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Wirtschaft

So wird aus Ärger ein Erfolg

In Eining gibt es einen Baumarkt, der erfolgreich gegen die Großen der Branche besteht –„Eisenhandel Schaller“.
Von Jochen Dannenberg

Betty Schaller (rechts) steht regelmäßig im Laden hinter dem Tresen. Normalerweise – wissen die Stammkunden – trägt sie dabei einen Strohhut. Die Beratung der Kunden ist beim „Eisenhandel Schaller“ ein wesentlicher Bestandteil des Erfolgs. Foto: Dannenberg
Betty Schaller (rechts) steht regelmäßig im Laden hinter dem Tresen. Normalerweise – wissen die Stammkunden – trägt sie dabei einen Strohhut. Die Beratung der Kunden ist beim „Eisenhandel Schaller“ ein wesentlicher Bestandteil des Erfolgs. Foto: Dannenberg

Eining.Überall entstehen Gewerbegebiete. Selbst kleine Orte können scheinbar nicht mehr ohne Handwerkerhof, Dienstleistungszentrum oder gar Industriepark leben. Die Gewerbegebiete liegen verkehrsgünstig an Ortsrändern und viel befahrenen Straßen, sind leicht zu erreichen, autogerecht und meist gehört zur Mindestausstattung neben einem Lebensmittelladen und einem Getränkemarkt auch ein Baumarkt dazu. Das ist im Landkreis Kelheim in Neustadt nicht anders als in Abensberg oder in Kelheim.

Kern des Geschäfts ist das Eisenlager. Foto: Dannenberg
Kern des Geschäfts ist das Eisenlager. Foto: Dannenberg

Mit einer Ausnahme: In Eining gibt es einen Baumarkt, der an keiner Hauptverkehrsstraße, sondern eher versteckt liegt, zu keiner der großen Handelsketten gehört und trotzdem bestens funktioniert, ja, sogar Kult ist.

„Eisenhandel Schaller“ ist der Beweis, dass alle Marketing-Kampagnen und Werbestrategien überflüssig sind, wenn die Geschäftsidee stimmt. Seit 35 Jahren gibt es den Laden. Er hat aufgemacht, als die großen Baumarkt-Ketten geradezu heuschreckenartig über Deutschland herfielen und überall neue Märkte entstanden. Die Ausbreitung dieser Märkte war von Spezialisten geplant und durchgeführt worden, bei den Schallers bildete ein bayerisch selbstbewusstes „des mach‘ ma selbst“ die Grundlage.

Mal wieder unzufrieden

Wieder einmal hatte nämlich der Richard Schaller sich geärgert, weil er beim Einkauf in Abensberg gezwungen war, große Mengen abzunehmen. „Wenn ich ein Stück Rohr brauchte, musste ich eine ganze Länge nehmen“, sagt er. Weil es auch anderen in Neustadt und Umgebung so ging, reifte die Idee für ein eigenes Geschäft – auf dem Bauernhof der Familie in der Pfarrer-Krottenthaler-Straße in Eining.

Deshalb gibt es bei den Schallers genau die Mengen, die die Kunden brauchen. Eisenteile werden auf das passende Maß geschnitten und – besonderer Service – auf Wunsch auch zusammen geschweißt. Daneben gibt es 5000 Artikel: Schaufeln, Spaten, Besen, elektrisches Werkzeug, Ösen, Haken, Arbeitskleidung, Haushaltsutensilien und Spielzeug.

Eining Eisenwaren Schaller
Eining Eisenwaren Schaller

„Aber keine Baumarktware“, betont Werner Schaller, einer der drei Söhne der Schallers, der wie seine Brüder im Geschäft der Eltern arbeitet. „Wir haben ein anderes Fachsortiment“, erklärt er. „Wir richten uns an Handwerker.“ Das brachte „Eisenwaren Schaller auch Spitznamen wie „Männerladen“, „Männerspielplatz“ und „Männerparadies“ ein. Die etwas rustikale Atmosphäre trägt dazu bei. Der Laden ist etwas verwinkelt und nicht so geordnet wie die meisten Baumärkte.

Das Publikum liebt das Ambiente und das Angebot. Die Kunden kommen aus vierzig bis fünfzig Kilometer Entfernung. Es handelt sich um Mitarbeiter von Bauhöfen aber auch Privatleute, die vielleicht keine ganze Schachtel Schrauben benötigen. Häuslebauer und Gartenliebhaber gehören auch dazu.

