MyMz
Anzeige

Chemieindustrie

Trillerpfeifenkonzert bei Autozulieferer

Arbeitnehmer demonstrieren in Neustadt für bessere Arbeitsbedingungen. Gewerkschaft sieht Lage der Branche positiv.
Von Jochen Dannenberg

Bei einer Kundgebung vor dem Werkstor des Autozulieferers SMP in Schwaig (Neustadt a.d. Donau) informierte die IGBCE am Mittwoch über die aktuelle Tarifrunde. Mehr als 100 Arbeitnehmer nahmen an der Kundgebung während der Mittagspause teil.
Bei einer Kundgebung vor dem Werkstor des Autozulieferers SMP in Schwaig (Neustadt a.d. Donau) informierte die IGBCE am Mittwoch über die aktuelle Tarifrunde. Mehr als 100 Arbeitnehmer nahmen an der Kundgebung während der Mittagspause teil.

Neustadt a.d. Donau.Die IG BCE erhöht im Tarifkonflikt der chemischen Industrie den Druck auf die Arbeitgeber. In dieser Woche ruft die Gewerkschaft die Beschäftigten der Branche zu einer bundesweiten Aktionswoche auf. Geplant sind mehr als 200 Aktionen, mehr als 50 000 Teilnehmer werden erwartet. Am Mittwoch gab es im Neustädter Ortsteil Schwaig vor dem Werkstor des Autozulieferers SMP eine Kundgebung, an der sich über hundert Arbeitnehmer beteiligten.

„In der ersten bundesweiten Verhandlungsrunde haben die Arbeitgeber nicht viel beigesteuert außer Wehklagen“, sagt Marcel Prause, Sekretär des IG BCE-Bezirks Kelheim-Zwiesel. „Vor lauter Krisengerede ist ihnen offenbar entgangen, dass unsere Forderung nicht nur Entlastung und Sicherheit für die Beschäftigten bringt, sondern auch die Attraktivität der Chemieindustrie als Arbeitgeber steigert“, so Prause. Und Markus Hautmann, Bezirkschef der IGBCE, meinte schlicht: „Es wird zeit für Verbesserungen.“

Trillerpfeifen und rote Käppis

Das sahen am Mittwoch kurz vor zwölf Uhr auch die Arbeitnehmer so, die sich vorm SMP-Werkstor zur „Tarifpolitischen Mittagspause“ versammelt hatten und mit Trillerpfeifen, roten Käppis und Fahnen für Stimmung sorgten. Christian Hauber, Mitglied der Gewerkschaft in der Tarifkommission, bekräftigte die Forderungen der IGBCE und rief den Versammlungsteilnehmern zu: „Tarifverträge fallen nicht vom Himmel.“ Man müsse auch dafür kämpfen.

Forderungen

  • Zukunftskonto:

    Die Aktionen unter dem Motto „Es wird Zeit!“ gehen auf die zentrale Forderung der IG BCE in der aktuellen Tarifrunde ein – das persönliche Zukunftskonto in Höhe von 1000 Euro jährlich, die jeder Beschäftigte bei Bedarf auch in freie Tage umwandeln kann.

  • Zusatzversicherung:

    Neben dem Zukunftskonto fordert die IG BCE für die 580 000 Beschäftigten der Branche die Einrichtung der bundesweit ersten tariflichen Pflegezusatzversicherung, eine Qualifizierungsoffensive zur Begleitung des digitalen Wandels sowie eine spürbare und reale Erhöhung der Entgelte und Ausbildungsvergütungen.

Von einer schwindenden Macht der Gewerkschaften war zumindest an diesem Mittwoch in Schwaig nichts zu sehen. „Der Organaisationsgrad der Arbeitnehmer ist in Neustadt hoch“, sagt Marcel Prause von der IGBCE. „Wir liegen bei 70 Prozent. Bei den Auszubildenden haben wir eine deutlich bessere Quote, dort liegen wir bei 100 Prozent in Neustadt.“

4000 Mitarbeiter in der Chemieindustrie

Sorgen um die Zukunft des Industriebereichs hat der Gewerkschaftssekretär nicht. Traditionell verteilen sich die rund 4000 Mitarbeiter des Sektors in der Region Neustadt auf zwei Bereiche Chemie und Kunststoff. Damit ist die Gewerkschaft insbesondere für die Arbeitnehmer der Bayernoil Raffineriegesellschaft, LyondellBasell und Xervon sowie den Autozulieferer SMP zuständig. „Wir werden nicht so schnell vom Rohöl wegkommen“, sagt Marcel Prause.

