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Erstwähler

TV-Klassiker hilft mehr als YouTube

Kelheimer Schüler schildern, wie sie sich vor der ersten Stimmabgabe ihres Lebens informiert haben.
Von Emily Buchner

Auch am Donau-Gymnasium beteiligen sich Jugendliche an der bundesweiten „Juniorwahl“. Foto: Buchner
Auch am Donau-Gymnasium beteiligen sich Jugendliche an der bundesweiten „Juniorwahl“. Foto: Buchner

Kelheim. Kelheim. Seit Monaten prasselt politische Werbung in vielfältiger Form auf mich ein: meine Facebook-Timeline ist voll mit Posts der Parteien, und auch YouTube scheint nur noch die Wahl als Thema zu kennen. Daneben Wahlkampf-Plakate, Infostände, TV-Wahlkampfsendungen und die Berichterstattung in Zeitungen. Ich bin 18 Jahre und Erstwähler. Es ist schwierig, in diesen Wust an Informationen und verschiedensten Medien einen Weg und eine Partei zu finden, die zu einem passt. Ich habe bei Jugendlichen am Donau-Gymnasium nachgefragt: Welche Medien nutzen andere Erst-Wähler, die sich in derselben Situation befinden wie ich?

Laut Bundeszentrale für politische Bildung war von 1953 bis 2013 die Wahlbeteiligung jeweils bei den 21- bis unter 25-Jährigen am niedrigsten (seit der Bundestagswahl 1972 – also mit der Einführung des Wahlrechts ab 18 – gehört dazu auch die Gruppe der unter 21-Jährigen).

Werbung auf allen Kanälen

Unterschiedliche Kanäle sollen allen Wahlberechtigten ermöglichen, sich zu informieren: von den klassischen Printmedien bis zu Social Media wie Facebook, Twitter und Co., mit denen die Politiker vor allem die jungen Wähler erreichen wollen. Dafür wurde nun auch der Online-Video-Service YouTube als Wahlplattform genutzt. Die Spitzenkandidaten Angela Merkel (CSU) und Martin Schulz (SPD) stellten sich in separaten Videos den Fragen junger YouTube-Macher und ihrer Anhänger. Das komplette „#DeineWahl“-Video von Merkels Interview erreichte dabei nach aktuellem Stand knapp zwei Millionen, das Interview von Schulz knapp 1,7 Millionen Aufrufe. Bei den befragten Erstwählern fand das Format aber wenig Anklang.

Chantal Bannier
Chantal Bannier

„Ich gehe auf jeden Fall zur Wahl. Meine politische Richtung ist gefestigt, deshalb war für mich von vornherein klar, wen ich wähle. Trotzdem habe ich von verschiedenen Parteien die Wahlprogramme gelesen.“

Chantal Barnier, 18

„Ich habe mal kurz reingeschaut, um Informationen zu sammeln“, sagt zum Beispiel Nico Aigner zu den Videos. Er ist ebenfalls 18 und besucht das Donau-Gymnasium in Kelheim. Seine Mitschüler aus dem Geschichtskurs halten gerade die Juniorwahl für unter 18-Jährige. Dabei können Noch-Nicht-Wähler probehalber eine Stimme abgeben. Nicos Mitschüler fanden die Videos, die weit über eine Stunde dauerten, schlichtweg zu lang.

Lorenz Al Hayal
Lorenz Al Hayal

„Ich gehe auf jeden Fall zur Wahl; solang man eine Stimme hat, sollte man die nutzen. Nachdem ich verschiedene Informationen unter anderem aus den Wahlprogrammen zusammengesucht habe, wusste ich, wen ich wählen will.“

Lorenz Al Hayal, 18

Auch in anderen Bereichen wirkt die ‚moderne‘ Mediennutzung der Politiker erstaunlich wenig auf die Befragten: Auf Twitter, Instagram und Facebook folgt der Großteil der Befragten den Parteien nicht. „Viele Politiker sind relativ inaktiv auf diesen Kanälen. Nur wenige bieten auf Social Media viele Informationen“, sagt Nico Aigner.

Die „klassische“ TV-Debatte erreichte laut Spiegel Online eine Einschaltquote von 16,11 Millionen. Die war für die befragten Jungwähler interessanter als das YouTube-Format.

„Das wollte ich – unabhängig von meinen Eltern – selbst anschauen“, sagt Lisa Ruhland.

Filip Decker
Filip Decker

„Für die Bundestagswahl habe ich die Briefwahl angefordert. Bei mir hat es eine Zeit gedauert, bis ich wusste, wen ich wählen will. Ich habe dann viel im Internet recherchiert und die Wahlprogramme gelesen.“

Filip Decker, 18

Wahlprogramme sind ebenfalls ein altbewährtes Mittel der Politiker, um in Kontakt zu treten – und auch die sind für Jugendliche ein wichtiges Medium auf dem Weg zu ihrer Entscheidungsfindung. Filip Decker zum Beispiel war neugierig. „Ich habe viele Wahlprogramme durchgelesen, das hat mir geholfen.“

Eine weitere Entscheidungshilfe soll der sogenannte Wahl-O-Mat darstellen. Nach dem Beantworten bestimmter Thesen kann man die eigenen Antworten mit den Standpunkten der Parteien vergleichen. Wird diese Option von den Jungwählern genutzt – und wenn ja: hilft das? „Beim Wahl-O-Mat kommt ungefähr das raus, was zu einem passt; das ist schon eine gute Hilfe“, sagt Lisa Ruhland.

Junior-Wahl als Vorbereitung

Um schon unter 18-Jährige auf die Wahl vorzubereiten wird vom Deutschen Bundestag die sogenannte „Junior-Wahl“ gefördert. An der Junior-Wahl beteiligen sich dieses Jahr 3478 Schulen und ermöglichen damit ihren Schülern ab der siebten Klasse, ihre Stimme abzugeben. Zwar nehmen die unter 18-Jährigen auch damit nicht an der ‚richtigen‘ Wahl teil, die Jugendlichen werden aber dadurch angeregt, sich eine politische Meinung zu bilden. Das sagt auch Stefan Urbansky, verantwortlich für die Junior-Wahl am Donau-Gymnasium: „Man merkt: Die Schüler sind neugierig und nehmen das Angebot gerne an. Bis jetzt gab es keinen Schüler, der bei der Junior-Wahl nicht mit abstimmen wollte“.

Auch am Donau-Gymnasium beteiligen sich Jugendliche an der bundesweiten „Juniorwahl“. Foto: Buchner
Auch am Donau-Gymnasium beteiligen sich Jugendliche an der bundesweiten „Juniorwahl“. Foto: Buchner

Das Ergebnis der Junior-Wahl wird am Sonntag um 18 Uhr auf www.juniorwahl.de veröffentlicht.

Alle Jungwähler, mit denen ich heute gesprochen haben sagen unisono: Die Frage, ob sie wählen ist für sie keine – sie gehen auf alle Fälle. Am Sonntag stehe ich selbst zum ersten Mal in der Wahlkabine. Sich mit den Positionen der Parteien auseinander zu setzen hat Kraft gekostet. Aber es gehört dazu.

Anmerkung: Emily Buchner ist freie Mitarbeiterin unserer Redaktion. Sie hat sich bereit erklärt, ihre Sicht auf die Wahl darzustellen.

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