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Kelheim.

Süd-Chemie „vergräbt“ 3,5 Millionen Euro

Michael Funke informierte über die Entfernung der Altlasten.

Neblig und feucht ist der Morgen am Hafen: Industriekräne, Schornsteine und Container bestimmen das Aussehen – und irgendwo am südwestlichem Ende dieses Areals klafft ein großes schwarzes Loch. Davor stehen Bauarbeiter, Kamerateams und Pressevertreter. Die Firma Süd-Chemie, die bis in die 70er-Jahre hinein hier Schwefelsäure und Düngemittel herstellte, hatte zum Informationsgespräch geladen. Der Anlass: giftiges Arsen war ins Erdreich gesickert und wird nun entfernt.

Fünf Jahre Planung gingen voraus

Während die Bagger in der rund fünf Meter tiefen Grube weiterarbeiten, erklärt Dr. Robert Schönhofer, worum es geht. Der hagere Mann mit Vollbart und knallorangener Warnweste ist der Projektleiter. Am 18. August haben die Arbeiten begonnen, seit fast fünf Jahren wurde geplant. „Wir stehen nun kurz vor dem Grundwasser“, sagt er. 500 Quadratmeter sei dieses Loch groß, es soll erst der Anfang sein. Insgesamt seien es 2500 Quadratmeter des ehemaligen Firmengeländes, die saniert werden müssen.

Nur ein paar Schritte vom Baucontainer entfernt, an dem Schönhofer das Gebiet auf einer Karte abgesteckt hat, türmen sich in der Grube schwarze Erdhaufen. Das Areal ist mit einem Zaun abgesichert. Das Arsen sei in den Haufen gut zu sehen, sagt Schönhofer.

Gefahr sieht nicht gefährlich aus

Dicke rote Linien ziehen sich durch die Erde. Der Anblick hat nichts bedrohliches, es riecht nicht besonders, die Arbeiter laufen in keinen auffällig dicken Schutzanzügen herum; und dennoch lauert in diesem rot-braunen Zusammenspiel aus Erde und Arsen eine Gefahr, die sich Süd-Chemie rund 3,5 Millionen Euro kosten lässt.

„Bisher sind wir sehr zufrieden mit den Ergebnissen“, legt Michael Funke dar. Randlose Brille, Gummistiefel und eine große gelbe Warnweste lassen ihn aus der Gruppe von Firmenvertretern und Pressesprecher der Süd-Chemie hervorstechen. Funke ist der Chef der Planungsfirma DiBaUCo aus Eichenau bei München, die Entsorgung giftiger Altlasten sei das Unternehmen gewohnt.

Mit einer Handbewegung deutet er auf den Grubenboden: Mit fünf Metern seien die Arbeiten bis kurz vor das Grundwasser vorgestoßen, acht Meter tief werde bis Ende des Jahres ausgehoben sein. Das Arbeiten in und an dem Testbereich sei darüber hinaus nicht einfach. „Wir unterteilen das Gelände in Weiß und Schwarz“, bedeutet Funke die Bereiche außerhalb und innerhalb der Grube.

Eingeteilt in Schwarz und Weiß

Innerhalb, im „Schwarzbereich“, dürfe zwar gearbeitet, jedoch nicht gegessen oder geraucht werden, „ganz alltägliche Dinge eben“. Um Gesundheitsgefährdungen für die Arbeiter auszuschließen, müssten alle vor und nach der Arbeit durch einen speziellen Container, indem sie sich selbst zu reinigen hätten und ihre Privatkleidung nicht mit belastetem Material in Verbindung kommen könne.

Gefahr für Mensch und Natur habe zu keiner Zeit bestanden, versichern die Experten: Das Grundwasser fließe an dieser Stelle nicht in die Donau und sei in den Jahrzehnten zuvor für „rein industrielle Zwecke genutzt“ worden. Was mit Boden und Grundwasser passiert? Funke weiß die Antwort: Der verunreinigte Boden werde auf einer speziell errichteten Fläche auf dem Gelände zwischengelagert, analysiert und fachgerecht entsorgt. „Danach wird es durch unbelastetes Material ersetzt.“ Das belastete Wasser werde auf Trinkwasserqualität gereinigt und wieder in die Donau geleitet. Zwei bis drei Mal pro Tag würden entsprechende Werte gemessen: „Bisher sind wir mit den Ergebnissen sehr zufrieden“, sagt Funke.

Bis Ende des Jahres 2008 sollen die Arbeiten an diesem ersten Testfeld abgeschlossen sein – aus den Ergebnissen werden dann die Schlüsse für die Arbeiten an weiteren 2000 Quadratmetern belasteten Boden gezogen werden. Zwischenzeitlich hatten die Bagger aufgehört zu arbeiten, der Lärm war zu groß. Nun geht es weiter, der Zeitplan ist straff – das schwarze Loch am Hafen wird in den kommenden Monaten weiter wachsen und seine Altlasten freigeben.

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