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Medien

Sie haben „keine Angst vor dem Internet“

Die Älteren aus Saal im Kreis Kelheim sind fit im Internet. Jugendlichen weisen sie jetzt in Smartphone & Co ein.
Von Roland Kugler

Senioren fragen, junge Experten antworten. Beim Kurs „Keine Angst vorm Internet“ an der Saaler Schule gibt es jetzt auch kompetente Erklärungen für alle Fragen zum Thema Smartphone. Foto: Kugler
Senioren fragen, junge Experten antworten. Beim Kurs „Keine Angst vorm Internet“ an der Saaler Schule gibt es jetzt auch kompetente Erklärungen für alle Fragen zum Thema Smartphone. Foto: Kugler

Saal.Walter Dietz ist 66 Jahre alt. Nach einem bekannten deutschen Schlagersänger, der immerhin 80 wurde, fängt da bekanntlich erst das Leben an. Für viele ältere Mitbürger beginnt tatsächlich oft etwas Neues, wenn sie zum ersten Mal mit dem Computer oder Handy in Berührung kommen. Etwas nachschauen, einkaufen, Anmeldungen, Erledigungen bei Ämtern, vieles geht heute übers Internet, manches leider nur noch.

„Immer wieder sind ältere Leute auf mich zugekommen und haben mich in Sachen Computer und Internet um Hilfe gebeten“ sagt Walter Dietz. Viele kennen den Saaler, er ist seit 22 Jahren im Gemeinderat und dort auch Seniorenbeauftragter. Er kennt sich mit den neuen Medien einigermaßen gut aus: „Für den Hausgebrauch reicht es, und ich hab Kinder die helfen mir weiter, wenn ich Fragen hab.“ Das wollte er auch anderen vermitteln, also rief er einen Kurs ins Leben: „Keine Angst vorm Internet“. Zusammen mit Mechthild Heiß, einer pensionierten Lehrerin, unterrichtet er in der Saaler Schule seit eineinhalb Jahren Senioren im Umgang mit Laptop und Internet. 

Beim Computerkurs stellt die Schule die Laptops, beim Handy-Kurs bringt jeder sein eigenes Gerät mit. Foto: Kugler
Beim Computerkurs stellt die Schule die Laptops, beim Handy-Kurs bringt jeder sein eigenes Gerät mit. Foto: Kugler

„Der Kurs wurde von Anfang an gut angenommen“ sagt Mechthild Heiß. Er findet alle 14 Tage statt, man muss sich nicht anmelden, sondern kann einfach vorbeikommen. Die Gebühr beträgt 3 Euro, es wird immer ein bestimmtes Thema behandelt aber auch auf die Fragen der Kursteilnehmer eingegangen.

Allerlei Fragen zum Handy

Etwa 9 bis 15 Leute zwischen 55 und 80 Jahren treffen sich regelmäßig. Alfred Högn und Johann Rauscher gehen auf die 80 zu. „Mit dem Laptop kennen wir uns schon gut aus“, sagen sie. Alfred Högn hat bereits Familienforschung betrieben und in Archiven gesucht. „Nur mit dem Handy tauchen immer wieder neue Fragen auf“, sagt Johann Rauscher. „Wir haben Enkel, die kennen sich da aus, haben aber nicht immer Zeit. Früher haben wir den Jungen gezeigt, wie es geht, heute ist es umgekehrt“, sagt Alfred Högn. Deshalb nehmen sie auch am Handy-Kurs teil, hier werden sie von zwei so jungen Leuten in die Handhabung der neuen Kommunikationsmittel eingewiesen. Michael Mauerer und Daniel Lange gehen in die zehnte Klasse der Saaler Mittelschule. Sie stecken gerade mitten im Stress ihrer Abschlussprüfungen, „trotzdem haben sie sich bereiterklärt, uns zu helfen“, freut sich Mechthild Heiß. „Und das ohne Bezahlung“ lobt sie die jungen Männer. Natürlich lassen sich die Senioren nicht lumpen und legen mal für ein Taschengeld zusammen. Trotzdem zollen sie den beiden großen Respekt: „Sie haben wirklich eine unendliche Geduld mit uns“, sagt Rita Gallmeier. Sie hat keine Enkel, und sich ihr Smartphone von einem Bekannten erklären lassen. Sie kennt sich mit ihrem Gerät einigermaßen aus, doch sie ist froh, wenn ihr hier jemand ihre Fragen beantworten kann. „Es macht uns Spaß“, sagen Daniel und Michael, „wir haben selbst Omas und Opas und wissen was die meisten interessiert.“ Sie machen den Kurs jetzt zum vierten Mal, immer mit einem speziellen Thema.

Michael Mauerer (links) und Daniel Lange stellen sich trotz Prüfungsstress freiwillig als Lehrer zur Verfügung. Foto: Kugler
Michael Mauerer (links) und Daniel Lange stellen sich trotz Prüfungsstress freiwillig als Lehrer zur Verfügung. Foto: Kugler

Heute geht es um Apps: Michael bedient den Laptop und projeziert die Bilder an die Wand, Daniel erklärt die entsprechenden Schritte. Die Beiden machen das geübt und kompetent, jahrelanges unterrichtet werden kann also auch dazu führen das selber gut hinzubekommen. Was ist eine App, welche gibt es, welche sind kostenlos, wie lädt man sie herunter – Daniel und Michael erklären jeden Punkt und die Seniorenschüler machen es an ihren Handys nach. Bei jeder individuellen Frage geht einer hin und hilft weiter.

Rita Gallmeier hat schon eine Wetterapp, eine für Nachrichten und Bayern 3. „Ich hab mich vorher noch nicht mit dem Runterladen befasst“, sagt Renate Drexl aus Affecking. „Auch wenn man nicht alles braucht, ist es interessant zu wissen, wie es geht. Filme würde ich mir zum Beispiel nicht am Handy anschauen.“ Theo Karl kommt auch aus Kelheim, er hat erst seit vier Wochen ein Smartphone. „Früher hatte ich ein altes Handy zum Telefonieren. Aber alle meine Kartenspielerfreunde haben so ein Neues, also hab ich mir auch eins gekauft.“ Vor Kurzem hatte er die Nachricht erhalten dass er ein Auto gewonnen hat. „Ich hab dann einen Jugendlichen auf der Straße gefragt, ob das stimmt“, erzählt er. Auch darauf hat Daniel eine Antwort: „So eine Nachricht gar nicht erst aufmachen, sondern gleich wegklicken. Das ist nur Werbung.“ „Oder es sind sogar Betrüger“ fügt Michael an.

„Da muss man immer aufpassen“

Er erzählt wie seine Oma auch einmal so eine Nachricht bekommen hat. Er wollte der Sache auf den Grund gehen und hat geantwortet. „Sie haben geschrieben, dass sie viel Geld gewonnen hat, aber erst mal 500 Euro überweisen muss, um es zu bekommen.“ Schon haben wieder alle durch ein Beispiel aus der Praxis etwas dazugelernt.

„Man wird sicherer“, sagt Theo Karl. „Es ist wie bei einem Vertrag, da muss man auch immer aufpassen.“ „Ich hab noch gar kein Smartphone“, gesteht Mechthild Heiß. Sie kennt sich am Computer aus, hat selbst Textverarbeitung unterrichtet. „Bisher hat mir mein altes Handy zum Telefonieren gereicht. Aber ich möchte mir jetzt dann auch eins kaufen, da nehm ich einen von den Jungs mit“ sagt sie.

Er hat „keine Angst vorm Internet“

  • Der Seniorenbeauftragte:

    Er hatte die Idee zum Computerkurs „Keine Angst vorm Internet“. Er ist auch als Kirchenpfleger tätig und hat schon einige andere Projekte angestoßen. Unter anderem ließ er mehrere Ruhebänke aufstellen, bei der auf dem Kirchplatz treffen sich jeden dritten Donnerstag Leute auf einen Ratsch oder ein Bier.

  • Die Aufgaben:

    Dietz berät auch beim Umzug ins Seniorenheim, bei Anträgen und anderen Angelegenheiten.

Daniel erklärt gerade, wie man einen Download abbricht, da hat Ottmar Hammer eine ganz andere Frage. Er wollte kürzlich ein Bild per WhatsApp verschicken, hatte aber Probleme dabei. Das wollten einige andere auch schon immer wissen, als Daniel zu Ottmar geht und auf sein Smartphone schaut, bildet sich eine ganze Traube um sie. Jeder schaut, fragt, probiert aus und fachsimpelt. Es ist ein Unterricht der anderen Art, ein lockerer, ungezwungener. Einer bei dem man viel lernt und der trotzdem allen Spaß macht.

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