Die Kunden kommen auch wegen der Beratung. Auch wenn vor allem die Schallers selbst – Richard und Betty Schaller sowie die Söhne Werner, Martin und Peter – im Geschäft stehen, weiß auch Sonja, die Nachbarin (eine Nichte von Richard und Betty), die hier arbeitet, Bescheid. Braucht ein Kunde etwa ein neues Scharnier, greift sie sofort zum Zollstock, misst den mitgebrachten alten Scharnier und fragt dann: „Magst den langsam schließend?“ Nicht selten schauen sie die Kunden dann etwas irritiert an und fragen: „Wie, des gibt‘s a?“

Verkauft wird, was Häuslebauer und Handwerker brauchen. Dazu gehören auch Besen.  Foto: Dannenberg
Verkauft wird, was Häuslebauer und Handwerker brauchen. Dazu gehören auch Besen. Foto: Dannenberg

Die Kunden wollen nicht nur beraten werden, sondern auch die Produkte anfassen. „Ausprobieren ist ganz wichtig“, sagt Richard Schaller. „Das geht nur vor Ort, aber nicht im Internet.“ Und deswegen haben er und seine Familie auch keine Angst vor dem Online-Handel, weshalb er auch sagt: „Wir fürchten uns nicht.“

Werbung? Fehlanzeige!

Dennoch war es mit Beraten, Ausprobieren, Anfassen und dem anderen Angebot im Vergleich zu „normalen“ Baumärkten nicht getan, um aus „Eisenhandel Schaller“ ein Unternehmen zu machen, das mehrere Familien ernährt und dessen 35. Geburtstag am Sonntag mit einem „Tag der offenen Tür“ gefeiert werden soll. Das Unternehmen ist langsam gewachsen, schrittweise wurde das Sortiment erweitert und der einstige Bauernhof in einen Baumarkt umgewandelt. Werbung fand kaum statt. Wöchentliche Postwurfsendungen? Fehlanzeige. Stattdessen setzten die Schallers aus Mund-zu-Mund-Propaganda. „Wenn uns jemand am Stammtisch lobt, zählt das auf dem Dorf noch was“, ist Werner Schaller überzeugt.

Der Wandel gehört dazu, er ist Teil des Systems. Kamen einst drei Viertel der Kunden aus der Landwirtschaft, so ist ihr Anteil heutzutage deutlich niedriger. Damit änderte sich nicht nur das Sortiment, auch der Service war betroffen. Zuletzt haben die Schallers einem Kunden sogar eine Rutsche für dessen Kindern gebaut. Eine anderer bekam eine maßgefertigte Kaminhaube für seinen Backofen aus der Schaller-Werkstatt. Schlosser Max hat‘s hingekriegt.

Ohne Gabelstapüler lässt sich der Warenumschlag nicht bewältigen. Foto: Dannenberg
Ohne Gabelstapüler lässt sich der Warenumschlag nicht bewältigen. Foto: Dannenberg

Der Eisenhandel Schaller – zu dem zwei Lagerhallen und ein Laden mit insgesamt 3000 Quadratmeter Grundfläche gehören, geht in sein 36. Jahr. Anfangs gingen Richard und Betty Schaller „in die Arbeit“, die Landwirtschaft lief nebenbei. Dann kam der Eisenhandel dazu. „In die Arbeit“ musste schließlich niemand mehr. Im Herbst will Richard Schaller das Geschäft an die drei Söhne übergeben, die den Betrieb zu gleichen Teilen übernehmen sollen. Dann will der Senior kürzer treten, aber nicht ganz aufhören. „Ich lasse ihnen ihren Spielraum, denn sie müssen es weiterführen“, sagt er.

Es bewegt sich was

„Eisenhandel Schaller“ ist einer von mehreren Baumärkten in Neustadt und den zugehörigen Ortsteilen. In der Kernstadt der Kommune gab es jahrelang nur einen Baumarkt. Doch in der Kernstadt gibt es neue Entwicklungen, die dazu geführt haben, dass es jetzt zwei Baumärkte gibt. Künftig können es sogar drei sein.

Weitere Berichte aus Neustadt und den Ortsteilen lesen Sie hier.

Grundlagen

  • Eisen:

    Begonnen hatte das Unternehmen in Eining mit dem Handel und Zuschnitt von Eisen. In 35 Jahren ist das Unternehmen deutlich gewachsen. Ohne die Gabelstapler würden sich die Waren nicht mehr bewältigen lassen.

  • Beginn:

    Aus einem Handel, der zunächst vor allem im Nebenerwerb stattfand, ist ein Betrieb mit zwei Hallen und einem großen Laden geworden. Längst sind auch die drei Söhne von Richard und Betty Schaller im Unternehmen aktiv.

  • Angebot:

    Das Angebot für die Kundschaft ist umfangreich. Verkauft wird, was Häuslebauer, Gartenfreunde und professionelle Handwerker brauchen. Dazu gehören auch Besen oder gebrauchte Transportrollen.

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