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Mobilfunk

Streit in Eggersberg schwelt weiter

Im Riedenburger Ortsteil Eggersberg sind die Fronten verhärtet. Die Sendeanlage unter dem Schlossdach kommt, soll aber nicht nach Süden abstrahlen.
Von Walter Dennstedt und Petra Kolbinger, MZ

Plakate in Eggersberg künden von der Angst der Dorfbewohner. Die sei geschürt, sagt H.-P.M.Tassilo Wenzl-Sylvester. Foto: Kolbinger

Riedenburg.Seit am 28. Oktober bekanntwurde, dass auf Schloss Eggersberg, unter dem historischen Dach, eine Sendeanlage aufgebaut werden soll, geht ein Riss durch das Dorf: Zum einen befürchten die Gegner des Funkmasten, zu deren Sprecher sich Ortssprecher Christian Bauer gemacht hat, dass sie durch Strahlen geschädigt werden könnten. Zum anderen ist da H.-P.M.Tassilo Wenzl-Sylvester (67), der eine unglaubliche Kampagne gegen sich und seine Gattin Marion inszeniert sieht und der, so viel machte er im Gespräch mit unserer Zeitung am Montagvormittag klar, den Masten errichten lassen werde.

Nicht nach Süden senden

Die Stadt Riedenburg hat rechtlich keine Möglichkeit, den Sendemasten zu verhindern. Denn er ist nicht mal sichtbar, mithin ist die Stadt nur bei denkmalschutzrechtlichen Belangen zu befragen, teilte Hauptamtsleiter Günther Wagner mit. Und Wagner räumt auch ein, dass die Stadt da eher ein „zahnloser Tiger“ sei.

Wenzl-Sylvester indes lenkt jetzt ein klein wenig ein: Er habe der Funkturm GmbH mitgeteilt, dass sie doch den Sendemasten, der nach Süden abstrahlen könnte, nicht nutzt. Das solle die Gesellschaft dem Stadtrat mitteilen. Wenzl-Sylvester sagte, dass es ihm ursprünglich und auch jetzt noch um die Verbesserung der Versorgung mit Mobilfunk im Hotel auf dem Schlossareal gehe.

Indes, es spricht viel Verbitterung aus des Hausverwalters Worten, wenn er berichtet, wie er und seine Frau angegangen würden. Und verständnislos reagiert er darauf, dass sich der Stadtrat in Riedenburg „vor den Karren der ÖDP“ spannen habe lassen. Da findet der Verwalter eher Worte aus dem Kutscher- denn dem Schlossherrenvokabular.

Siegfried Lösch, der sich als Bürgermeisterkandidat für die CSU an die Spitze der Bewegung gegen das Vorhaben von Wenzl-Sylvester gestellt hat, sagte am Montagvormittag auf Anfrage, dass er den Vorschlag der Deutschen Funkturm GmbH kenne. Indes, er will wissen, ob dies für die gesamte Nutzungszeit gelte. Und er will, dass der Stadtrat ein Gutachten zu einer möglichen Strahlenbelastung beauftragt.

Freilich, ein Gutachten mit welcher Aussage auch immer, würde auch nichts bringen, denn rechtlich ist Wenzl-Sylvester mit seinem Vorhaben abgesichert: Die Bundesnetzagentur hat es genehmigt. Und ein wenig spricht da wohl auch der Trotz aus des Verwalters Worten, wenn er sich in Rage redet über die Veranstaltung mit Professor Dr. Klaus Buchner im November. Der habe, so die Einschätzung Wenzl-Sylvesters, die Bürger aufgehetzt. Dr. Buchner gilt als vehementer Mobilfunkgegner.

