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Landtagswahl

Sie wählen für ihre Zukunft

Das sagen junge Menschen aus dem Landkreis Kelheim nach einer Wahlveranstaltung des Kreisjugendrings in Abensberg.
Von Julia Weidner

Bei der Podiumsdiskussion im JUZ in Abensberg war der Raum gut gefüllt. Foto: Weidner
Bei der Podiumsdiskussion im JUZ in Abensberg war der Raum gut gefüllt. Foto: Weidner

Maria-Josefine wählt wie viele andere bei der Landtagswahl zum ersten Mal.

Als am Ende der Veranstaltung noch eine Frage aus dem Publikum zugelassen wird, schnellt ihre Hand nach oben. Maria-Josefine Haimerl will von den zehn Kandidaten auf dem Podium wissen, wie sie den Dialekt fördern wollen. Alle Antworten eint eines: Niemand sollte wegen seines bayerischen Dialektes ausgeschlossen werden. Eine gesetzliche Grundlage dafür sieht aber keiner der Politiker. Für Daniel Stephan von den Grünen ist es aber genauso wichtig, dass in der Schule Hochdeutsch gelernt wird. „Nur damit kann man sich in einem internationalen Unternehmen verständigen“, sagt er. Jake Curtis (FDP) fordert dagegen, dass jede Lehrkraft mindestens bairisch verstehen muss.

Maria-Josefine Haimerl stellt die Frage aus dem Publikum. Foto: Weidner
Maria-Josefine Haimerl stellt die Frage aus dem Publikum. Foto: Weidner

Maria-Josefine hofft, dass das Thema Dialekt nach der Landtagswahl nicht untergeht. Denn das sei ein Streitpunkt, der auch viele Schüler betrifft. Die 18-Jährige darf bei dieser Wahl zum ersten Mal ihre Stimme abgeben. Sie ist eine von knapp 600 000 Erstwählern in Bayern in diesem Jahr und freut sich darauf, endlich mitbestimmen zu können in der Politik. Viele ihrer Freunde sehen das aber anders. „Es ist schrecklich, weil sich viele nicht dafür interessieren“, sagt die Schülerin aus Ratzenhofen.

Die Veranstaltung in Abensberg hat dem Mädchen bei der Entscheidungsfindung geholfen. „Ich weiß jetzt, was ich auf jeden Fall nicht wähle“, sagt Maria-Josefine.

Podiumsdiskussion

  • Veranstaltung:

    Zur Diskussion im Jugendzentrum in Abensberg lud der Kreisjugendring Kelheim ein. Robert Faltermeier, der Vorsitzende des KJR in Kelheim, wollte den jungen Menschen aus der Region die Chance geben, sich in einer unabhängigen Umgebung vor der Landtagswahl zu informieren. „Unser Auftrag ist die jugendpolitische Bildung“, erklärte Faltermeier vor der Diskussion.

  • Gäste:

    Zehn Direktkandidaten aus dem Landkreis Kelheim, Jake Curtis (FDP), Petra Högl (CSU), Harald Unfried (SPD), Fabian Helmich (MUT), Daniel Stephan (Grüne), Peter A. Gebhardt (AfD), Anne Rottengruber (ÖDP), Franz Zirngibl (Bayernpartei), Hubert Faltermeier (Freie Wähler) und Mirco Kalkkuhl (Linke), stellten sich den Fragen von Martin Holzner vom Bayerischen Jugendring.

Tobias und Fiona sagen, dass sich vor der Wahl jeder selbst informieren muss.

Tobias Eichinger und Fiona Christoph haben schon oft bei einer Wahl ihre Stimme abgegeben. Foto: Weidner
Tobias Eichinger und Fiona Christoph haben schon oft bei einer Wahl ihre Stimme abgegeben. Foto: Weidner

Die Podiumsdiskussion im Jugendzentrum in Abensberg war für Tobias Eichinger und Fiona Christoph wichtig, um den Parteien und Namen auf dem Wahlzettel Gesichter zuzuordnen. Beide sind 27. Sie haben aufgehört zu zählen, wie oft sie schon zu Wahl gegangen sind. Ihnen ist klar: Wer seine Stimme mit Bedacht abgeben will, muss sich vorher selbst über die Kandidaten und ihre Ansichten informieren – auch, wenn dieses Unterfangen ein wenig Zeit in Anspruch nimmt. Denn auf den Wahlplakaten stünden oft nur Phrasen. Um sich wirklich ein Bild von den Personen machen zu können, hilft es, sie einmal sprechen gehört zu haben.