Bei einer Kundgebung vor dem Werkstor des Autozulieferers SMP in Schwaig (Neustadt a.d. Donau) informierte die IGBCE am Mittwoch über die aktuelle Tarifrunde. Es sprachen Christian Hauber, Mitglied der Tarifkommission (links), und Markus Hautmann, IGBCE-Bezirkssekretär.
Bei einer Kundgebung vor dem Werkstor des Autozulieferers SMP in Schwaig (Neustadt a.d. Donau) informierte die IGBCE am Mittwoch über die aktuelle Tarifrunde. Es sprachen Christian Hauber, Mitglied der Tarifkommission (links), und Markus Hautmann, IGBCE-Bezirkssekretär.

Noch verdienen die Ölmultis ihr Geld zwar hauptsächlich im Verkehrssektor, aber die Branche hat ihre Alternative zum Kraftstoff schon gefunden. In keinem anderen Bereich steigt die Nachfrage nach dem schwarzen Gold so stark wie in der Kunststoffproduktion. Grund dafür ist der steigende Plastikkonsum der Weltbevölkerung. Schätzungen gehen davon aus, dass die Nachfrage nach Benzin und Diesel ab 2035 stagnieren wird, in der Petrochemie jedoch weiter steigen wird.

„Sehe eine positive Zukunft“

„Ich bin deshalb keineswegs pessimistisch, was die Zukunft des Chemiestandorts Neustadt - Münchsmünster angeht. Im Gegenteil, ich sehe weiter eine positive Zukunft“, sagt der Gewerkschaftsmann. Das gelte auch, obwohl der Umsatz der chemischen Industrie niedriger ist als im vorigen Jahr. Aktuell liege er der Umsatz aber noch höher als 2017. „Das ist doch keine Krise.“ Christian Hauber ergänzt: „Wir sind nicht mehr in der Situatuion wie in den letzten acht Jahren, aber wir sind noch lange nicht in einer Rezession.“

Positiv sieht Prause in der gegenwärtigen Lage auch die Investititionen, die die Bayernoil zuletzt in der Vohburger Raffinerie vorgenommen hat. Der Optimismus des Gewerkschaftssekretärs bezieht sich auch auf die Kunststoffindustrie und die damit verbundene Automobilzulieferindustrie.

Bei der Kundgebung vor dem Werkstor des Autozulieferers SMP in Schwaig informierte auch IGBCE-Sekretär Marcel Prause über die Tarifrunde. Er ist überzeugt, dass die wirtschlaftliche Lage der Chemieindustrie weitere Verbesserungen beim Gehalt zulässt,.
Bei der Kundgebung vor dem Werkstor des Autozulieferers SMP in Schwaig informierte auch IGBCE-Sekretär Marcel Prause über die Tarifrunde. Er ist überzeugt, dass die wirtschlaftliche Lage der Chemieindustrie weitere Verbesserungen beim Gehalt zulässt,.

In der Zuliefererbranche wird derzeit über Standortschließungen und Entlassungen nachgedacht. Für den Bereich Neustadt erwartet Prause keine Entlassungswelle. Gegenwärtig geht er davon aus, dass die Zahl der Arbeitsplätze konstant bleiben wird, was auch daran liegt, dass im Bereich Neustadt keine Motorenteile, sondern vor allem Innenverkleidungen, Kühl- und Klimaaggregate sowie Stoßfänger hergestellt werden. Die werden auch bei Fahrzeugen mit Elektroantrieben benötigt.

Aktuelles aus der Region und der Welt gibt es über den Facebook Messenger, Telegram und Notify direkt auf das Smartphone

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht