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Integrationsfirma

Unikate Made in Kelheims Altstadt

In St. Josef der Carida in der Kreisstadt gibt es jetzt auch eine Holzwerkstatt, die Altholz zu neuem Leben erweckt.
Von Elfi Bachmeier-Fausten

Ralf Neumann arbeitet an einem hölzernen Beistelltisch. Fotos: Bachmeier-Fausten
Ralf Neumann arbeitet an einem hölzernen Beistelltisch. Fotos: Bachmeier-Fausten

Kelheim.Es wird gesägt, gehämmert und geschliffen in einer Werkstatt in der Kelheimer Altstadt. Seit dem Spätherbst gibt es im Beschäftigungs- und Betreuungszentrum St. Josef der Caritas-Carida Kelheim gemeinnützigen GmbH in der Kreisstadt auch eine Holzwerkstatt. Das ist das fünfte Beschäftigungsangebot in dem Zentrum in der Kelheimer Altstadt, in dem an die 50 Personen (der bislang höchste Stand) im Alter von 18 Jahren bis 69 Jahren aus dem Landkreis in einem Zuverdienstangebot tätig sind. Dabei handle es sich um eine „niederschwellige Beschäftigung“, wie Tina Rosenhammer, Leiterin der Integrationsfirma Carida sagt.

„Aus Isolation herausholen“

Die Menschen müssten „kein großes Bewerbungsverfahren durchlaufen und die Arbeitszeiten werden individuell vereinbart, je nach Leistungsfähigkeit“. Die Beschäftigung sei „kein Arbeitsverhältnis“ und dürfe über das Rentenalter hinaus ausgeübt werden.

Tina Rosenhammer Foto: Bachmeier-Fausten
Tina Rosenhammer Foto: Bachmeier-Fausten

Als Zielsetzung nennt Tina Rosenhammer eine Tagesstrukturierung und dass sich die Personen mit ihren Fähigkeiten in das Arbeitsleben einbringen könnten und eine positive Rückmeldung bekämen. Es seien überwiegend Menschen mit psychischer Erkrankung, Suchterkrankungen und Behinderungen aller Art. „Die Leute kommen selber auf uns zu oder werden von Ärzten oder Krankenhäusern zu uns vermittelt.“ Die Menschen seien oft sehr lange aus dem Berufsleben. Ausgezahlt wird vom Beschäftigungs- und Betreuungszentrum laut Tina Rosenhammer eine „sogenannte Motivationszuwendung“. Früher seien es „450-Euro-Job-Verhältnisse“ gewesen. Der Bezirk Niederbayer als Förderer habe einen neuen Begriff finden müssen, „nachdem der Mindestlohn eingeführt wurde“. Die Motivationszuwendung belaufe sich auf drei bis vier Euro pro Stunde, im Außendienst auf 5,10 Euro. Tina Rosenhammer spricht von einem Taschengeld. Der Lebensunterhalt der Menschen „ist über andere Einkommen gedeckt“, wie zum Beispiel Rente, Arbeitslosengeld, Wohngeld, Sozialhilfe oder Familieneinkommen, so die Leiterin der Integrationsfirma Carida. Es gehe in der Einrichtung darum, „die Menschen aus der Isolation herauszuholen“. Wie Tina Rosenhammer erwähnt, sei die vom Bezirk Niederbayern gewährte Sach- und Personalkostenpauschale „bei weitem nicht kostendeckend ist“, sondern die bestehende Finanzlücke müsste selbst erwirtschaftet werden, damit das Projekt weiterhin bestehe. Ob Gast, Kunde oder Auftraggeber, jeder trage dazu bei, dass „das es das Angebot überhaupt gibt“.

Werkstattleiter Alois Hagl bei der Arbeit
Werkstattleiter Alois Hagl bei der Arbeit

Zur Carida gehören in Kelheim der Cari-Markt, ein Lebensmittel-Einkaufsmarkt, Carla Kelheim, ein Second-Hand-Kleiderladen, (auch in Abensberg gibt es einen Carla-Laden) und das Beschäftigungs- und Betreuungszentrum als größter Standort mit mittlerweile die Cantina & Co., einer kleinen Wäscherei, einem Montagebereich, einem Haus- und Gartenservice und einer Holzwerkstatt. Die Schaffung dieser Werkstatt „war uns als Team wichtig, weil Holz ein Stoff ist, der vielen zum Beschäftigen liegt“. Die Arbeitsgänge könnten nach unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden aufgebaut werden. Drei Personen seien dort beschäftigt, bedingt könnten es noch mehr sein, aber der Werkstattplatz „ist begrenzt“. Eine Erweiterung sei nicht möglich, „weil es in der Innenstadtlage es leider beengt ist“, so die Carida-Chefin.

Das kleine Holzlager
Das kleine Holzlager

Für die Holzwerkstatt sind auch Maschinen angeschafft worden. Davor ist im Hof ein kleines Holzlager mit Holzstämmen und Paletten. Es wird Altholz verarbeitet. „Aus der Not heraus“, weil man kein Budget habe, um groß Material einzukaufen, sagt Tina Rosenhammer. Und sie weist darauf hin, dass das alte Holz ja ansonsten weggeworfen würde. Das Team überlegt sich, „wie man aus nix, was machen kann“. Tina Rosenhammer gibt zu bedenken, dass so viel weggeworfen werde, aus dem aber „mit Kreativität und Einsatz wieder, was entstehen kann“.

Schreiner Alois Hagl und Elektromeister Sylvester Wittenzellner leiten die Werkstatt. Von Hochbetten bis Dekogegenständen wird dort aus Holz alles angefertigt. Alois Hagl und Ralf Neumann, der Bau-Zimmerer ist und seit mehreren Jahren im Beschäftigungszentrum ist, sind gerade in der 50 Quadratmeter großen Werkstatt tätig. Ralf Neumann arbeitet an einem Beistelltisch aus einer großen Wurzel und erklärt die Arbeitsschritte. Dem 49-Jährigen ist anzusehen, dass er mit Freude bei der Sache ist.

Alles wird verwertet

Es wird sorgsam mit den zur Verfügung stehenden Naturmaterialien umgegangen. Ralf Neumann zeigt hölzerne Teile, die für Schlüsselanhänger vorgesehen sind. „Von dem Stück werden Korkenzieher hergestellt“, sagt er. Eine Wurzel, die gezeigt wird, hat Alois Hagl in der Natur gefunden, „bei mir in der Heimat in Berchtesgaden in der Weißbachschlucht. Während weitergearbeitet wird, sagt Alois Hagl, Holz kann man immer brauchen. Also, wenn jemand der Carida-Werkstatt welches kostenlos überlassen möchte, kann er sich bei Alois Hagl unter der Telefonnummer (0 94 41) 177 94 16 gerne melden.

Es gibt auch noch weitere Überlegungen: Um eine Fahrrad-Reparaturwerkstatt beim Beschäftigungszentrum zu schaffen, fehlten momentan der Platz dafür und auch Personal. Wenn sich ehrenamtliche Helfer fänden, dann könnte während der Sommermonate im Hof repariert werden. Der Gedanke sei, alte Fahrräder für den Verkauf instandzusetzen, so tina Rosenhammer.

Über Ehrenamtliche man sich auch bei Carla im Verkauf und als Fahrer für Lieferungen.

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