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Musik

Viele Register sind zu ziehen

Albert Anzinger hat sich als Pensionist entschieden, Geschäftsführer des Fördervereins Orgelmuseum Kelheim zu werde.
Von Elfi Bachmeier-Fausten

Geschäftsführer Albert Anzinger im Orgelmuseum in der Franziskanerkirche in Kelheim Foto: Bachmeier-Fausten
Geschäftsführer Albert Anzinger im Orgelmuseum in der Franziskanerkirche in Kelheim Foto: Bachmeier-Fausten

Kelheim.Herr Anzinger, wir sind in der Franziskanerkirche in Kelheim umgeben von historischen Orgeln. Sie sind im vergangenen Herbst zum Geschäftsführer des Fördervereins Orgelmuseum Franziskanerkirche gewählt worden. Hatten Sie in Ihrer Jugend bereits einen Kontakt zur Musik?

Nein, das hat sich später erst entwickelt, insbesondere zur klassischen Musik. Ich war 18 Jahre beruflich in München, unter anderem im Finanzministerium. Ich habe mich dann nach Kelheim versetzen lassen aus familiären Gründen. Wir hatten damals vier Kinder.

Haben Sie in der bayerischen Landeshauptstadt München das Konzertangebot genutzt?

Ja

Welche Musik von welchen Komponisten lieben Sie am meisten?

Bach, Dvorak, Mozart, Grieg, Smetana, und Rachmaninow

Die Kompositionen dieser Komponisten sind sehr unterschiedlich.

Ja, es passt nicht ganz zusammen. Aber die Vielfältigkeit macht‘s, die insbesondere Klassik zu bieten hat. Für mich ist klassische Musik Entspannung.

Spielen Sie selbst ein Instrument?

Nein, leider. Ich habe eines, ein Hackbrett, das mir meine Frau schenkte und nun selbst spielt. In meiner Jugend war‘s letztendlich auch eine finanzielle Frage im Elternhaus, dem Kind ein Instrument anzuschaffen und das Spielen erlernen zu lassen.

Ihr Wunschinstrument, das Sie gerne spielen würden?

Klavier

Wollen Sie sich den Wunsch noch erfüllen?

Albert Anzinger lacht auf die Frage und sagt dann: Ich glaube nimmer. Wobei ich jeden bewundere, der ein Instrument spielt. Ich glaube, dass man mit einer Neigung zum Perfektionismus bei dem Alter sein sich dann selbst gestecktes Ziel nicht mehr erreichen kann.

Die historischen Orgeln im Orgelmuseum in der Franziskanerkirche verleiten Sie nicht, sich zu entschließen, das Spielen eines Instrumentes zu erlernen?

Doch, sie verleiten mich zum Nachdenken, sich doch einmal an so einen Spieltisch zu setzen.

Ihre Lieblingsorgel im Museum?

Die Brucker Orgel, weil das ein ziemlich vielseitiges Instrument ist.

Wie kam es eigentlich dazu, dass Sie sich entschlossen haben, sich beim Förderverein Orgelmuseum zu engagieren?

Ich war früher über 30 Jahre ehrenamtlich tätig in der Kirchenverwaltung St. Pius. 2014 habe ich meine Ämter niedergelegt. Ich bin 2017 angesprochen worden, ob ich mir vorstellen könnte, die Nachfolge des langjährigen Geschäftsführers anzutreten. Ich habe mich nach langer Bedenkzeit, insbesondere auch im Hinblick darauf, dass ich mir sagte, ich möchte auch am gesellschaftlichen Leben wieder teilnehmen, entschieden, diese Position zu übernehmen.

Hat noch etwas Sie zu diesem Schritt bewogen?

Ein Grund dafür war auch, dass ich aufgrund eines heimatgeschichtlichen Interesses und meines musischen Interesses in diesem eigentlich schlichten Gebäude und den stimmgewaltigen Orgeln eine Kombination gefunden habe, die ähnlich wie die Unterschiede in meinem Musikinteresse zusammengefunden haben.

Sie sind ein gutes halbes Jahr im Amt als Geschäftsführer des Fördervereins Orgelmuseum Franziskanerkirche Kelheim. Was war in diesem Zeitraum das Schwierigste und was das Schönste?

