. Danach sind Mitglieder von Burschenschaften und Vereinen beim Maibaum-Aufstellen nur dann gesetzlich unfallversichert, wenn sie bzw. ihre Organisation im offiziellen Auftrag der Gemeinde tätig werden. Dahinter steckt folgende Überlegung: Wird der Maibaum im Auftrag der Gemeinde aufgestellt, tritt die Gemeinde als Unternehmer auf und die Helfer werden arbeitnehmerähnlich, also weisungsgebunden, tätig.

Eine Tonne schwer

Zudem verweist Karl Zettl darauf, dass der Baum, den der Tourismusverband in diesem Jahr im alten Kurpark aufgestellt hat, kein Leichtgewicht ist. Er ist 26 Meter lang und dürfte eine Tonne wiegen.

Feuerwehrkameraden und Augustiner-Freunde Mühlhausen-Geibenstetten stemmen mit vereinten Kräften den Maibaum in die Höhe. Foto:Josef Kastl
Feuerwehrkameraden und Augustiner-Freunde Mühlhausen-Geibenstetten stemmen mit vereinten Kräften den Maibaum in die Höhe. Foto:Josef Kastl

Auch deshalb stört es den Vorsitzenden des Tourismusverbandes Bad Gögging, wenn ein Dorf und seine Einwohner danach beurteilt werden, ob sie den Maibaum traditionell mit Muskelkraft oder modern mit einem Kran aufstellen. Für den Tourismusverband sei es ohnehin schwierig, die erforderlichen Männer aufzutreiben. Anders beim TSV Bad Gögging. Da gebe es die Männer, betont Zettl, der Vorsitzender des TSV ist. Aber dort sei der Baum auch kleiner.

Ein Dorf hält zusammen

„Unser Dorf halt z’samm‘“, sagt Karl Zettl. Das habe sich auch beim Maibaum-Aufstellen im alten Kurpark bestätigt. „Es haben viele geholfen.“ Deshalb könne man die Qualität der Dorfgemeinschaft nicht daran festmachen, wie der Maibaum aufgestellt werde.

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