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Bilanz

Silvesterfeier lief aus dem Ruder

Vier Verletzte bei Einsatz in Sandelzhausen. Betrunkener verfolgte Rettungssanitäterin und beschädigte Notarztwagen.
Von Manfred Forster

Der Randalierer beschädigte diesen Notarztwagen Foto: Stephan Zieglmeier, BRK Kreisverband
Der Randalierer beschädigte diesen Notarztwagen Foto: Stephan Zieglmeier, BRK Kreisverband

Kelheim.Vier Verletzte, darunter eine unter Schock stehende Rettungssanitäterin, ein geschlagener Notarzt und ein getretener Polizist, dazu ein mutwillig beschädigter Notarztwagen - das ist die Bilanz nur eines Vorfalls beim Jahreswechsel im Landkreis Kelheim. Dennoch ist die Rede von einem „relativ ruhigen“ Jahreswechsel im Landkreis Kelheim. Da sind sich die diensthabenden Beamten in den Polizeiinspektionen Kelheim und Mainburg am Neujahrsmorgen einig.

Rund 20 Einsätze fuhren die Einsatzkräfte der Inspektion Kelheim, „aber lauter kleine Sachen – Streitereien und Ruhestörungen“, hieß es. Ganz anders die Bilanz des BRK-Rettungsdienstes. Dessen Leiter spricht von einem „unruhigen Dienst“ Insgesamt wurden am 31. Dezember bis in die Morgenstunden des Neujahrstages 85 Notfalleinsätze und teilweise Krankentransporte abgewickelt. Gerade in den Nachtstunden waren alle Rettungsmittel im Landkreis Kelheim im Dauereinsatz. Das übliche Spektrum der Einsätze waren Kreislaufkollaps, Alkoholmissbrauch oder andere akute Erkrankungen.

Betrunkener in Sandelzhausen verfolgte Rettungssanitäterin

Was sich am frühen Neujahrsmorgen in Sandelzhausen abspielte ist nahezu unbegreiflich: Kurz nach 2 Uhr wurden ein Notarztfahrzeug und ein Rettungswagen zu einer bewusstlosen Person alarmiert. Dort war eine Silvesterfeier aus dem Ruder gelaufen. Ein 28-jähriger Mann war laut Polizei gegen 0.30 Uhr auf einer privaten Feier stark alkoholisiert zunächst auf seine 29-jährige Ehefrau losgegangen und hat diese leicht verletzt. Als der 50-jährige Hausherr dazwischen gehen wollte, wurde auch dieser von dem Mann attackiert und bekam einen Faustschlag ins Gesicht

Als Rettungsdienst und Notarzt am Einsatzort waren, sollte der mittlerweile wieder teilweise ansprechbare Täter laut dem Leiter des BRK-Rettungsdienstes, Stephan Zieglmeier, auf eine Trage umgelagert werden. Die Behandlung sollte aufgrund der Witterung im Rettungswagen weitergeführt werden. In diesem Augenblick schlug der vermeintliche Patient auf den Notarzt ein und weiter um sich. Die Rettungsdienstmitarbeiter flüchteten daraufhin in den Rettungswagen, eine Rettungssanitäterin in das für sie näher geparkte Notarzteinsatzfahrzeug.

Scheibe des Notarztwagens eingeschlagen

Beim Einsatz am Neujahrsmorgen 2019 in Sandelzhausen wurde die Scheibe dieses Notarztwagens eingeschlagen. Foto: Stephan Zieglmeier, BRK Kreisverband
Beim Einsatz am Neujahrsmorgen 2019 in Sandelzhausen wurde die Scheibe dieses Notarztwagens eingeschlagen. Foto: Stephan Zieglmeier, BRK Kreisverband

Der Angreifer verfolgte die Rettungssanitäterin. Sie konnte sich noch in das Fahrzeug retten, konnte den Wagen aber nicht mehr rechtzeitig verschließen. Ihr Verfolger wollte sie weiter angreifen und versuchte über die hintere Fahrgasttür ins Fahrzeug einzudringen, berichtete Zieglmeier weiter. Die Einbauschränke des Fahrzeuges verhinderten ein Durchgreifen wurden dabei aber schwer beschädigt. Währenddessen konnten ihre Kollegen über Digitalfunk den Notruf – der den restlichen Funkverkehr stilllegt – auslösen und polizeiliche Hilfe anfordern.

