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Mobilfunk

Verzicht auf Süd-Antenne annehmbar

Nach der Sondersitzung zur Situation in Obereggersberg will sich der Riedenburger Stadtrat näher mit dem Kompromissvorschlag der Telekom beschäftigen.
Von Petra Kolbinger, MZ

  • Um die Präsentation der Untersuchungsergebnisse in Sachen Mobilfunk in Obereggersberg durch das Umweltinstitut München einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wurde die Stadtratssitzung am Dienstag vom Sitzungssaal im Rathaus in den Fuchsstadl verlegt. Foto: Kolbinger
  • Hinter dem markanten Treppengiebel soll die umstrittene Mobilfunkanlage installiert werden. Foto: Archiv

Riedenburg. Die Mobilfunkanlage unter dem Dach von Schloss Eggersberg lässt sich mit rechtlichen Mitteln nicht verhindern. Was bleibt, ist der Kompromissvorschlag der Telekom, auf die nach Süden ausgerichtete Antenne zu verzichten und nicht alle ursprünglich geplanten Funkdienste aufzubauen. Die Präsentation der Untersuchungsergebnisse zum Mobilfunk im Bereich Obereggersberg durch Hans Ulrich-Raithel und Rechtsanwalt Frank Sommer vom Umweltinstitut München standen im Mittelpunkt dieser Stadtratssitzung. Um dem breiten öffentlichen Interesse Rechnung zu tragen, fand diese im Fuchsstadl statt.

Die Präsentation des 32-seitigen Immissionsgutachtens zum Thema Mobilfunk im Bereich Obereggersberg, das vergleichende Untersuchungen einiger Varianten zum Inhalt hatte, barg wenig Überraschendes. Seit einigen Tagen steht das Gutachten auf der Homepage der Stadt zum Download bereit – ein Service, den, so schien es, die meisten genutzt haben. Auch Ortssprecher Christian Bauer war gründlich vorbereitet und stellte eine Reihe gezielter Fragen.

Der mit der Durchführung der Expertise befasste Hans Ulrich-Reithel antwortete, eine schriftliche Bestätigung, dass von der Mobilfunkanlage unter dem Dach des Schlosses Eggersberg keine gesundheitliche Gefährdung für die Anwohner ausgehe, sei ihm leider nicht möglich. Die gesetzlichen Grenzwerte würden den Ergebnissen der Berechnung zu Folge nicht überschritten. „Wir bieten Hilfe bei der Minimierung der Strahlenbelastung im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten an.“ Und dieser Rahmen erwies sich als äußerst eng gesteckt. Das Fazit des Gutachtens: zehn Varianten wurden überprüft, wobei sich deutliche Unterschiede hinsichtlich der Strahlenbelastung ergeben hätten.

Die Telekom habe die Versorgung des Schlosses als primäres Versorgungsziel benannt. Der im Gutachten mit „W01“ bezeichnete Standort unter dem Dach des Gebäudes könne zudem das angrenzende Altmühltal versorgen. Hier wandte Bauer richtig ein, dies gelte aber nur für Kunden der Telekom, nicht für die anderer Mobilfunkanbieter. Audi beispielsweise sei als Vodafone-Kunde auch künftig bei Tagungen im Hotel unterversorgt. Ulrich-Reithel bestätigte dies. Das Thema sei aber nicht Gegenstand der Untersuchung gewesen. Der Netzbetreiber schreibe aber jedem Anbieter seine eigene Systemtechnik vor; somit würde jeder sein eigenes Funksystem aufbauen. Eine künftig Entwicklung, die auch in Obereggersberg nicht auszuschließen sei.

Für den derzeitigen Standort W01 spreche auch die Tatsache, dass eine breitbandige Indoor-Versorgung des Schlosses über entfernter gelegene Mobilfunkstandorte wegen des massiven Mauerwerks des Schlosses deutlich schwieriger sei als bei herkömmlichen Wohnhäusern. Lediglich U06 im Bereich des Schlossgartens und der geplante Standort W01 unter dem Dach des Schlosses seien funktechnisch geeignet, wobei es sich bei W01 durch die Höhe bedingt, um den immissionsgünstigeren Standort handle.

Die Empfehlung lautete denn entsprechend: den Kompromiss der Telekom annehmen, der den Verzicht auf Inbetriebnahme des nach Süden ausgerichteten Sektors und die Beschränkung auf nur vier statt neun geplanter Funkdienste vorsieht.

Formulierung und Inhalt stießen auf wenig Gegenliebe, wie Reaktionen auch aus den Zuhörerreihen und einige erboste Kommentare belegten. Während Sommers Ausführungen zufolge rechtliche Möglichkeiten, die Anlage zu verhindern, praktisch nicht existent sind, steht der erwähnte Kompromissvorschlag, wie der anwesende Kommunalbeauftragte Mobilfunk Bayern der Deutschen Telekom, Erwin Walch, spontan bestätigte. Sinngemäß war seinen Worten zu entnehmen, dass die Schlossbesitzerfamilie Wenzl-Sylvester, in dieser Angelegenheit streng genommen seit Vertragsabschluss „nichts mehr mitzureden“ habe. Dies sei seit alleine Sache der Telekom. Schlossverwalter H.P.-M. Tassilo Wenzl-Sylvester hatte dereinst das Zustandekommen des Kompromisses an das sofortige Verschwinden der Protestplakate und die Aufgabe des Widerstandes in der Bevölkerung geknüpft.

Der Beschluss lautet: Mitte Februar werden Vertreter der Telekom, Vizebürgermeister Siegfried Lösch und Ortssprecher Christian Bauer sich an einen Tisch setzen und einen bis dahin von den Betroffenen formulierten Vertragsentwurf besprechen, der Details des Kompromisses regeln soll.

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