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Glaube

Unkonventioneller Kirchenmann kommt an

Pfarrer Rainer Maria Schießler sprach vor einem vollen Haus im Berufsbildungswerk. Fans und Neugierige kamen.
Von Wolfgang Abeltshauser

Cathrin Jonas freute sich über ein Foto mit Rainer Maria Schießler. Foto: Abeltshauser
Cathrin Jonas freute sich über ein Foto mit Rainer Maria Schießler. Foto: Abeltshauser

Abensberg.Schon 45 Minuten bevor der Redner in der Kapelle des Berufsbildungswerkes (BBW) ans Mikrofon trat, saßen die meisten seiner Zuhörer schon auf ihren Plätzen. Sie wollten sich für den Vortrag von Pfarrer Rainer Maria Schießler die besten Plätze sichern. Letztendlich war das Gotteshaus voll, als der Münchner Priester, der nicht immer einhergeht mit der offiziellen Lehrmeinung der katholischen Kirche, zu sprechen begann. Wieder einmal hatten die Kloster-Säben-Freunde mit einem Redner auf das richtige Pferd gesetzt. Was auch die Spendensumme von 2500 Euro zeigt, die laut Vorstandsmitglied Ewald Retter eingesammelt wurde.

Endlich einmal live

Die Spannung des Publikums war beinahe zu greifen. Wobei da schon die Spanne von Neugierde bis Begeisterung reichte. Im Publikum saß unter vielen die 64-jährige Regina Heinzen. „Wir wissen bisher nichts von ihm, wir sind neugierig“, sagte sie zur Mittelbayerischen. Bisher hätten ihr Ehemann und sie sich mit den Aussagen des Pfarrers noch nicht auseinandergesetzt.

So könne er sich verheiratete Priester vorstellen. Das erklärte Schießler im Frühjahr in einer Fernsehsendung. In Abensberg kritisierte er den Umgang mit Geld. Warum benötige ein Pfarrer wie er eine 120 Quadratmeterwohnung? Das ginge auch eine Nummer kleiner. Da könne man schon Miete sparen.

Die Kapelle im BBW war voller Zuhörer. Foto: Abeltshauser
Die Kapelle im BBW war voller Zuhörer. Foto: Abeltshauser

Bernadette Betz sagte: „Mir gefällt, was er sagt“, betont die ebenso 64-jährige. Und das sei auch kein Widerspruch zur Tatsache, dass sie regelmäßig den Gottesdienst besucht. Bisher hätten sie und ihre Bekannten den Mann nur im Fernsehen verfolgen können. Es sei spannend, in mal live zu erleben.

Darauf hatte sich im Vorfeld auch Cathrin Jonas gefreut. Die 24-Jährige lebt derzeit im BBW, absolviert eine Ausbildung. Sie sei ein Fan von ihm „Ich mag ihn einfach als Mensch.“ Als sie erfahren habe, dass Schießler nach Abensberg komme, habe sie sich sofort eine Einlasskarte gesichert. Für sie war es ebenso die erste direkte Begegnung mit ihm. Und so reichte der jungen Frau sein Autogramm nicht aus. Sie wünschte sich ein Selfie – was sie auch bekam.

Krug und Eibl sind Fans von Schießler

Im Vorfeld hatte Retter erzählt, dass er die Verantwortlichen des BBW nicht lange habe überzeugen müssen, ihr Haus für den Gast zu öffnen. Kein Wunder: Einrichtungsleiter Walter Krug bezeichnet sich als Fan von Schießler. Genau so wie der Chef der Katholischen Jugendfürsorge, unter deren Dach sich das BBW befindet, Michael Eibl einer sei.

Erfolg

Notker Wolf lockte viele Gäste

Benefizveranstaltung der Kloster-Säben-Freunde bringt über 5000 Euro für den Konvent in den Südtiroler Bergen.

Krug habe mehrere Bücher des Priesters gelesen. Das sagte er zur Mittelbayerischen. Am Mikrofon erzählte er von seiner Zeit als Zivildienstleistender in München. Damals besuchte er in St. Max Gottesdienste. Das ist Schießlers Pfarrkirche. Die sei damals sehr leer gewesen. Das habe sich ja geändert. Krug stellte mit Blick auf Schießler fest: „Es gibt Priester, die mit Menschen umgehen können und sie wieder in die Kirche bringen.“

Der Angesprochene seinerseits zeigte sich beeindruckt von der BBW-Kapelle. Zum MZ-Reporter sagte er: „Mit so einfachen Mitteln kann man Gottes Werk vermitteln.“ Ihm gefielen die Transparenz, die vielen Fenster, die Licht in den Raum ließen. Hier eine Osternacht bei Sonnenaufgang zu feiern, müsse ein schönes Erlebnis sein.

Interessantes Geschenk

  • Mitbringsel:

    Stellvertretende Bürgermeisterin Gertraud Schretzlmeier drückte dem Gast ein kleines Buch über den berühmten Abensberger Sohn Aventin in die Hand.

  • Grund:

    Das Geschenke habe sie mit Bedacht ausgewählt. Denn auch der berühmte Historiker galt durchaus als Kritiker der katholischen Kirche. Da gebe es einen Berührungspunkt zu Rainer Maria Schießler. (wo)

Auch die Arbeit der Kloster-Säben-Freunde beeindrucke ihn. Denn sie würden den Nonnen konkrete Hilfe leisten. Lob gab es von ihm auch für den dort zuständigen Bischof. Der den Konvent auch unter schwierigen Bedingungen am Leben lasse und unterstütze.

Gemeinsame Zeiten mit dem Bischof

Lob für hochdekorierte Kirchenmänner gab es in seinem Vortrag eher nicht. Auch wenn die Theologie studiert hätten, seien sie deshalb nicht automatisch bessere Christen als die normalen Gläubigen. Mehrmals erzählte er – mit einem Augenzwinkern – über seine gemeinsame Studentenzeit mit dem derzeitigen Bischof von Regensburg Rudolf Voderholzer.

Gertraud Schretzlmeier schenkte dem Redner ein Büchlein über Aventin. Foto: Abeltshauser
Gertraud Schretzlmeier schenkte dem Redner ein Büchlein über Aventin. Foto: Abeltshauser

Ohne dessen Hilfe hätte er wohl nie seine erste Philosophieprüfung an der Uni überstanden. Außerdem habe der ihn animiert, Bücher zu schreiben. „Wir brauchen Menschen, die christliche Bücher schreiben“, habe er gesagt. Kurzerhand habe sich Schießler entschlossen: „Da mache ich mit.“ Ob Voderholzer das jetzt aber wirklich gefalle, da habe er seine Zweifel. Sagte er mit einem Schmunzeln. Klare Kritik am Klerus fehlte nicht: Viel zu lange habe es gedauert, bis die Einsicht gekommen sei, dass es sich beim Missbrauchsskandal um Gewaltdelikte gehandelt hat.

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