„Einen solch massiven Angriff haben wir bisher noch selten erlebt!“

Stephan Zieglmeier, Leiter Rettungsdienst

In dieser Zeit verletzte der Angreifer weitere Personen und versuchte mit einer Eisenstange ins Fahrzeug einzudringen. Dabei zerschlug er die Heckscheibe des Notarztwagens. Die Rettungssanitäterin konnte anschließend zu ihren Kollegen fliehen und beim Eintreffen der Polizeikräfte konnte der Angreifer überwältigt werden. Laut Polizeibericht beleidigte der Täter die Beamten und leistete bei der Festnahme erheblichen Widerstand, versuchte, nach den Beamten zu treten. Dabei traf er einen 27-jährigen Polizeibeamten am Kopf. Dieser erlitt dabei leichte Verletzungen. Da der Festgenommene weiterhin aggressiv war und aufgrund seiner massiven Alkoholisierung nicht haftfähig war, wurde er fixiert und in eine Klinik gebracht.

Stephan Zieglmeier, Leiter des BRK-Rettungsdienstes Kelheim Foto: Heiner Stöcker
Stephan Zieglmeier, Leiter des BRK-Rettungsdienstes Kelheim Foto: Heiner Stöcker

Rettungsdienstleiter Zieglmeier kann über diesen Vorfall auch nur den Kopf schütteln. Seine Bilanz des Einsatzes: vier verletzte Personen und ein Sachschaden von mehreren tausend Euro. Die Rettungssanitäterin, die einen Schock erlitt, war nach dem Vorfall nicht mehr einsatzfähig.

„Wir schulen aktuell unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Eigenschutz und Deeskalation, aber einen solch massiven Angriff haben wir bisher noch selten erlebt!“ so Stephan Zieglmeier, Leiter Rettungsdienst. Er machte sich sofort vor Ort ein Bild der Lage und leitete mit dem zuständigen Wachleiter die weiteren Maßnahmen ein.

Gesprengte Briefkästen - der „Klassiker“

Die Bilanz, die die Polizei am Morgen des Neujahrstags zog, dürfte aber nur eine vorläufige gewesen sein. Denn häufig werden Sachbeschädigungen erst festgestellt, wenn die Leute wieder wach sind. Der Klassiker dabei: gesprengte Briefkästen. Einen solchen Fall hatte die PI Kelheim in ihrem Neujahrsbericht bereits vermerkt. Um 1 Uhr hat ein unbekannter Täter in der Kornblumenstraße mit einem Böller einen Briefkasten der Post gesprengt. Der Schaden wird auf zirka 500 Euro geschätzt.

Arbeitskollegen gingen in Neustadt aufeinander los

In Neustadt endete eine Silvesterfeier unter Arbeitskollegen mit Handgreiflichkeiten. Zunächst war es zwischen einem 25-jährigen und einem 28-jährigen Mann zu verbalen Streitigkeiten gekommen, dann schlug der Jüngere dem Älteren mit einem unbekannten eisernen Gegenstand auf den Kopf und gegen die Hüfte. Der verletzte Mann flüchtete ins Freie, wo er von einem anderen Kollegen gefunden wurde. Neben einer Kopfplatzwunde erlitt die verletzte Person diverse Prellungen. Der Mann wurde in die Uniklinik nach Regensburg gebracht. Eine Suche nach dem verwendeten Gegenstand am Tatort unter Einbindung eines Diensthundes verlief negativ. Der Beschuldigte stand unter erheblichem Alkoholeinfluss.

Betrunkene Autofahrerin war mit Kurven in der Straße überfordert

Deutlich alkoholisiert war auch eine 35-jährige Frau, die am Neujahrsmorgen um 3.45 Uhr mit ihrem Pkw auf der Staatsstraße von Neustadt her kommend in Richtung Abensberg unterwegs war. Kurz vor dem Vogelpark kam die Frau mit ihrem Pkw schon nach rechts von der Fahrbahn ab und verunfallte. Ein kurze Zeit später hinzukommender Verkehrsteilnehmer konnte die Frau, welche laut den Polizeiangaben einen sehr alkoholisierten Eindruck erweckte, nicht davon abhalten die Fahrt fortzusetzen. Die Frau fuhr wieder los, nach 300 Metern kam sie erneut mit ihrem Pkw von der Fahrbahn ab und prallte gegen die Leitplanke der Gegenfahrspur. Die hinzugezogene Polizeistreife konnte eine erhebliche Alkoholisierung bei der unverletzten Fahrerin feststellen. Im Krankenhaus wurde eine Blutentnahme bei der Fahrerin durchgeführt. Der Pkw wurde von der Unfallstelle abgeschleppt. Es entstand ein Gesamtschaden in Höhe von zirka 4000 Euro.

Rollerfahrer hatte „vorgeglüht“

Ein 56-jähriger Mann hatte offenbar am Silvesterabend schon so „vorgeglüht“, dass er bei einer Routinekontrolle der Polizei um 20.55 Uhr im Hohenpfahlweg auffiel. Er war mit einem Roller unterwegs. Neben einem Fahrverbot muss der Mann nun auch mit einem Bußgeld von 500 Euro rechnen.

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