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Veranstaltung

Urahnen und fliegende Spione

Am Sonntag lädt das Bad Abbacher Archiv ein. Urgroßeltern eines Landeschefs und feindliche Tauben sind zu sehen.
Von Gabi Hueber-Lutz

Archivar Dr. Georg Köglmeier (links) und Dr. Hellmut Beckstein mit den Fotos der Urgroßeltern  Fotos: Gabi Hueber-Lutz
Archivar Dr. Georg Köglmeier (links) und Dr. Hellmut Beckstein mit den Fotos der Urgroßeltern Fotos: Gabi Hueber-Lutz

Bad Abbach.Wie darf man sich Spionage durch Brieftauben vorstellen? Archivar Dr. Georg Köglmeier und Dr. Hellmut Beckstein überlegen hin und her, in der Hand sehr gut erhaltene Fotografien der Großeltern von Dr. Beckstein. Die Bilder und die Tauben haben zwar nichts miteinander zu tun, lassen sich aber gut in verschiedene Themen historischer Betrachtungen einordnen. Eines der Themen wird am Sonntag im Archiv ausführlich beleuchtet.

Dr. Köglmeier hat zum Motto des „Tags der Archive“ Exponate ausgestellt, die zum Thema „Kommunikation – von der Depesche bis zum Tweet“ gehören.

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Eines der kuriosesten Fundstücke, die er bei der Ausstellung zeigt, dürfte die Geschichte mit den Brieftauben sein. Auch sie waren ein Kommunikationsmittel – in Zeiten des Krieges offensichtlich eines, das man genau im Auge behalten musste. Deshalb schrieb das Bezirksamt Kelheim am 17. August 1915 einen Brief an die Polizeibehörden mit dem Betreff „Spionage durch Brieftauben“.

Depeschen und Tweets

Das Volk durfte von derlei Gefahren aus dem Luftraum offensichtlich nichts erfahren, denn auf dem Dokument prangt handschriftlich ein großes „Geheim!“. Was war geschehen? Französische, belgische und holländische Brieftauben waren gefunden worden, die auf deutschem Gebiet nichts zu suchen hatten.

Dies lasse erkennen, „dass der Feind Brieftauben zur Spionage verwendet“. Also galt es, die Augen offenzuhalten und sofort zu berichten, wenn eine unangemeldete Brieftaube gesichtet wurde. Ein kleiner Ausschnitt aus der vielfältigen Geschichte der Kommunikation, der heute wohl eher schmunzeln lässt.

Offenes Archiv

  • Zeit:

    Das Bad Abbacher Archiv hat am Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Archivar Dr. Köglmeier präsentiert dann Archivalien rund um das Thema „Kommunikation – von der Depesche bis zum Tweet“.

  • Ort:

    Das Archiv befindet sich an der Schulbruck und enthält eine Fülle an Materialien zur Historie des Kernorts und der Ortsteile, aber auch Zeitzeugnisse wie Bilder Bad Abbacher Maler. (lhl)

Ein Mittel der Kommunikation waren zu dieser Zeit auch Anschläge. Das vergilbte Papier, auf dem in großen schwarzen Lettern „Mobilmachung“ steht, trägt in den Ecken noch die Spuren von reißnagelähnlichen Befestigungen. Das Dokument bedeutete für viele Bad Abbacher Männer, Abschied von der Heimat zu nehmen und auf Befehl Seiner Majestät, des Königs, in den Krieg zu ziehen. Der 2. August 1914 war der erste einer Reihe von Mobilmachungstagen.

Einer anderen Art von Rückschau können die Archivalien zugeordnet werden, mit denen der Bad Abbacher Dr. Hellmut Beckstein ins Archiv gekommen ist: sepia-braune Fotografien, die ernst und würdevoll blickende Menschen zeigen.

Auf den Fotos wird sichtbar, dass da keine schnelle Aufnahme gemacht wurde. Da hat man sich vorbereitet, in Schale geschmissen und ist zum Fotografen gefahren. Die beiden Menschen, die hier abgebildet sind, liegen schon lange unter der Erde.

Ein bekannter Urenkel

Es sind die Urgroßeltern von Dr. Hellmut Beckstein, seiner Schwester Hildegund und seines Bruders Günther, dem früheren Bayerischen Ministerpräsidenten. Die Bilder stammen schätzungsweise aus der Zeit um 1880, einer Zeit, in der man allmählich begann, solche Aufnahmen machen zu lassen. Sie stehen also am Anfang einer Linie, deren Ende im Moment das schnelle Foto mit dem Handy ist: Analog dem schnellen Tweet werden auch Bilder in Sekundenschnelle in die Welt geschickt. Genau solche Linien sind es, die Archivalien für Dr. Köglmeier interessant machen. Zeitdokumente aus Familienbesitz bekomme man sonst eher selten, berichtet er.

Weitere Berichte aus Bad Abbach finden Sie hier.

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