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Sie bringen die Kelheimer ins Netz

Die Eröffnung des Christkindlmarkts markiert eine neue Ära in der Kelheimer Altstadt. Denn dann gibt es dort freies W-Lan.
Von Johannes Heil

Freifunk Regensburg sorgt in Kelheim für frei zugängliches W-Lan.
Freifunk Regensburg sorgt in Kelheim für frei zugängliches W-Lan. Fotos: Heil

Kelheim.Wer auf den Weihnachtsmärkten seinen Blick einmal umherschweifen lässt, der wird bemerken, dass viele Menschen nicht mehr nur ihren Glühwein in den Händen halten. Das Smartphone ist auch im weihnachtlichen Trubel ein ständiger Begleiter. Schließlich will das gerade Erlebte auch mit den Freunden in den sozialen Netzwerken geteilt werden.

Für alle Kelheimer, für die ein Besuch des Christkindlmarktes erst durch einen entsprechenden Post auf Facebook oder Instagram vollständig ist, gibt es nun eine gute Nachricht. Der Kelheimer Christkindlmarkt lockt seine Besucher in diesem Jahr nicht nur mit frischen Bratwürstl und strahlendem Lichterglanz an, sondern auch mit kostenlosem, frei zugänglichem W-Lan.

W-Lan im Christbaumständer

Dafür zeichnen in erster Linie drei junge Männer aus dem Landkreis verantwortlich, die von der Stadt Kelheim beauftragt wurden, den Ludwigsplatz pünktlich zum 9. Dezember in einen W-Lan-Hotspot umzuwandeln: Tobias Teubl (23) und Florian Schneider (20) aus Langquaid sowie Daniel Treitinger (20) aus Kirchdorf stellten kürzlich ihre Arbeit vor. Symbolisch hatten sie einen W-Lan-Router dabei – an einem Besenstil befestigt der wiederum in einem Christbaumständer fixiert war. Weihnachtsstimmung kam da zwar nicht zwingend auf, doch das soll ja auch erst bei Beginn des Christkindlmarkts passieren.

Die drei IT-Spezialisten sind Mitglieder beim Verein Freifunk Regensburg, der mit dem Auftrag betraut worden ist. „Wir wollten einen lokalen Anbieter. So ist die Zusammenarbeit unkomplizierter“, sagt Altstadtmanager Stephan Bergmann, der das Projekt betreut.

„Und wenn es einmal ein Problem gibt, haben wir sofort einen Ansprechpartner bei der Hand.“ Auch Kelheims Bürgermeister Horst Hartmann freut es, dass der „technische Input“ aus dem Landkreis selbst kommt. Über die Bedeutung des Projekts sagte er: „Freies W-Lan und Internet gehört zu modernen Kommunen dazu“, sagte Hartmann.

Hier finden Sie weitere Informationen zu Freifunk Regensburg:

Freifunk Regensburg

  • Gründung und Zweck:

  • Der gemeinnützige Verein Freifunk Regensburg wurde ursprünglich mit dem Zweck gegründet, die Infrastruktur des Regensburger Freifunknetzes zu betreiben und auch als zentraler Ansprechpartner zu dienen. Die Mitgliedschaft im Verein Freifunk ist kostenlos.

  • Ziele:

  • Ziel der Regensburger Freifunk-Community ist es, ein dezentrales, offenes Funknetzwerk zu etablieren, welches von Bürgern und Gästen gleichermaßen – unkompliziert und barrierefrei – genutzt werden kann. Der Verein nutzt eigene Gateways, um den Datenverkehr ins Internet zu leiten.

  • Technik:

  • Freifunk-Router benötigen primär lediglich eine Stromversorgung. Sobald weitere Freifunk-Router per Funk erreichbar sind, fangen diese an, sich miteinander zu vernetzen. Sobald einer der Router Zugang zum Internet herstellt, teilt er diese Verbindung mit den Routern in Funkreichweite.

  • Betrieb:

  • Die notwendige Technik für Freifunk-Netzwerke ist heute sehr günstig zu erwerben. Einfache Router sind bereits für 20 Euro erhältlich und genügen, um beispielsweise ein Restaurant mit W-Lan zu versorgen. Selbst die Versorgung größerer Plätze ist für Beträge unter 100 Euro möglich.

W-Lan für die ganze Altstadt

Perspektivisch soll die gesamte Altstadt mit W-Lan ausgerüstet werden. „Wir wollen das Gebiet, in dem W-Lan empfangen werden kann, systematisch ausweiten“, sagte Bergmann. Auch auf dem Wöhrdplatz, beim Keldorado und dem Wohnmobilstellplatz soll auf lange Frist der Sprung ins World Wide Web möglich sein. Erst einmal soll es aber „nur“ der Ludwigsplatz sein. Dies soll sich dann im kommenden Jahr zur Touristen- und Ausflugssaison ändern – mit dem Ziel die Kreisstadt für Besucher und Touristen noch attraktiver zu gestalten. Perspektivisch gesehen sei es auch eine Option die Gastronomen mit ins Boot zu holen.

Doch bereits die Ausstattung des Ludwigsplatzes ist eine große Herausforderung für die IT-Spezialisten. Schließlich sind zum Christkindlmarkt sehr viele Menschen auf dem Platz, von denen viele gleichzeitig ins Internet wollen. Dazu werde auch eigens zu diesem Zweck spezielles Equipment, das auch in Regensburg auf dem Neupfarrplatz verwendet wird, ins Kelheimer Rathaus gebracht. „Das wird aber, sobald der Christkindlmarkt vorbei ist, nicht mehr notwendig sein“, sagt Tobias Teubl. Für den den alltäglichen Betrieb reicht auch ein nicht so leistungsstarkes Equipment komplett aus.

Für die drei Experten bedeutet die Einrichtung des Kelheimer W-Lan-Netzes auch, dass sie ordentlich ins Schwitzen kommen. Denn um alles ins laufen zu bekommen müssen sie nicht nur schrauben und programmieren, sondern auch klettern.

Die Richtfunkantennen müssen nämlich hoch oben über der Altstadt angebracht werden, auf den drei Stadttoren, damit auch eine direkte Verbindung zwischen den einzelnen Antennen sichergestellt ist. „Es braucht nämlich eine direkte Sichtverbindung zwischen den einzelnen Antennen“, erklärt Teubl den technischen Hintergrund.

Kennengelernt haben sich die drei jungen Männer über den Verein Freifunk Regensburg. Aber auch beruflich bringen sie den nötigen technischen Background mit. Schneider und Treitinger sind Fachinformatiker und Teubl studiert Informatik in Regensburg. Wochenlang haben sie im Vorfeld hart daran gearbeitet, um pünktlich zum Christkindlmarkt das System zum laufen zu bringen.

Jeden, der Angst vor einer eventuellen erhöhten Strahlenbelastung durch das neue W-Lan-Netz hat, können die Freifunker beruhigen: „Es werden natürlich alle Richtwerte eingehalten“, sagt Teubl. Das neue Angebot habe diesbezüglich keine Auswirkungen.

Besonders erfreut zeigten sich die drei Spezialisten über die Zusammenarbeit mit der Stadt Kelheim. „Wir wurden bei unserer Arbeit immer unterstützt. Dies ist beileibe nicht selbstverständlich“, sagte Teubl und verwies auf andere Projekte in der Region, bei denen die Arbeit nicht derart reibungslos abgelaufen war.

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