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Sozial

Sie sammelt für die Armen

Johanna Stelzl aus Mauern sorgt dafür, dass Hilfe bei armen Menschen auf den Philippinen auch wirklich ankommt.
Von Jochen Dannenberg

Auch für Reis stehen die Menschen in den armen Gegenden auf den Philippinen Schlange. Johanna Stelzl und andere Helfer mussten Nummern austeilen, um den Andrang in geordnete Bahnen zu lenken. Fotos: Stelzl
Auch für Reis stehen die Menschen in den armen Gegenden auf den Philippinen Schlange. Johanna Stelzl und andere Helfer mussten Nummern austeilen, um den Andrang in geordnete Bahnen zu lenken. Fotos: Stelzl

Neustadt.Menschen mit Herz – es gibt sie noch. Oft sind es junge Menschen, die sich die Freiheit und die Zeit nehmen, um denen zu helfen, denen es schlecht geht, die in Armut leben, an Krankheiten leiden oder sonst wie benachteiligt sind. Vor allem Studenten und Abiturienten verbringen immer wieder mehrere Monate in Ländern der Dritten Welt. So wie Johanna Stelzl aus dem Neustädter Ortsteil Mauern. Nach dem Abitur im vorigen Jahr hat die 19-Jährige im Herbst ihren Koffer gepackt und ist auf die Philippinen gereist, um dort als „Bufdi“ Kinder in einer Schule zu unterstützen sowie kranken und behinderten Menschen zu helfen.

Johanna Stelzl ist von ihrer Arbeit überzeugt. „Es ist mir wichtig, dass junge Leute sehen, dass man sich sehr wohl sieben Monate in einem fremden Land zurecht finden kann und auch die Möglichkeit hat, was gutes zu tun“, sagt die 19-Jährige. Sie weiß, dass ihre Hilfe nicht alle Probleme der Menschen löst, mit denen sie jetzt zu tun hat. „Aber“, sagt sie, „auch wenn es nur für einen kleinen Zeitpunkt den Menschen dort hilft, es bringt ihnen trotzdem auf jeden Fall Freude und Hilfe in ihr ärmliches Leben.“

Johanna Stelzl Foto: Abeltshauser
Johanna Stelzl Foto: Abeltshauser

„Dort“, wie es Johanna Stelzl sagt, ist Naga City, eine Stadt mit rund 200000 Einwohnern im südöstlichen Teil der Insel Luzon, etwa 280 Kilometer südöstlich von Manila, was mit dem Bus eine Tagesreise ist. Die Menschen in dieser Region sprechen mehrere Sprachen – Bikolano, Filipino/Tagalog und Englisch. Die Abiturientin aus Mauern konnte das nicht abschrecken. Sie lernte vor ihrer Abreise noch Tagalog und dann ging es auch schon los. Asien sollte das Ziel sein, hatte sie noch dem Reporter unseres Medienhauses anvertraut. Vor allem Südostasien sei einfach etwas ganz anderes als Europa.

Jetzt, mehrere Monate später, ist sie noch immer von dem Projekt überzeugt. Vielleicht sogar mehr als vor ihrer Abreise. Die junge Frau, die nach ihrer Rückkehr möglicherweise Lehramt für Sonderpädagogik studieren möchte, sagt: „Ich halte es auch für wichtig, dass man durch so einen Auslandsaufenthalt für eine längere Zeit an einem Ort auch mal gut einen vernünftigen Eindruck hinterlassen kann. Die Menschen dort sollen uns nämlich nicht als die weißen, reichen Ausländer sehen und sich unterwerfen, sondern sich vom Wert her auf gleicher Ebene mit uns fühlen und das kann man erst erreichen, wenn man etwas länger mit ihnen zusammen lebt und sie einen selbst kennen lernen.“

Anlaufstelle für viele

Die Arbeit bei einer einheimischen Hilfsorganisation, zu der Johanna Stelzl über den Verein Especto am Friedrich-Alexander-Gymnasium in Neustadt an der Aisch und die Organisation „Westwärts“, hinter dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung steht, gekommen ist, gibt der jungen Frau aus Mauern die Möglichkeit. Die Hilfsorganisation in Naga City betreibt mehrere Projekte. So gibt es ein Waisenhaus, an das eine Schule angeschlossen ist. Außerdem besteht eine Anlaufstelle für kranke und behinderte Menschen. Sogar eine Musikschule gibt es.

