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Stadtrat

Stadtrat ebnet Weg für BRK-Altenheim

Kelheimer Stadtrat widmet Fläche westlich des Keldorado in urbanes Mischgebiet um. BRK will dort ein Seniorenzentrum bauen.
von Benjamin Neumaier

Auf dem Areal Keldorado West (Blickrichtung Nordost) könnte laut Entwicklungskonzept ein dreigeschossiges Seniorenzentrum des BRK inklusive Kindergarten und Kinderkrippe entstehen (H-Bau). Westlich davon ist Wohnbebauung vorgesehen, nördlich davon Gewerbeansiedlung sowie ein zweigeschossiges Parkdeck. Abbildung: Komplan
Auf dem Areal Keldorado West (Blickrichtung Nordost) könnte laut Entwicklungskonzept ein dreigeschossiges Seniorenzentrum des BRK inklusive Kindergarten und Kinderkrippe entstehen (H-Bau). Westlich davon ist Wohnbebauung vorgesehen, nördlich davon Gewerbeansiedlung sowie ein zweigeschossiges Parkdeck. Abbildung: Komplan

Kelheim.Bürgermeister Horst Hartmann und BRK-Kreisgeschäftsführer Wolfgang Hesl atmeten sichtlich auf. Mit 13 zu 10 Stimmen hatten die Kelheimer Stadträte ein Projekt abgesegnet, das seit Juni 2017 mehrfach abgelehnt oder vertagt worden war: Die Umwidmung eines Areals westlich des Keldorado in ein sogenanntes urbanes Gebiet samt städtebaulichem Entwicklungskonzept. Damit machte das Gremium den Weg frei für den vieldiskutierten Neubau eines Seniorenzentrums des BRK – zumindest ist der erste Schritt getan.

Horst Hartmann freute sich vor der Sitzung „auf zukunftsorientierte und nachhaltige Entscheidungen, die wir heute hoffentlich treffen“. Diese Auffassung teilten nicht alle Stadträte. In langer Diskussion wechselten Kritiker und Befürworter. Es gipfelte in einem Antrag auf Beendigung der Debatte durch Thomas Häckl (FW) und einer namentlichen Abstimmung auf Antrag von Raimund Fries (CSU). Am Ende stand das Ergebnis von 13 zu 10.

Kosten: Rund 17 Millionen Euro

Bis 2024 soll nun ein dreigeschossiger, H-förmiger Baukörper mit Platz für 120 Betten entstehen. Zudem sollen im Untergeschoss integrative Elemente – ein Kindergarten und eine Kinderkrippe sowie ein öffentlich zugängliches Café untergebracht werden. Auch Teile der BRK-Kreisverwaltung sollen Platz finden sowie die optionale Möglichkeit einer Tagespflege geschaffen werden. Im Dachgeschoss könnten Mitarbeiterwohnungen Platz finden. Kostenpunkt: Rund 17 Millionen Euro. Dies sei aber keine Planung, „sondern lediglich ein Konzept“, sagte Hesl.

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Eine derartige Entwicklungsfähigkeit sei im Donaupark, wo das BRK ein Vorkaufsrecht für ein Grundstück besitzt, nicht gegeben, sagte Hesl. Außerdem gebe es dort Bedenken hinsichtlich des Lärmschutzes. Zudem stünden Einkaufsmöglichkeiten – eines der Argumente pro Donaupark – „auf der Prioritätenliste der Senioren weit unten“, sagte Hesl. Einige Stadträte teilten diese Bedenken nicht, sprachen sich klar für einen Standort Donaupark aus. Dass das BRK das Grundstück beim Keldorado über Erbpacht erwerben wolle, war Reinhard Listl ein Dorn im Auge. Er sprach davon, „ein Kelheimer Filetstück zu verschleudern“.

Das Areal neben dem Keldorado wird neu überplant. Foto: Kugler-Archiv
Das Areal neben dem Keldorado wird neu überplant. Foto: Kugler-Archiv

Ein weiterer Hauptkritikpunkt an der Umwidmung des Geländes war zudem, dass man eine mögliche Entwicklung von Sportstätten in Kelheim damit ad acta lege, sagte FW-Sprecher Heribert Schwindl. In der Tat war das Gelände westlich des Keldorados bisher als im Bebauungsplan Rennweg Süd als Fläche für Sportanlagen und Parken festgesetzt. Im Flächen und Landschaftsplan war es als Grünfläche für Freibad sowie als Parkfläche dargestellt.

