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Zukunft

Smart Home – Haus denkt mit

Das Smart Home wird in Zukunft eine große Rolle spielen. Bezüglich der Sicherheit gibt es aber noch Kritik.
Von Emily Buchner

Smart-Home-Systeme sind – ergänzend zu mechanischen Sicherungen – Methoden, um Einbrüchen vorzubeugen und die Haustechnik zu kontrollieren und v auch von außerhalb zu steuern. Foto: stockWERK - stock.adobe.com
Smart-Home-Systeme sind – ergänzend zu mechanischen Sicherungen – Methoden, um Einbrüchen vorzubeugen und die Haustechnik zu kontrollieren und v auch von außerhalb zu steuern. Foto: stockWERK - stock.adobe.com

Kelheim.Morgens geht beim Betreten der Küche automatisch das Licht an, zeitgleich schaltet sich das Radio ein, der Kaffee ist bereits fertig. Was vor ein paar Jahren noch Science Fiction war, ist schon Realität. Viele Aufgaben kann heute das Haus übernehmen, ohne dass der Bewohner selbst aktiv werden muss. „Smart Home“ nennt man das informations- und sensortechnisch aufgerüstete, vernetzte Zuhause. Konkret bedeutet das: das Haus „denkt“ mit. Wohnen wird automatisiert und intelligent gestaltet: Mithilfe von Bewegungsmeldern geht das Licht an, wenn man den Raum betritt, die Rollos fahren bei einer gewissen Sonneneinstrahlung herunter und die Raumtemperatur wird an die momentanen Umstände angeglichen. Die Übertragung von Informationen erfolgt dabei über Funk, Kabel, Internet oder das Stromnetz.

Als „Schnick-Schnack“ abgetan

Die Firma Kütro in Abensberg bietet die Planung und den Einbau von Smart Homes an. Klaus Schiller, der sich speziell um diesen Bereich kümmert, erfährt immer wieder, dass zu Beginn viele Kunden das Smart Home als „Schnick-Schnack“ bewerten. „Aber wenn sie sehen, welche Möglichkeiten ihnen dieses System hinsichtlich Komfort, Energieeffizienz und Sicherheit bietet, sind viele überzeugt“, berichtet Schiller. Gerade die Energieersparnis ist für viele attraktiv: Manche Smart Home-Systeme funktionieren mit Sensoren, die registrieren, wenn gelüftet wird und entsprechend die Heizkörper abschalten. Auch zeitabhängiges Heizen ist möglich, was zum Beispiel niedrigere Temperaturen in einem tagsüber leeren Haus ermöglicht. Heidemarie Krause-Böhm von der Verbraucherzentrale Bayern, sagt: „Die smarte Steuerung der Heizung bietet ein Energieeinsparpotenzial von im Schnitt acht Prozent.“

Klaus Schiller ist ein Experte im Bereich „Smart Home“ Foto: Buchner
Klaus Schiller ist ein Experte im Bereich „Smart Home“ Foto: Buchner

Werden Elektrogeräte, wie Geschirrspüler- oder Waschmaschinen, mit dem Solarstromsystem vernetzt, können sie gezielt dann aktiviert werden, wenn gerade viel Sonnenstrom vorhanden ist. Wann genau die Geräte eingeschaltet werden, entscheidet die Smart-Home-Zentrale, kann aber auch aktiv vom Verbraucher eingestellt werden. Das ist effizient: die Erzeugung des hausgemachten Solarstroms kostet etwa 12 Cent pro Kilowattstunde; Stromversorger verlangen dafür doppelt so viel. „Bei der Anschaffung der Smart-Home-Geräte ist allerdings auch auf einen geringen Energieverbrauch zu achten – sonst kann diese Ersparnis mit den steuernden Geräten wieder aufgehoben werden“, warnt Krause-Böhm.

