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Transsexuellen Mann gejagt

Seit Freitag stehen drei Siegenburger vor dem Landgericht Regensburg. Zum Prozessauftakt haben sie die Prügel, Tritte und die Hatz eingeräumt.

Am Freitag hat in Regensburg der Prozess gegen drei Männer begonnen, die versucht haben sollen, in Siegenburg einen Mann zu töten. Foto: dpa/Archivbild

Regensburg.Auf der Nebenklägerbank sitzt Kai M.. Er trägt ein graues T-Shirt. Survivor, Überlebender, ist darauf gedruckt, Seine Beine stecken in schwarz-roten Plateau-Stiefeln. Der junge Mann will offensichtlich ein Zeichen setzen. Denn seine Vorliebe für frauliche Klamotten hat ihn nach Auffassung der Staatsanwaltschaft Regensburg fast das Leben gekostet. Vor dem Landgericht Regensburg müssen sich seit Freitag drei Männer im Alter zwischen 18 und 24 Jahren wegen versuchten Mordes und schwerer Körperverletzung verantworten. Im Februar 2012 hatten sie den transsexuellen Mann durch Siegenburg (Lkr. Kelheim) geprügelt und auf einem Feldweg seinem Schicksal überlassen.

Die Angeklagten räumten zum Prozessauftakt die Tat ein – wenn auch mit widersprüchlichen Angaben. Das Opfer selbst beschuldigte das Brüderpaar als die Aggressoren. Geschlagen und getreten hätten zwar alle drei Angeklagten, doch der 24-jährige Daniel A. hätte mehrmals versucht, die Hatz zu beenden. Warum er einer Aufforderung A.s zur Flucht nicht nachgekommen sei, konnte der damals schwerverletzte Mann nicht beantworten.

Im Zeugenstand geriet das Opfer schließlich selbst unter Druck, als sich herausstellte, dass es nach der Tat im Internet Morddrohungen gegenüber den Familien der Täter ausgesprochen hatte und Schmerzensgeldzahlungen forderte. Der Mann begründete dies mit seiner finanziellen Notlage und mit psychischen Problemen. Mit der Familie des Angeklagten Daniel A. habe er sich mittlerweile ausgesöhnt, sagte er. Das Gericht unter Vorsitzendem Richter Carl Pfeiffer ermahnte den jungen Mann auch deshalb mehrmals zur Wahrheit.

Jede Menge Alkohol im Spiel

Bei der Tat, so stellt sich schon zu Beginn der Verhandlung heraus, war jede Menge Alkohol im Spiel. Die Angeklagten hatten Weinbrand, Rum und Bier konsumiert. Tobias B., der gestand, dass er dem Opfer den ersten Faustschlag ins Gesicht versetzte, hatte zudem Cannabis geraucht, Mittäter Daniel A. am Vortag Crystal Speed konsumiert. Schon am Nachmittag des 23. Februars 2012 hatten die Täter in einer Gaststätte und auf dem Marktplatz der Ortschaft getrunken. Später feierten die Angeklagten Tobias B. und Daniel A. in Regensburg weiter, während sich Lothar B. mit dem späteren Opfer auf dem Siegenburger Marktplatz traf. Dort hätte man sich gut verstanden, erklärte er vor Gericht.

Tobias B. wollte Bruder schützen

Bei der Rückkehr von Tobias B. sei gegen 23 Uhr die Situation auf dem Marktplatz eskaliert, bestätigten alle Angeklagten. „Tobi war ziemlich betrunken, dann wird er auch aggressiv und haut gerne mal zu“, sagte sein Bruder vor Gericht. Nach mehreren Faustschlägen ins Gesicht zogen sie das Opfer in eine Seitengasse und traktierten es mit Fäusten – und, als es auf dem Boden lag – auch mit den Füßen. Während Tobias B. seinen jüngeren Bruder in Schutz nahm und meinte, dieser habe sich nicht beteiligt, räumte der 18-Jährige dies selbst ein. „Ich weiß nicht warum. Ich habe mich mit Kai eigentlich ganz gut verstanden. Trotzdem habe ich auch mitgemacht.“ Auch verbale Beleidigungen fielen. Unklar ist bisher die Frage, ob Kai M. zu sexuellen Handlungen gezwungen werden sollte. Während das Opfer selbst von einer „versuchten Vergewaltigung“ spricht, die Daniel A. verhindert habe, schieben sich A. und Tobias B. gegenseitig die Aussage zu, wonach das Opfer dazu gezwungen werden sollte „einen zu blasen“.

Schließlich jagten die Männer Kai M. auf einen Feldweg und ließen ihn ohne Mantel mit einer Gehirnerschütterung, einem Nasenbeinbruch und eine Kieferhöhlenfraktur zurück. Mit dessen Tod wollen sie aber nicht gerechnet haben. Der Prozess wird am Montag fortgesetzt.(ig)

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