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Erinnerungen

Sie war wild und Pfarrerstochter

Christine Schwend aus Neustadt wuchs auf, als „evangelisch“ und Bayern noch nicht zusammenpassten. Sie hat viel zu erzählen
Von Jochen Dannenberg

Christiane Schwend (rechts) mit Eltern und Brüdern, nachdem sie aus Schlesien geflüchtet und in Abensberg eine neue Heimat gefunden hatten.Foto: Schwend
Christiane Schwend (rechts) mit Eltern und Brüdern, nachdem sie aus Schlesien geflüchtet und in Abensberg eine neue Heimat gefunden hatten.Foto: Schwend

Neustadt. „Ich bin Bayerin. Das war von Anfang an in meinem Kopf“, sagt Christiane Schwend. Und wenn die Neustädterin das sagt, ist das ein Satz, über den man nachdenken kann. Denn zu der Zeit, auf der sich der „Anfang“ von Christiane Schwend bezieht, war das keineswegs selbstverständlich. Christiane Schwend meint nämlich die Zeit unmittelbar nach Ende des Zeiten Weltkriegs und ihr Vater war evangelischer Pfarrer in Abensberg. Gemeinsam mit den Brüdern, der Mutter und der Oma waren sie Flüchtlinge aus Schlesien.

•Christiane Schwends Vater (li. vorne im Bild), Pfarrer Helmut Vogt, baute das Pfarrheim an der Abensberger Frankstraße und initiierte den Bau der evangelischen Kirche in Neustadt. Bis 1967 war er Pfarrer in Abensberg. Foto: Schwend
•Christiane Schwends Vater (li. vorne im Bild), Pfarrer Helmut Vogt, baute das Pfarrheim an der Abensberger Frankstraße und initiierte den Bau der evangelischen Kirche in Neustadt. Bis 1967 war er Pfarrer in Abensberg. Foto: Schwend

Evangelisch und Flüchtling in Bayern – das sorgte vielfach für Probleme. Die kleine Christiane kümmerte das damals nur wenig. Und deshalb sagt sie heute, dass sie sich schon damals als Bayerin gefühlt habe.

Aber: Ihr Vater war Pfarrer in Abensberg. Evangelisch und Bayern – das waren so kurz nach dem Krieg noch zwei Begriffe, die noch nicht zusammen gehörten. Vor dem Krieg hatte es in Abensberg nur zwei evangelische Familien gegeben. Die Vertreibung hunderttausender Deutsche aus den Ostgebieten des einstigen Deutschen Reiches hatte viele „Lutherische“, wie sie oft auch genannt wurden, nach Bayern gebracht. Mit einem Mal gab es im Bereich des heutigen Landkreises Kelheim 3000 von ihnen. Und für sie war der Vater von Christiane Schwend, Pfarrer Helmut Vogt, zuständig.

Es war keine ganz einfache Jugend. „Ich stand unter ständiger Beobachtung“, sagt Christiane Schwend, inzwischen selbst Großmutter, über ihre Kindheit in Abensberg. Ständig habe sie Rücksicht nehmen müssen auf den Beruf ihres Vaters. „Ich war ja Pfarrerstochter, aber ich war auch ein wildes Kind.“

Christiane Schwend Foto: Dannenberg
Christiane Schwend Foto: Dannenberg

Davon und vieles mehr wird Christiane Schwend am Dienstag, 13. März, in der Stadtbücherei Neustadt erzählen.

„Wir sind gespannt“, sagt Brigitte Lindenstruth-Folwill, die sich bereits auf den Abend freut, der die Reihe der Lesungen und Vorträge in der Stadtbücherei fortsetzt.

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