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Vortrag

Spannender Abend zu Fontaneschen Werken

Viele aktuelle Themen fanden sich schon damals in Theodor Fontanes Romanen wieder. In Riedenburg wurde darüber gesprochen.

Engelbert Huber hielt in Riedenburg einen Vortrag zu Theodor Fontane. Foto: Jens Kalaene/dpa
Engelbert Huber hielt in Riedenburg einen Vortrag zu Theodor Fontane. Foto: Jens Kalaene/dpa

Riedenburg.Manche der zahlreichen Zuhörer, die am Freitagabend den Vortrag über Theodor Fontane anlässlich seines bevorstehenden 200. Geburtstages miterlebten, haben, angeregt von den Ausführungen des Vortragenden, danach zur Lektüre Fontanescher Werke gegriffen, um einige Details nachzulesen. Denn das Anliegen von Engelbert Hubers Vortrag war es, das Großartige von Fontanes Erzählkunst zu vermitteln. Dass „an den ersten drei Seiten immer die ganze Geschichte hängt“, wurde am Beispiel von Fontanes berühmtestem Roman „Effi Briest“ erläutert.

Es ist nicht einfach ein literarischer Gag, dass der Romananfang nur so gespickt ist mit Vorausdeutungen auf ein tragisch- bewegendes Ende. Denn mit diesen Vorausweisungen spielt Fontane auf die außerliterarische Wirklichkeit an, auf das Zwangsläufige, auf die Unvermeidbarkeit gesellschaftlicher Zwänge der Wilhelminischen Ständegesellschaft der Gründerzeit.

Eine Hauptfigur im Roman „Effi Briest“ spricht vom „tyrannisierenden Gesellschafts-Etwas“ als Begründung für eine Duellforderung an den Galan seiner Frau. Fontane zeigt dabei in seinen Romanen mit großer Erzählkunst in ergreifender Weise auf, wie diese gesellschaftliche Zwangsjacke individuelles Glück unmöglich macht. Als die besonderen Opfer dieser patriarchalischen Gesellschaft sieht Fontane die Frauen. Daher darf er mit Recht als ein Vorläufer der Frauenromane des kommenden Jahrhunderts bezeichnet werden.

Wie unbarmherzig und ungerecht diese Gesellschaft über Frauen urteilt, erklärt Huber am Beispiel der Hauptfigur Effi. Für eine kurze Affäre wird sie viele Jahre später bitter bestraft und von der Gesellschaft geächtet. Daran zerbricht ihre empfindliche Seele. Sie stirbt zwölf Jahre, nachdem sie eine Zwangsverheiratung mit einem zweiundzwanzig Jahre älteren Karriere besessenen Mann über sich ergehen lassen musste. Im Vergleich dazu können sich Männer ihre sexuellen Freiheiten durchaus erlauben. Anhand einer Nebenfigur zeigt Fontane die Doppelmoral dieser Gesellschaft auf. Sexuelle Belästigung eines Dienstmädchens durch ihren Arbeitgeber wird toleriert, wir würden heute von einer „Me too-Affäre“ sprechen, und durch die Entlassung der ach zu aufreizenden Person wird die Ordnung scheinbar wiederhergestellt, die Fassade der Anständigkeit gewahrt, und das nächste Dienstmädchen kann kommen.

„Irrungen Wirrungen“, der zweite große Fontaneroman, wird von manchen als der schönste Liebesroman der Welt empfunden. Die wahre, echte Liebe zwischen einer Arbeiterin und einem adligen Offizier hat in dieser Gesellschaft keine Chance. Der Offizier muss unter dem Druck seiner hoch verschuldeten Familie eine Vernunftheirat mit einer Frau aus vermögendem Haus eingehen und auf sein eigentliches Lebensglück verzichten. Engelbert Huber liest die Stelle des Romans vor, in der der verheiratete Offizier Jahre später dem verlorenen Glück nachtrauert: „Viel Freud, viel Leid, Irrungen Wirrungen. Das alte Lied.“ Und obwohl dieser nun heimlich die Liebesbriefe von damals verbrennt, muss er sich eingestehen: „Ob ich nun frei bin?...Will ich´s denn? Ich will es nicht. Alles Asche. Und doch gebunden.“

Den Abschluss des Vortrags von Engelbert Huber bildet der Gedanke, dass ein Roman aus der Vergangenheit die Differenz zur Gegenwart sichtbar machen kann, aber auch die Gemeinsamkeit, zum Beispiel bezüglich des Themenfelds des Missbrauchs.

Die Zuhörer dankten mit großem Applaus für einen beeindruckenden Vortrag, der auch dank der glänzenden Organisation durch die Kulturbeauftragte der Stadt Riedenburg Thea Helmich ein voller Erfolg war. Der schöne, stimmungsvolle Raum des alten Rathaussaales schuf dazu die ideale Atmosphäre.

Eine lukullische Fortsetzung fand der Fontane-Abend im Restaurant „Forsts Landhaus“. Eine spezielle Speisekarte bot ein Abendmenü mit Gerichten wie in den berühmten Romanen Theodor Fontanes an. Dazu las Engelbert Huber zu den einzelnen Gängen passende Passagen aus verschiedenen Texten Fontanes vor, zum Beispiel aus dem Roman „Frau Jenny Treibel“ das abendliche Mahl im Hause von Professor Schmidt, als dessen Krönung Oderbruchkrebse aus der Uckermark auf den Tisch kamen.

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