Das Schwierigste war und ist die Aufgabenkonzentration auf eine Person, die Vielseitigkeit der Aufgaben und Probleme. Und es ist letztlich auch immer noch das Zusammensuchen von Wissen, Informationen und Erfahrungen. Erfreulich war, dass es bestimmte Personen gibt, die auch von sich aus Unterstützung anbieten. Was noch positiv war, ist das Kennenlernen von anderen Menschen und Mitarbeitern.

Was sind denn genau Ihre Aufgaben als Geschäftsführer des Fördervereins Orgelmuseum?

Das Personal, die Einstellung, die Verwaltung und Überwachung. Wir haben seit 1. April zwei neue Museumswarte. Dann Öffentlichkeitsarbeit, da gehört der Tourismus letztendlich auch dazu; die Hausverwaltung, soweit es nicht zum Aufgabenkreis der Kirchenverwaltung Maria Himmelfahrt gehört; rechtliche Probleme; die Organisation von Konzerten und von der Festveranstaltung – wobei mich ein paar Damen sehr unterstützen.

Das ist ja eine Aufgabenfülle. Wie viel Zeit investieren Sie ehrenamtlich?

Wenn ich die letzten sechs Monate betrachte, täglich auch sonntags, bis zu drei Stunden.

Wie viele festangestellte Mitarbeiter hat das Orgelmuseum?

Momentan zwei Festangestellte und circa zehn Ehrenamtliche.

Machen Ihnen die Aufgaben Freude?

Es gibt Momente, die bestätigen die Entscheidung, aber auch Momente, wo man sich ziemlich alleine fühlt.

Wie sieht‘s mit dem Temperierungsproblem in der Franziskanerkirche aus?

Für die Temperierung ist die Pfarrei Maria Himmelfahrt zuständig. Die vorhandene Temperierungsanlage ist kaputt. Wir haben momentan auch Schwierigkeiten, Gehör bei der Pfarrei zu finden, dass man das Ganze reparieren lässt. Wir haben das Ganze zurückgestellt, bis der neue Pfarrer kommt. Das Ganze soll in Absprache mit ihm gelöst werden. Wenn‘s nicht funktioniert, wird man nach eigenen Lösungen suchen müssen. Es geht um den Erhalt der Orgeln und allerdings auch des Gebäudes zur Vermeidung von weiteren Feuchtigkeitsschäden.

Wie ist das Interesse am Orgelmuseum?

2017 waren es rund 2800 zahlende Besucher. Wir wollen die Besucherzahlen ausbauen durch mehr Werbung, insbesondere auch durch mehr Busunternehmen, damit sie es in ihr Reiseprogramm mit aufnehmen, und ansprechen anderer Pfarreien. Was mir auch noch ein Anliegen ist, dass man mehr die Schulen einbindet. Wir können im Museum auch die Funktion einer Orgel aufzeigen. Da kann man sogar an Modellen spielen. Meine Überlegung ist auch, das Museum über Veranstaltungen – wir haben hier den Dreiklang Museum, Gotteshaus und Konzertraum – bekannter zu machen, in dem auch Konzerte angeboten werden, die nicht nur Orgeln als Basis haben. Das kann einmal ein Chorauftritt oder Bläsergruppen oder Stubenmusik sein. Ich will auch versuchen, eine Zusammenarbeit mit der Kirchenmusikschule Regensburg zu erreichen.

Was ist zum 25-jährigen Jubiläum geplant für die Öffentlichkeit?

Konzertveranstaltungen am 9. September mit Professor Klemens Schnorr (Orgel) und Hanna Staszewska (Horn und Orgel), am 7. Oktober ein Konzert im Rahmen der Kulturtage mit einer Schola aus Regensburg, am 14. Oktober ein Konzert mit der Chorgemeinschaft Rehling, am 25. November ein Herbstkonzert mit der Gruppe „Mia san Mia“, darüber hinaus nimmt das Orgelmuseum an KuKuK teil.

Wie wird das Jubiläum gefeiert?

Im Rahmen einer geschlossenen Veranstaltung mit Mitgliedern, ehrenamtlich Tätigen, Förderern und Unterstützern. Gründungsmitglied Dr. Sixtus Lampl gestaltet den Festtag – vom Festgottesdienst bis zur Vesper.

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