Ein zu dieser Informationsveranstaltung eingeladener Vertreter des Landesamts für Umwelt aus Hof sagte ab. Der Grund: Podiumsdiskussionen zwischen Mobilfunkgegnern und einem Vertreter des Landesamts seien erfahrungsgemäß völlig nutzlos, weil sie beim Zuhörer mehr Verwirrung denn Aufklärung hinterließen, wenn man sich die technischen Werte um die Ohren knalle. Das Landesamt, so teilt Marcus de Ridder vom Referat „Luftgütemessungen Nordbayern und Elektromagnetische Felder“ mit, lehne aber auch ab, den jeweiligen Netzbetreiber mit auf dem Podium zu haben. Aber man sei weiter, unter diesen Vorgaben bereits, die betroffenen Bürger zu informieren, falls dies gewünscht werde.

Wie Wenzl-Sylvester als Initiator sagt aber auch das Landesamt für Umwelt, dass man sich, nach intensiven Untersuchungen über eine mögliche Gefährdung der Gesundheit durch Sendestrahlen, der Aussage der Weltgesundheitsorganisation anschließe. Die stellt fest, so sagte Marcus de Ridder von der Behörde, dass von den Masten keine Gefahr ausgehe. Vielmehr sei die Strahlung eines Handys, das versuche, ein Netz zu finden und mit voller Sendeleistung operiere, nicht mit letzter Sicherheit nicht doch als krebserregend einzustufen. Die Weltgesundheitsorganisation hat die Gefahr mit der Klassifizierung 2 B eingeteilt. Das ist auch die Klassifizierung der Gefährlichkeit von Kaffee.

Siegfried Lösch bedauert, dass der Streit um den Masten das Dorf spalte. Man hätte reden müssen – vorher. Indes, der Konjunktiv hilft da auch nicht viel weiter. Lösch erhofft sich von einem Gutachten die Basis, den Sendemasten doch noch zu verhindern.

Bauherr beharrt auf Recht

Wenzl-Sylvester will die Sache aber jetzt durchziehen. Man habe „uns behandelt wie ein Stück Dreck“, beklagt er und er stellt in gleichem Atemzug fest, dass die Kommune mit dem Genehmigungsverfahren „de jure“ nichts zu tun habe. Zudem verweist er auf Gutachten, die er bei vier Universitäten in Auftrag gegeben habe – alle Unbedenklichkeit bescheinigend.

Christian Bauer, Ortssprecher aus Eggersberg, hofft auf einen noch friedlichen Ausgang. Allerdings müsse ein Gutachten her, um aufgrund von Fakten zu entscheiden. Vielleicht könne man, solange man noch miteinander spricht, eine Lösung finden. Der Streit um den Masten in dem Dörfchen über der Altmühl geht wohl weiter.

Erbitterter Widerstand

Am Montagabend tagte dann das Stadtratsagremium. „Wenn Herr Wenzl-Sylvester Frieden im Ort für die nächsten fünfzehn Jahre will, dann soll er auf den Bau dieser Mobilfunksendeanlage auf dem Schloß verzichten!“ richtete Josef Fuchs (BGR) einen eindringlichen Appell an den Miteigetümer des Schlosses Eggersberg, unter dessen Dach, wie berichtet, eine Sendeanlage installiert werden soll, die im Ort auf erbitterten Widerstand stösst. Die Dezember-Sitzung des Riedenburger Stadtrates startete am Montag noch vor der eigentlichen Tagesordnung mit dem Thema „Mobilfunkanlage Obereggersberg“ .Ortssprecher Christian Bauer erhob einen Einwand gegen das Protokoll der Novembersitzung. Er kritisierte die Formulierung, die Errichtung des Mobilfunksenders auf dem Schloss Eggersberg solle aufgegeben werden, weil die Bewohner des Ortes nicht damit einverstanden seien. Richtig und während der Sitzung auch entsprechend vorgetragen sei die topografische Lage als Grund für die Ablehnung. Das Protokoll wird auf mehrheitlichen Wunsch des Gremiums entsprechend abgeändert. Josef Fuchs (BGR) schob nach, er erinnere sich an eine Beschlussfassung im Anschluss an die damals von Siegfried Lösch (CSU) vorgetragene Schilderung einer Überplanung des Gemeindegebietes mit Ausweisung geeigneter Standorte am Beispiel des Marktes Langquaid, wonach das Gremium gleiches in Riedenburg beschlossen habe. Im Sitzungsprotokoll tauche der Beschluss dann jedoch nicht auf. Hier unterbleibt eine entsprechende Abänderung des Protokolles.