Die Kandidaten, die bei der Veranstaltung in Abensberg auf dem Podium standen, sind bei Tobias und Fiona unterschiedlich gut angekommen. „Bei einem Teil hatte ich den Eindruck, dass sie an der Zielgruppe vorbei gesprochen haben“, erklären die beiden. Vor allem beim Thema Wohnen ging es immer wieder um München und weniger um den ländlichen Raum, insbesondere Kelheim. Und auch die Rechnungen zum Baukindergeld, die CSU-Frau Petra Högl angestellt habe, seien für die jungen Zuschauer, bei denen viele gerade einmal 20 Jahre alt waren, noch zu weit weg. Insgesamt war für sie der Abend aber ein Erfolg. Für beide ist nach der Diskussion noch nicht ganz klar, wem sie ihre Stimme geben. Trotzdem sind sie danach ein Stück weiter in ihren Überlegungen.

Landtagswahl

Das sind die Kelheimer Direktkandidaten

MZ-Reporterin Martina Hutzler interviewte alle Politiker aus dem Landkreis Kelheim, die per Direktmandat nach München wollen.

Sara begleitet ihre Schwester Hanna zur Veranstaltung, obwohl sie gar nicht wählen darf.

Die 18-jährige Hanna wollte sich bei der Podiumsdiskussion in Abensberg endlich einmal außerhalb des Internets über die Direktkandidaten im Landkreis Kelheim informieren. Ihre 14-jährige Schwester Sara lässt sich diese Chance nicht nehmen und will sich auch ein Bild über die Politiker machen – obwohl sie keine Stimme bei der Landtagswahl am Sonntag abgeben darf. „Ich habe jetzt schon eine eigene Meinung und wollte hören, was die Kandidaten zu sagen haben“, erklärt das Mädchen.

Hanna und Sara Naghib besuchen gemeinsam die Veranstaltung im JUZ in Abensberg. Foto: Weidner
Hanna und Sara Naghib besuchen gemeinsam die Veranstaltung im JUZ in Abensberg. Foto: Weidner

In ihrem Alter interessiere sich fast niemand für Politik, erzählt sie. Deswegen wissen ihre Mitschüler oft nicht, was sich in der Politik alles abspiele. Dabei sei das auch in jungen Jahren schon wichtig.

Am liebsten würde Sara jetzt schon wählen. In einer Schnellfragerunde mussten auch die Direktkandidaten auf dem Podium Farbe bekennen. Wer von ihnen würde das Wahlalter auf 16 Jahre herabsetzen, wer sogar auf 14 Jahre? Während bei der ersten Frage noch einige Politiker zustimmten, hob bei der Herabsetzung des Alters um vier Jahre nur noch Anne Rottengruber (ÖDP) das grüne Kärtchen, das eine positive Antwort anzeigte.

Erst einmal muss Sara aber noch bis 2021 warten, bis sie zuerst bei der nächsten Bundestagswahl ihren Wahlzettel in die Urne werfen darf und noch einmal zwei Jahre, bis voraussichtlich im Jahr 2023 wieder der bayerische Landtag gewählt wird.

Wir haben die zehn Landtags-Kandidaten für Kelheim interviewt. In unserer Mediathek können Sie sich die Videos noch einmal ansehen.

Daniel kritisiert, dass viele junge Menschen kein Interesse an der Politik zeigen.

In einem Punkt stimmt Daniel allen Befragten zu: „Es ist unglaublich wichtig, dass sich junge Menschen für die Politik interessieren“, sagt der 22-Jährige. Deswegen bräuchte es auch mehr Werbung für Veranstaltungen wie diese im Jugendzentrum in Abensberg. Obwohl etwa 50 Besucher den Diskussionen der Politiker gelauscht hatten, hätten es für Daniel noch viel mehr junge Menschen sein können.

Daniel Hörber ruft die jungen Menschen dazu auf, sich mehr mit Politik auseinanderzusetzen. Foto. Weidner
Daniel Hörber ruft die jungen Menschen dazu auf, sich mehr mit Politik auseinanderzusetzen. Foto. Weidner

Vor allem auf den sozialen Netzwerken sei es schwierig, sich ein politisches Bild zu machen. Parteien, die populistische Aussagen tätigen, bekämen mehr Aufmerksamkeit als andere, sagt Daniel. Außerdem würden diese Parteien mehr Wert darauf legen, in den sozialen Medien präsent zu sein und schaffen so ein Übergewicht auf Facebook und Co. So könnten diese Parteien Stimmenfang betreiben. „Viele Menschen informieren sich nur oberflächlich. Sie gehen diesen Parteien dann in die Falle“, befürchtet Daniel.

Den Direktkandidaten aus Kelheim, die in Abensberg auf dem Podium standen, wirft Daniel „politisches Rumgeeiere“ vor. Nur ein Teil der Politiker hätte bei seinen Antworten auch die Jugendlichen angesprochen.

Der junge Mann aus Neustadt wusste schon vor der Veranstaltung, wem er am Sonntag seine Stimme geben wird. Durch die Aussagen der Kandidaten fühlt er sich in seiner Entscheidung bestätig. „Überraschende Kommentare hat keiner der Politiker abgegeben“, sagt der 22-Jährige.

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