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Region Kelheim
Mittwoch, 19. September 2018 28° 1

Kunstwettbewerb

Verspiegelte Blicke auf den Marienplatz

Ein Brunnen in Braupfannen-Form soll nach der Entscheidung der Jury neue Perspektiven auf Siegenburgs gute Stube werfen.
Von Karin Einsle

Dieses plastische Modell stellten die Sieger Moritz Schweikl und Sabine Ackstaller der Jury vor. Foto: Einsle
Dieses plastische Modell stellten die Sieger Moritz Schweikl und Sabine Ackstaller der Jury vor. Foto: Einsle

Siegenburg.Rund 40 Interessierte kamen zur Schlusspräsentation des Wettbewerbs „Kunst und Raum“ für die Neugestaltung des Marienplatzes in den Wittmannsaal. Sie bekamen die Vorschläge zu sehen, die fünf Teams aus Kunstschaffenden, Landschaftsarchitekten und Architekten eingereicht hatten. Auf den ersten Platz schaffte es das Duo Moritz Schweikl und Sabine Ackstaller mit der Idee eines verspiegelten Brunnens in einer Form, die an die traditionellen Brauerei-Sudpfannen erinnert.

Dieses plastische Modell stellten die Sieger Moritz Schweikl und Sabine Ackstaller der Jury vor. Foto: Einsle
Dieses plastische Modell stellten die Sieger Moritz Schweikl und Sabine Ackstaller der Jury vor. Foto: Einsle

Die beiden setzten den Brunnen auf einen gepflasterten Untergrund, auf dem rundum sprudelnde Wasserdüsen eingearbeitet sind – darauf könnten Kinder herumspringen. Der Brunnen steht im mittleren Bereich des Platzes auf einer Art Insel. Weitere solche Inseln werden mit schattenspendenden Bäumen und Sitzbänken zum lockeren Verweilen und Spielen ausgestattet, um die „Aufenthaltsqualität“ für Einheimische und Gäste zu steigern. Der Boden der Inseln ist gekiest, damit die Bäume genug Wasser bekommen. Die Inseln dienen auch als Schutz vor dem vorbeifließenden Verkehr. Der Brunnen soll gegenüber der Mariensäule auf dem Platz stehen.

Der Siegerentwurf, eingebettet in das Holzmodell der Züricher Studenten  Foto: Einsle
Der Siegerentwurf, eingebettet in das Holzmodell der Züricher Studenten Foto: Einsle

„Unser Vorschlag greift Elemente der Mariensäule auf, aber auch die Form eines Sudkessels“, schildern die beiden Künstler: „Durch die Hochglanzpolitur funktioniert der Brunnen wie ein Spiegel. Er gibt, dank seiner konkaven Wölbung, den kompletten Marktplatz als Panorama wieder, wie eine Fischaugen-Linse in der Fotografie.“ Es entstehe immer ein neuer Blick auf das, was gerade vor dem Kunstwerk stattfindet – „so lebt das Kunstwerk selbst!“

Moritz Schweikl und Sabine Ackstaller haben 2016 ihr Diplom an der Akademie für bildende Künste in München erworben und leben in Hüll bei Wolnzach. „Sicherlich müssten für die Ausführung noch Anpassungen bezüglich der städtebaulichen Einordnung vorgenommen werden. Wichtig aber ist für Siegenburg, dass ein schöner Ort hergestellt wird, der die Leute magnetisch anzieht!“ sagte Wolfgang Rossbauer, der Leiter der Lenkungsgruppe, die den Wettbewerb veranstaltet hat.

Künftig sollen Autos weniger prägend sein für  die „gute Stube“ der Marktgemeinde.
Künftig sollen Autos weniger prägend sein für die „gute Stube“ der Marktgemeinde.

Das Team „Auer Public + Rommel“ erntete Platz zwei für seinen Vorschlag einer stilisierten Hopfendolde aus Bronze. Das Team „Wurmer + Kiendl“ hat eine goldene Hopfenkrone entwickelt, die neben einem Kaskadenbrunnen steht. Das Team „Stadt Raum Planung + Kalkmann Kontakt-Kunst“ zeigte eingelassene Hopfendolden aus hellem Stein und Quellsteine, das Team „Link + Lorenz + Link“ stellte einen künstlichen Bachlauf vor, mit Findlingen und einer weibliche Skulptur im Wasser.

So geht es weiter

  • Ergebnis:

    Allen fünf teilnehmende Teams wurde noch am selben Abend von Bürgermeister Dr. Johann Bergermeier das Ergebnis bekannt gegeben.

  • Vorstellung:

    Der nächste Termin ist die Bürgerversammlung am 28. November um 19 Uhr beim Schofara. Bei diesem Termin wird Bergermeier alle fünf Entwürfe und die Entscheidung der Jury vorstellen.

  • Beschluss:

    In der darauffolgenden Marktgemeinderatssitzung, am 11. Dezember, wird der Marktrat das weitere Prozedere beschließen. (dek)

Alle fünf Vorschläge erhielten vom Ingenieurbüro Wöhrmann, das vorab Kosten und Machbarkeit überprüfte, grünes Licht: Sie bewegten sich in ähnlichem Kostenrahmen und wären technisch umsetzbar, erklärte Michael Wöhrmann. Mit im Publikum waren Architekt Frank Becker-Nickels, der in den letzten Jahren die Planung des Marienplatzes konzipiert hatte, sowie etliche Markträte, die drei Bürgermeister und Pfarrer Franz Becher.

Wolfgang Rossbauer Foto: Einsle
Wolfgang Rossbauer Foto: Einsle

„Der Brunnen wäre auch ein passendes Gegenüber zur Mariensäule.“

Wolfgang Roßbauer, Leiter der Lenkungsgruppe g

Wolfgang Rossbauer ist Architekt, Professor – und gebürtiger Biburger. Als Leiter der Lenkungsgruppe gefällt ihm der Siegerentwurf.

Was wollen Sie zusammen mit der Lenkungsgruppe erreichen, die Sie leiten?
Die Lenkungsgruppe hat sich sich die Belebung der Ortsmitte als Ziel gesetzt. Diesem Zweck diente auch der Wettbewerb.

Wie wertete die Jury?
Die Jury hat den 1. Rang an das Team Ackstaller & Schweikl vergeben, deren Kernidee ein verspiegelter Brunnen unter Bäumen ist.

Was ist das Besondere an diesem Entwurf?

Das Faszinierende daran ist, dass bei einer bestimmten Blickrichtung die Form des Brunnens selbst nahezu verschwindet und vielmehr das Äußere des Platzes widerspiegelt. So finden sich nicht nur die unterschiedlichen Jahreszeiten im Brunnen wieder, sondern auch der Marienplatz, der in seiner ganzen Breite im Kunstwerk abgebildet wird. Das Kunstwerk ist ein echter Eyecatcher und wird Leute aus Nah und Fern anziehen und im Alltag zu einem vielfältigen Ort der Begegnung werden! Einige Jurymitglieder konnten bereits Hochzeitsgäste und Touristen sehen, die sich zum Fotoshooting an den Brunnen stellen, um sich selbst verzerrt auf dem Platz zu sehen.

Wie passt der Brunnen zur Mariensäule?
Der Brunnen wäre auch ein passendes Gegenüber zur Mariensäule, die den Platz historisch dominiert. Die Säule wird dadurch nicht in Konkurrenz gesetzt, im Gegenteil: Das Kunstwerk nimmt sich selbst zurück und stellt durch die Spiegelung einen neuen Blick auf das Wahrzeichen von Siegenburg her.“

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