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Region Kelheim
Samstag, 23. Juni 2018 18° 3

Justiz

Verfahren überraschend eingestellt

Messerattacke in Kelheim: Der Prozess am Regensburger Landgericht gegen einen 22-Jährigen aus Kelheim fand unerwartetes Ende.
Von Marion von Boeselager

Abweichende Aussagen und unzureichende Ermittlungen führten am 19. Februar zu einem überraschenden Prozess-Ende. Foto: Bastian Winter
Abweichende Aussagen und unzureichende Ermittlungen führten am 19. Februar zu einem überraschenden Prozess-Ende. Foto: Bastian Winter

Kelheim.Er soll im August vergangenen Jahres zwei Fußgänger nach einem Besuch des Kelheimer Volksfestes mit einem Messer bedroht und Wertsachen von ihnen gefordert haben: Am Montag wurde das Verfahren gegen einen 22-jährigen Mann, der wegen versuchter räuberischer Erpressung vor dem Regensburger Landgericht stand, überraschend eingestellt.

Laut Anklage ging der Angeklagte in den frühen Morgenstunden auf zwei Männer los. Er habe ein Messer in Richtung der Opfer gezückt und „Gib’ mir dein Geld und dein Handy!“ gerufen. Einer der Geschädigten tätigte den Notruf. Der Angreifer flüchtete ohne Beute, konnte aber kurz darauf von der Polizei gefasst werden.

Der Angeklagte hatte zwar eine unangenehme Begegnung mit den Männern eingeräumt, aber bestritten, ein Messer dabei gehabt und Wertsachen gefordert zu haben. Die beiden Geschädigten blieben bei ihren Vorwürfen.

Am Montag sollten nun noch weitere Zeugen und ein Sachverständiger gehört werden. Doch die Vorsitzende Richterin Dr. Bettina Mielke erklärte überraschend, man habe diese wieder abgeladen. Denn die beiden Zeugen hätten bei der Polizei abweichende Angaben gemacht. Einer von ihnen habe etwa gegenüber den Beamten angegeben, die Worte „Geld“ oder „Handy“ seien bei dem angeblichen Überfall gar nicht gefallen.

Auch hatten die beiden jeweils 1,1 Promille im Blut und sprachen selbst nur unzureichend Deutsch. Dennoch hätten die vernehmenden Polizisten, so die Rüge der Kammer, bei der Vernehmung noch in der Tatnacht auf einen Dolmetscher verzichtet.

Auch die Nachvernehmungen der Kriminalpolizei seien nur telefonisch und ebenfalls ohne Dolmetscher erfolgt.

Somit könne der Nachweis einer versuchten schweren räuberischen Erpressung nicht geführt werden, sagte die Vorsitzende Richterin. Die Strafkammer sei zwar „überzeugt, dass der Angeklagte ein Messer mit sich führte.“

Doch sei nicht aufklärbar, was er damit wollte. In Hinblick auf ein noch anhängiges Verfahren vor dem Amtsgericht wegen eines Kopfstoßes im Bierzelt regte Dr. Mielke bei der Staatsanwältin die Einstellung des Verfahrens an, „da eine mögliche Verurteilung nicht sonderlich ins Gericht fallen würde“.

Abschließend gab die Vorsitzende Richterin dem wohl zum Aufbrausen neigenden Angeklagten noch den guten Rat mit: „Zügeln Sie künftig Ihr Temperament! Sonst wird es immer wieder Zusammenstöße geben.“ (mov)

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