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Arbeit

Vielerorts „Betrüger am Werk“

Bei der Maikundgebung am Ludwigsplatz in Kelheim fand Gewerkschaftssekretär Christian Schlag deutliche Worte.

Mit Transparenten und Fahnen demonstrierten die Gewerkschafter am Ludwigsplatz für mehr Solidarität. Foto: Ipfelkofer
Mit Transparenten und Fahnen demonstrierten die Gewerkschafter am Ludwigsplatz für mehr Solidarität. Foto: Ipfelkofer

Kelheim. Mit Fahnen, Transparenten und Worten demonstrierten Gewerkschafter am 1. Mai auf dem Ludwigsplatz in Kelheim „für mehr Solidarität – zwischen den arbeitenden Menschen, den Generationen, Starken und Schwachen. Wir kämpfen für Vielfalt und Gerechtigkeit“, wie Redner Christian Schlag von der Gewerkschaft IG BCE am Mikrofon vor Gewerkschaftern, Vertretern der KAB und der Politik, vor Betriebs- und Personalräten sagte, „wir demonstrieren heute für die Würde und die Rechte der arbeitenden Menschen. Dafür gehen wir heute auf die Straße!“ Dies sei auch dringend nötig. Es gebe nach wie vor Zustände in der Arbeitswelt, die hier nicht hingehörten. Dazu zählte Schlag den Missbrauch von Leiharbeit und Werkverträgen, Niedriglöhne, willkürliche Befristungen und, die Umwandlung von Vollzeitstellen in Minijobs.

Christian Schlag kämpft für „Vielfalt und Gerechtigkeit“, links im Bild DGB-Kreisvorsitzender Willi Dürr, rechts Kelheims Bürgermeister Horst Hartmann. Foto: Ipfelkofer
Christian Schlag kämpft für „Vielfalt und Gerechtigkeit“, links im Bild DGB-Kreisvorsitzender Willi Dürr, rechts Kelheims Bürgermeister Horst Hartmann. Foto: Ipfelkofer

Prekäre Beschäftigung werde das genannt, sagte Schlag und präzisierte: „Wahr ist: In den meisten Fällen handelt es sich um Formen nackter Ausbeutung. Und prekäre Beschäftigung hat in den letzten Jahren beständig zugenommen.“ So sei beispielsweise der Anteil sogenannter atypischer Beschäftigung, im Landkreis Kelheim bis 2016 auf 39,4 Prozent aller abhängig Beschäftigten gestiegen.

Eine „bedrückende Realität“

Schlag: „Das macht in Summe, nur im Landkreis Kelheim, 17 575 atypisch Beschäftigte. Niedriglöhne, Minijobs, Leiharbeit, Befristungen und Werkverträge sind eine bedrückende Realität.“Durch die Verlagerung der unternehmerischen Risiken auf die Beschäftigten würden Löhne gedrückt, die Solidarität der Beschäftigten unterlaufen, die Mitbestimmung ausgehebelt und die Menschen gegeneinander ausgespielt. Bei der Leiharbeit habe es inzwischen Bewegung gegeben, trotzdem müsse die Gewerkschaft am Ball bleiben. Denn die Reform der Leiharbeit bleibe hinter den Erwartungen zurück.

Der flächendeckende Mindestlohn sei seit Anfang 2015 endlich Gesetz, allerdings gebe es, „diplomatisch ausgedrückt“, wie Schlag sagte, „seit Einführung Defizite bei der Umsetzung. Verstöße von Mindestlohnbetrügern seien noch immer an der Tagesordnung.

Schlag: „Es wird die Arbeitszeit reduziert, so dass der Lohn gleichbleibt, die Arbeit aber in weniger Zeit geschafft werden muss. Es werden Zuschläge und Sonderzahlungen in den Grundlohn eingerechnet. Es werden Urlaubstage reduziert. Aus Arbeitsverhältnissen werden Praktika. Es werden Bereitschaftszeiten nicht mehr bezahlt.Es werden Gutscheine für Solarien oder fürs Kino statt Mindestlohn ausgegeben. Die Kreativität dieser Betrüger ist schier unerschöpflich und leider auch unsäglich.“

„Nur immer zur Hälfte“

DGB-Ortsvorsitzenden Hans Kleehaupt hatte sich in seiner Begrüßung erfreut gezeigt, dass heuer mehr Teilnehmer als im vergangenen Jahr gekommen waren. In seiner Auftaktrede ging er auf die Gesundheitssituation ein, kritisierte unter anderem die Gesundheitspolitik. „In den Krankenhäusern wurde der Anstieg der allgemeinen Preissteigerung nicht wie bei den Abgeordneten automatisch übernommen, sondern im Gegenteil nur immer zu Hälfte ersetzt“, so Kleehaupt. Aber anscheinend sei in unserm Land für alles Geld da, nur nicht für die Gesundheitswesen und die Versorgung alter kranker Bürger. „Da braucht sich keiner zu wundern wenn die Wähler zu radikalen Parteien überlaufen“, so Kleehaupts Bilanz.

Er dankte dem Hauptredner für seine „klaren Worte“ ehe die Teilnehmer unter den Klängen der Vielharmonie zum Weißen Brauhaus gingen, um dort den 1. Mai ausklingen zu lassen.

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