Auch dieser kleine Junge wurde mit einem Paket versorgt, das auch Kleidung enthielt.
Auch dieser kleine Junge wurde mit einem Paket versorgt, das auch Kleidung enthielt.

Die Philippinen sind ein Land der krassen Gegensätze. „Die philippinische Wirtschaft weist eine deutliche Zweiteilung auf: Moderne Elektronik-Industrie und boomender Dienstleistungssektor auf der einen Seite, Armut und Subsistenzlandwirtschaft auf der anderen Seite. Hinzu kommt ein Entwicklungsgefälle zwischen Metro Manila, die vielerorts den Entwicklungsstand eines Schwellenlandes widerspiegelt, und den wirtschaftlich rückständigeren Provinzen“, heißt es beim Länder-Informations-Portal.
Immer wieder gibt es deshalb Helfer aus westlichen Ländern, die den damit verbundenen Kulturschock nicht verkraften und den Aufenthalt trotz aller Vorbereitungen nach wenigen Tagen abbrechen. Johanna Stelzl hat bis jetzt durchgehalten – ein halbes Jahr lang.

Intensive Auseinandersetzung

Vielleicht liegt dies auch daran, dass ihr großer Bruder ein Jahr in Neuseeland lebte. Dessen Aufenthalt veränderte bereits die Einstellungen der jüngeren Schwester. Möglicherweise liegt es aber auch an der Überzeugung, mit der die 19-Jährige ihren Freiwilligendienst auf den Philippinen angetreten hat. Von Anfang an wollte die junge Frau aus Mauern Geld für die Spendendose auftreiben, um Menschen in dem südostasiatischen Staat zu helfen. Spenden sammeln gehört mit zur Projektarbeit. Das schärft einerseits den Willen der Teilnehmer, sich rückhaltlos in die Arbeit einzubringen. Andererseits setzen sich die Teilnehmer bereits vor ihrer Abreise intensiv mit den Problemen auseinander, die sie vor Ort erwarten. Johanna Stelzl hatte sich deshalb auch an Firmen in der Heimat gewendet.

Über ihre Aktionen, mit denen armen Menschen auf den Philippinen geholfen wurde, berichtet sie: „Ein Beispiel wäre hier auch die Spendenaktionen, bei denen wir Reissäcke und Kleidung an die Menschen verteilt haben, die EPECTO e.V. durch das gespendete Geld und durch unsere Spendenaktionen. zur Verfügung stellen konnte.“ Die Spendensäcke wurden von Helfern vor Ort gepackt. In den Päckchen befanden sich jeweils zwei Kilogramm Reis, vier bis fünf Kleidungsstücke und Schuhe.

„Hilfe kommt an“

Johanna Stelzl beteuert: „Man sieht, dass die Hilfe bei Epecto wirklich bei den Leuten direkt ankommt. Die Menschen haben – bildlich gesprochen – gerungen, um einen Sack zu bekommen. Man musste vorher Tickets verteilen, damit am Ende auch jeder fair behandelt wurde und einen Sack bekam.“

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BMZ

  • Epecto ist

    ein eingetragener Verein und Teil des entwicklungspolitische Freiwilligendienst im weltwärts-Programm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ).

  • Spendenkontakt:

    Epecto e. V. am Friedrich Alexander-Gymnasium, Comeniusstraße 4, Neustadt a. d. Aisch; epectoev@yahoo.de; Bankverbindung: Sparkasse im Landreis Neustadt Aisch-Bad Windsheim, IBAN DE35 7625 1020 0221 1042 92; Kennwort: Förderfonds Freiwilligendienste

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