Städtebauliches Konzept als Entscheidungshilfe

Das nun zu überplanende Areal sieht diese Möglichkeit nicht mehr vor. Das mitbeschlossene städtebauliche Entwicklungskonzept – das aktuell nur als Entscheidungshilfe diente –sieht westlich vom Seniorenzentrum Wohnbebauung vor. Reihen- oder Einzelhäuser seien denkbar. Dazu könnten nördlich des Altenheims Gewerbeflächen entstehen. „Wir sprechen von Arztpraxen, einer Apotheke, Physiotherapie oder nicht störenden Gewerbebetrieben“, sagte Planer Fritz Bauer. Zudem ist ein zweigeschossiges Parkdeck im Norden des 2,3 Hektar großen Areals angedacht. Der Teil, der auch jetzt als Parkplatz für das Keldorado genutzt wird. Im Gegensatz zu den anderen Flächen ist dieser Teil kein städtisches Gebiet, sondern in Privatbesitz. „Das Entwicklungskonzept ist noch Hypothese“, sagte Hartmann. „Die Ausarbeitung wird Aufgabe des Stadtrats.“

Symbiose aus Altenpflege und Kinderbetreuung

Zielsetzung der Überplanung sei „räumliche Nähe von wichtigen Funktionen wie Wohnen, Arbeiten, Versorgung, Bildung, Kultur, Sport und sozialen Einrichtungen“ für sämtliche Alterschichten. Hesl sprach von „einem optimalen Umfeld – nicht nur für die Senioren. Die Durchmischung macht es aus. Deswegen auch die Symbiose von Pflege und Kinderbetreuung.“ Auch mehrere Stadträte – Raimund Fries, Christian Prasch oder Claus Hackelsperger – sprachen in ihren Plädoyers pro Keldorado-West von „einer optimalen Lösung. Wir entwickeln Kelheim zukunftsorientiert weiter. Und wir haben die Planungshoheit“, sagte etwa Fries.

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Das vorgestellte Entwicklungskonzept entspricht indes in etwa dem Entwurf, der die Diskussion um das Areal im Juni 2017 überhaupt erst angestoßen hatte. Damals hatte Architekt und Stadtplaner Ludwig Vanderpoorten von der EAA Europe-Asia-Architects GmbH Regensburg samt der Deggendorfer Firma Erl als Investor ein nur wenig davon abweichendes Konzept im Stadtrat vorgestellt. Grundlage waren ein Seniorenzentrum mit 100 Betten, eine Anlage für Betreutes Wohnen mit 60 bis 80 Zimmern sowie Wohnbebauung und eine Parkfläche. Im März 2018 lehnte der Stadtrat die Umwandlung des Areals in ein urbanes Gebiet mit 13 zu 9 Stimmen ab. Vor allem, dass man bei einem Investor nur wenig Einflussmöglichkeiten auf die Ausgestaltung habe, schreckte die Stadträte ab.

Als das BRK sein Interesse am Areal erneuerte, nahm das Thema wieder Fahrt auf, wurde in zwei weiteren Stadtratssitzungen behandelt. Allerdings ohne Ergebnis.

Hesl kokettiert mit Umzug

Zuletzt hatte eine Pressemitteilung der BRK-Kreisvorstandschaft am 21. November das Thema befeuert. Schon länger war klar, dass das bisherige BRK-Altenheim, das Josef-Bauer-Haus in der Falkenstraße, modernen Ansprüchen nicht mehr genüge, eine Sanierung im laufenden Betrieb und kostentechnisch nicht möglich sei. 2024 liefe zudem die Pflegeerlaubnis aus. Die Entscheidung für einen Neubau sei alternativlos. Nur sei nicht klar, wo: Man hoffe „auf einen positiven Beschluss in der Stadtratssitzung“, war zu lesen.

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Dass das BRK zur Not den Standort Kelheim verlassen würde, gab Hesl unverhohlen zu: „Am liebsten bauen wir in Kelheim“, sagte er in der montäglichen Stadtratssitzung. „Dabei bevorzugen wir den Standort beim Keldorado. Beim Grundstück im Donaupark haben wir zwar ein Vorkaufsrecht bis zum 31. Dezember 2019, aber es ist nicht optimal.“ Er könne nicht ausschließen, dass sich die Vorstandschaft dann gegen den Standort Kelheim entscheide. Es gebe Angebote aus Nachbargemeinden, teilte Hesl mit. Nun scheint der Verbleib in Kelheim – inklusive 140 Arbeitsplätzen – sicher.

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Chronologie

  • Juni 2017:

    Investor stellt Pläne für Seniorenzentrum westlich des Keldorado im Stadtrat vor.

  • Ende 2017:

    Auch das BRK bekundet Interesse am Areal.

  • Anfang März 2018:

    Kelheims Stadtrat lehnt die Umwandlung des Areals in Urbanes Mischgebiet ab.

  • Ende März 2018:

    Das BRK erneuert sein Interesse für das Areal. Wegen fehlender Pläne vertagt der Stadtrat die Entscheidung.

  • September/Oktober 2018:

    Planungsbüro Komplan erstellt Entwicklungskonzept für das Areal. Der Stadtrat vertagt die Entscheidung.

  • November 2019:

    Stadtrat wandelt Areal in urbanes Mischgebiet um.

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