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Region Kelheim
Samstag, 22. September 2018 19° 3

Natur

Unterricht hautnah am Wasser

Bei dem Projekt „Fischer machen Schule“ tauchten die Viertklässler mit dem KFV Kelheim ein in die Welt der Wasserbewohner.
Von Renate Beck

Auf ging es zur Unterrichtsstunde in freier Natur an der Fischtreppe in Kelheim (Bild) und der Aufzuchtstation in Essing. Foto: Beck
Auf ging es zur Unterrichtsstunde in freier Natur an der Fischtreppe in Kelheim (Bild) und der Aufzuchtstation in Essing. Foto: Beck

Ihrlerstein.. Einen ungewöhnlichen Unterricht erlebte kürzlich die Klasse 4b der Jakob-Ihrler-Schule: Auf dem Stundenplan stand das Lehrplanthema „Wasser als Lebensraum für Tiere und Menschen“. Klassenleiterin Kathrin Zwirglmaier beschloss, daraus eine Outdoor-Veranstaltung zu machen. Mit ihr und Förderlehrerin Roswitha Meier machten sich die 18 Schülerinnen und Schüler per Bus auf zum Klassenzimmer in freier Natur.

Fischnachwuchs aus nächster Nähe  Foto: Beck
Fischnachwuchs aus nächster Nähe Foto: Beck

An der vereinseigenen Fischzuchtanlage in Altessing warteten bereits die Kreisfischereivereinsmitglieder Georg Reithmeier, Peter Bolz und Vorstand Manfred Beck mit Bürgermeister Josef Häckl auf die Ihrlersteiner Grundschüler. „Habt ihr schon mal was vom Lachs gehört?“ fragte Beck die in drei Gruppen aufgeteilte Runde. „Ja, der schmeckt sehr lecker“, lautete die blitzschnelle Antwort. Im Gegensatz zum Lachs ist die in den Essinger Aufzuchtsbecken schwimmende Forelle ein einheimischer Fisch.

Spektakuläres Schauspiel

„Kennt ihr den Unterschied zwischen einer Bachforelle und einer Regenbogenforelle?“ Nachdenklichen Gesichtern folgte ein Aha-Erlebnis. Peter Bolz forderte eine Gruppe auf, ihm auf den Steg übers Wasser zu folgen. Mit einem kräftigem Wurf verteilte er Fischfutter im Wasser. Begeistert verfolgten die Kinder, wie die Wasseroberfläche sprudelte.Junge Forellen hüpften an die Wasseroberfläche, um Futter zu erhaschen. Mit einem mehrfachen „Darf ich auch?“ schnellten Finger in die Höhe, um das spektakuläre Schauspiel mit eigenem Wurf zu wiederholen. Mit einer Polarisationsbrille auf der Nase erspähte Marie viele Fische, Pflanzen und Steine unter Wasser. „Mit ihr kann ich das viel besser sehen“, freute sie sich.

Was gibt es denn da zu entdecken?   Foto: Beck
Was gibt es denn da zu entdecken? Foto: Beck

Bolz erzählte den Schülern, dass es nicht nur schöne Zeiten für die Forellen gibt: „Bei Kormoran, Gänsesäger, Enten und auch den beiden hier lebenden Eisvogelfamilien stehen die kleinen Forellen auf dem Speiseplan.“ Habt ihr schon einmal einen Eisvogel gesehen?“ In der Zuchtanlage fühlen sich gleich zwei Eisvogelfamilien wohl. „Er hat durchaus seine Berechtigung hier, frisst aber auch bis zu 6000 Fische im Jahr.“

Zum Albaichen aus dem Wasser

Georg Reithmeier erklärte derweil der anderen Gruppe: „So, wie es die Natur vormacht, wollen wir hier die stärksten Fische haben.“ Sie werden zwar von ihm und seinen Helfern gefüttert, „aber nur so viel, dass sie nicht dick werden“. Reithmeier erklärte deren Verwandtschaft zum Lachs und die von einigen Vereinsmitgliedern geleistete Arbeit zur Vermehrung. „Bei uns brauchen sie nicht schwimmen. Wir tragen sie im Winter bei minus 10 Grad zum Ablaichen zu den Becken in der Hütte mit den Ei-Silos hinauf.“

Dort fällt den Schülern ein grüner langer Bürstenschlauch ins Auge. „Kann sich jemand vorstellen, was das ist?“ fragte Beck die aufmerksamen Schüler. „Treffer! Das ist eine Zanderlaichhilfe, die wir an der Schleuse Gronsdorf einsetzen“, erwiderte er einer wissenden jungen Dame. Dass frische Luft auch hungrig macht, merkten die aktiven Naturschüler bei der Busfahrt zum nächsten Natur-Klassenzimmer – der Fischtreppe hinter dem Volksfestplatz in Kelheim. Nach der Brotzeit konnten viele es kaum erwarten, in ihre mitgebrachten Gummistiefel zu schlüpfen.

Mit Kescher auf Krebssuche

Am Ufer sitzend hat es sich Anton Köglmeier mit seinen Angelutensilien bequem gemacht. Nein, diesmal wollte er nicht selber angeln, sondern seine Sportart den Schülern erklären. Er angelt, seit er klein ist. Zunächst mit seinem Papa, nach der Fischerprüfung selber. „Typisch für viele junge Angler wie ihn“, lächelte der Vereinschef.

Auch die Angel durften die Kinder ausprobieren.  Foto: Beck
Auch die Angel durften die Kinder ausprobieren. Foto: Beck

Anton erklärte, was „feedern“ ist; welche verschiedene Köder man wann benutzt und wie man mit Angel und Schwimmer umgeht. Geruchs- und Fühltest inklusive. Eine Made wanderte von flacher Hand zu Hand. „Die ist ja voll süß“, meinte eine Schülerin. „Die wird mal eine Biene – wenn sie nicht gefressen wird“, grinste Anton. Nach und nach ließ er die Schüler auch selber die Angel in das Wasser werfen.

Oben am Feldweg wartete Erwin Scheugenpflug auf eine Gruppe zum „Casting“. Mit der Angelrute in der Hand übten sie den Weitwurf auf die am Boden befindliche Zielscheibe. „Jeder hat drei Versuche“, verkündete Scheugenpflug. Weil’s so Spaß machte manchmal auch mehr.

Begeisterung bei den Kindern

An der vom Wasserwirtschaftsamt angelegten Fischtreppe wartete Brit Schirgl auf die Naturbegeisterten. „Um etwas im Wasser zu sehen, müsst ihr jetzt ganz ruhig sein. Die Fische spüren die Erschütterung“, ermahnte Brit Schirgl. Ausgerüstet mit Kescher, Sieb und Becherlupe wurde das Flusswasser untersucht. Begeistert entdeckten sie Egel, kleine Flusskrebse, Insektenlarven und kleine Muscheln. Einige der Viertklässler durften bereits ihren Vater, Onkel oder Opa zum Fischen begleiten; die vier Jungfischer unter ihnen kannten sich bereits bestens aus.

Spätestens an diesem Projekttag war das Interesse für die Welt unter Wasser geweckt. Durch viel eigenes Handeln durften die Schulklasse den Lebensraum der Wasserbewohner erkunden. „Uns vom Kreisfischereiverein Kelheim hat es sehr viel Spaß gemacht. Könnte Schule denn immer so sein?“ fragte Manfred Beck in die Runde. Die Antwort war eindeutig.

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