Günther Wagner rekapitulierte die bisherigen Entwicklungen und schilderte den Vorschlag diverser Alternativstandorte durch die Stadt, die von der Telekom geprüft und aus wirtschaftlichen oder technischen Gründen abgelehnt worden seien. Unter anderem war, wie berichtet, das Areal beim Hochbehälter unweit des Ortsteiles Thann im Gespräch. Die Bürger von Thann und Georgenbuch hätten sich bereits in Unterschriftslisten gegen diesen Standort ausgesprochen, und auch die Telekom habe ihn als ungeeignet zurück gewiesen. Mittlerweile liege die schriftliche Bestätigung eines „good will“-Vorschlages von Telekom und H.-P.M. Tassilo Wenzl-Sylvester vor, der da lautet: Verzicht auf Inbetriebnahme der nach Süden ausgerichteten Antenne, die aufgrund der topografischen Verhältnisse den größten Teil des Ortes bestrahlt - für die Dauer der Vertragslaufzeit und Verzicht auf ein Aufschalten der UMTS-Dienste auf die beiden verbleibenden Sender für Schloss und Talbereich, die dann nur mit GSM und LTE ausgerüstet würden. Die Formulierung „für die Dauer der Vertragslaufzeit“ löste die Frage nach dem konkreten zeitlichen Rahmen aus. Bauer erinnerte an ein früheres Angebot der Telekom-Tochter Deutsche Funkturm GmbH, in der die Rede von drei Jahren gewesen sei.

„Vertrag kennen wir nicht“

„Den Vertrag zwischen Familie Wenzl-Sylvester und der Telekom kennen wir nicht!“ wandte auch Bürgermeister Michael Schneider (CSU) ein. Wagner habe bei der Telekom rück gefragt „von welcher Laufzeit wir reden und ob diese auch zu einem späteren Zeitpunkt noch von den Vertragspartnern abgeändert werden könnte.“ Er warte noch auf Antwort.Bauer kritisierte eine Spaltung des Dorfes durch einen Verzicht auf die nach Süden gerichtete Antenne, denn „es erwischt dann trotzdem noch einige Häuser“. Michael Weber (CWG) hielt es mit Horst Seehofer und zitierte dessen Motto, Politik nicht gegen den Bürger zu machen. Dies sei ein klassischer Fall. Man solle das Umweltinstitut einschalten. „Die Spielereien“ wie ein Verzicht auf die nach Süden gerichtete Antenne, wobei ein Teil des Ortes dann doch noch etliches abbekäme, sei schlicht untragbar. Als Diskussionsgrundlage wollte Bauer eine geforderte Prognoseberechnung verstanden wissen, die den gesamten Ortsbereich einschliessen und vom Umweltinstitut München erstellt werden solle - auch wenn dieses nicht mit staatlichen Mitteln gefördert werde. Das Gremium folgte der vorgetragenen Argumentation und beschloss, auf Fördermittel in Höhe von 90 Prozent zu verzichten und das Umweltinstitut München mit der 6.900 Euro teuren Prognoseberechnung zu beauftragen. „Wir sind nach wie vor gegen den Standort - aus topografischen Gründen“ beharrte Bauer. „Und sollten wir den Bau wirklich nicht mehr verhindern können, wollen wir mit den Prognoseberechnungen wenigstens genau wissen, was auf uns zukommt. Das heisst nicht, dass wir damit dann alles abgesegnet haben!“

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