Sicherheit ist umstritten

Energieeffizienz und Komfort sind als Vorteile des Smart Home relativ unumstritten. Beim Thema Sicherheit scheiden sich aber die Geister. Auf den Websites werben die einschlägigen Hersteller damit, dass das Haus durch das intelligente System einen höheren Sicherheitsstandard erreiche. Kritiker behaupten das Gegenteil. Auch die Verbraucherzentrale Bayern gibt bei diesem Aspekt zu bedenken, dass „es grundsätzlich möglich ist, dass sensible Daten gehackt und missbräuchlich verwendet werden.“

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Auch Schiller erwähnt das Gefahrenpotenzial: „Wenn das Haus der IP-Welt geöffnet wird, dann muss man sich dessen bewusst sein, dass es einen Datentransfer gibt.“ Nutzt der Verbraucher die Möglichkeit, per Smartphone auf sein Smart Home zuzugreifen, besteht die Gefahr, dass Hacker entsprechende Daten auslesen. In Folge könnten sie die Steuerung des Hauses übernehmen. Werden die sensiblen Daten aber direkt im Haus und nicht über das Internet gesteuert, ist die Gefahr geringer.

Laut Schiller ist das Smart Home ein zukunftsweisendes System: „Die Elektrosysteme, die in den heute üblichen Häusern verbaut sind, sind aus den 70er, 80er Jahren. Das Haus für die Zukunft braucht neue Technik.“ In vielen Bereichen - sei das die Automobilbranche oder Industrie 4.0 - entwickelt sich die Technik immer weiter, wird vernetzter und bietet umfassendere Lösungen. Das ist auch beim Zuhause so: „Mit jedem neuen Kunden geht man wieder einen Schritt weiter“, sagt Schiller. Und mit großen Schritten geht es Richtung Zukunft.

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Anspruch: Offene Lösungen

  • Vernetzung:

    Die digitale Vernetzung von Arbeit, Freizeit und Mobilität schreitet mit hoher Geschwindigkeit voran. Doch beim Einrichten eines eigenen Smart Home ist so mancher Nutzer schier überfordert. Noch immer versuchten viele Hersteller, ihre eigenen Standards durchzusetzen, sagte Sahin Albayrak, Vorstandsvorsitzender von Connected Living kürzlich in Berlin auf einer Konferenz des Vereins. Stattdessen sollte der Anspruch sein, offene Lösungen anzubieten sowie eine leichte und datenschutzkonforme Integration zu ermöglichen. „Die Branche sollte Seriosität und Glaubwürdigkeit bewahren und keine falschen Versprechungen machen.“

  • Einfacher:

    Die Nutzung und Installation smarter Lösungen sei zwar deutlich einfacher als noch vor wenigen Jahren, sagte Achim Berg, Präsident des Digitalverbands Bitkom. „Aber es ist noch längst nicht einfach genug.“ Ein „Game Changer“ dürften künftig die digitalen Sprachassistenten sein, die eine Hürde bei Nutzung und Einrichtung überwinden könnten.

  • Nutzen:

    Der größte Nutzen im Smart-Home werde einer Studie des Bitkom zufolge in Sicherheitslösungen wie intelligenter Schließ- oder Überwachungssysteme gesehen, das nannten 60 Prozent der Befragten. Für 57 Prozent stand mehr Komfort und Lebensqualität im Vordergrund, 50 Prozent wünschen sich demnach, etwa mit smarten Wasser-, Strom- oder Heizungs-Lösungen Geld zu sparen.

  • Branchenübergreifend:

    Auf der Konferenz des Vereins Connected Living diskutierten kürzlich mehr als hundert Experten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft über Potenziale, Chancen und Herausforderungen des digital vernetzten Lebens. Das Innovationszentrum des Industrieverbands unterstützt seit mehr als sieben Jahren die Bildung branchenübergreifender Partnerschaften. Zu den über 60 Mitgliedern gehören Unternehmen aus diversen Branchen, etwa die Deutsche Telekom, der Chip-Konzern Qualcomm, Vattenfall, die Bundesdruckerei sowie der Netzwerkausrüster Cisco. (dpa)

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