MyMz
Anzeige

Pflege

Streit um Seniorenheim-Anbau in Saal

Seniorenheim in Saal soll erweitert werden. Es gibt Befürworter und Gegner. Letztere vor allem, weil ein Park verloren ginge.
Von Roland Kugler

Der geplante Anbau soll auf der Grünfläche (li.) entstehen, über die Parkstraße in der Mitte führen und an das Heim (re.) anschließen.  Foto: Roland Kugler
Der geplante Anbau soll auf der Grünfläche (li.) entstehen, über die Parkstraße in der Mitte führen und an das Heim (re.) anschließen. Foto: Roland Kugler

Saal.Im Dezember hatte der Gemeinderat dem Antrag der Kelheimer Firma B+Z Projektbau auf einen Anbau an das Seniorenheim mit 14 zu 6 zugestimmt. Räte die den Plan ablehnen, sowie viele Saaler Bürger, wollen das Gremium dazu bringen das Vorhaben nochmal zu überdenken, und starteten eine Unterschriftenaktion. Jetzt lud die Gemeinde zu einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung.

Das Gebäude wurde bereits 2015 an der Westseite erweitert. Jetzt plant der Eigentümer des Grundstückes, B+Z Projektbau, einen weiteren Anbau an der Ostseite entlang der Bahnhofstraße. Er soll 25 Meter lang, 19 m breit und 9,55 m hoch werden und über die Parkstraße gebaut werden, die mit eine Durchfahrt passierbar bleiben soll. Für den geplanten Anbau müsste die Parkfläche zur evangelischen Kirche mit vier alten Kastanienbäumen weichen. Und er würde die Sicht auf die Längsseite des Hauptgebäudes nehmen, das 1925 erbaute ehemalige Donauhotel. Das lehnen viele Saaler ab, die bei einer Unterschriftenaktion bereits mehr als 300 Stimmen dagegen sammelten. Um zu informieren und zu diskutieren, hatte die Gemeinde am vergangenen Freitag ins Gasthaus zur Heide geladen. Rund 50 Besucher waren gekommen, ihre Meinungen gehen teils erheblich auseinander.

Pflegeplätze ja, aber nicht dort

Einig waren sich fast alle, dass es gut für Saal wäre, wenn noch mehr Pflegeplätze geschaffen würden. Das von der AWO betriebene Heim bietet aktuell etwa 70 Plätze. „Wir sind fast immer voll belegt. Und wir haben die glückliche Situation, mehr als genug Personal zu haben“ sagt Heimleiter Frank Hirche. Denn der Ruf und die Bewertung des Heimes seien gut. Zudem gebe es eine Übernahmegarantie für Auszubildende, von denen es momentan sechs gibt. Doch wöchentlich gebe es bis zu acht Anfragen nach Pflegeplätzen, sagt Hirche. Deshalb ist die AWO an B+Z mit dem Wunsch nach einer Erweiterung herangetreten, durch den momentanen Anbauplan könnten etwa 32 Plätze geschaffen werden. „Uns geht es in erster Linie darum, dem Bedarf gerecht zu werden. Und auch um die Wirtschaftlichkeit“ sagt Sandra von Hösslin, Kreisgeschäftsführerin der AWO. Denn mehr Pflegeplätze bedeuten auch mehr Geld.

Seniorenheim

  • Gebäude: das geschichtsträchtige ehemalige Donauhotel ist eines der markantesten Bauwerke in Saal.

  • Bauplan: im Erdgeschoss sollen Büroräume entstehen. Im 1. und 2. OG sollen die Pflegestationen erweitert werden. Auf dem Dach ist ein Dachgarten geplant.

„Wir sind für mehr Pflegeplätze, aber nicht an dieser Stelle. Es ist eine Bausünde, wenn man das wunderschön sanierte alte Gebäude nicht mehr sehen kann. Das ganze Ensemble wird zerstört“ sagt Reinhard Schwikowski. „Wenn die Leute aus der Kirche kommen dann sehen sie einen Betonwall“ sagt der evangelische Pfarrer Julian Scheuerer. Das Grundstück der Kirche grenzt an das von B+Z. „Dieses Vorhaben ist ein gravierender Eingriff ins Ortsbild“ sagt Franz Petschel.

Debatte

Park muss Erweiterungsbau weichen

Das Alten- und Pflegeheim Saal soll erweitert werden. Der Beschluss ist umstritten, weil deshalb Grünfläche weichen muss.

„Auf dem Areal gibt es andere Möglichkeiten mehr Pflegeplätze zu schaffen“ sagt Josef Rummel. Das sei aus wirtschaftlichen und organisatorischen Gründen jedoch nicht sinnvoll, sagte von Hösslin, da die Verbindungswege für das Personal zu weit seien. Deshalb schließe der geplante Anbau an dieser Stelle an das Heim an. Und B+Z plane auf der freien Fläche südwestlich des Gebäudes ein Haus für Menschen mit Behinderung, sagt Michael Büchl von B+Z.

Zu weite Wege für Personal

„Am wichtigsten ist der Aspekt, dass 32 Menschen mehr hier in Saal ihren Lebensabend verbringen können“ befürwortet Sebastian Hobmaier den Anbau. Ebenso wie Matthias Rieger und Mario Kasper. „Auch wenn Pflegeplätze an Auswärtige vergeben werden, ist die Möglichkeit für Saaler doch größer einen zu bekommen“ sagt Rieger. „Klar wird die Ansicht nicht mehr so schön sein. Aber jeder muss für sich entscheiden, was eine höhere Wertigkeit hat“ sagt Kasper. Auch Bürgermeister Christian Nerb ist für das Vorhaben, wenn er bei Ansicht der Pläne auch Bauchschmerzen hatte, wie er sagt. Doch er setzt auf Kompromissbereitschaft von beiden Seiten, und dem Entgegenkommen von B+Z. „Natürlich ist es schöner, wenn man aus der Kirche kommt und blühende Kastanien sieht“ sagt Nerb. „Aber es werden fünf neue Bäume gepflanzt. Und es wird ein Außenbereich mit Garten für die Bewohner angelegt, und sogar ein Dachgarten geschaffen.“

Weitere Nachrichten aus dem Landkreis Kelheim finden Sie hier

Aktuelles aus der Region und der Welt gibt es über den Facebook Messenger, Telegram und Notify direkt auf das Smartphone.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht