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Bürgermeisterwahl

Virus beschert Stichwahl mit Hürden

Corona beschert der neuen Riedenburger Geschäftsleiterin Kristina Heil eine denkwürdige Kommunalwahl-Premiere
Von Martina Hutzler

Ein Brief-Berg an Arbeit wartet nächsten Sonntag nochmal auf die 30 Wahlhelferinnen und -helfer, die in der Riedenburger Volksschule die Bürgermeister-Stichwahl auszählen. Foto: Sven Hoppe/dpa
Ein Brief-Berg an Arbeit wartet nächsten Sonntag nochmal auf die 30 Wahlhelferinnen und -helfer, die in der Riedenburger Volksschule die Bürgermeister-Stichwahl auszählen. Foto: Sven Hoppe/dpa

Riedenburg.Für manche Herausforderung hatte sich Kristina Heil ja innerlich gewappnet – aber dass „ihre“ erste Kommunalwahl und vor allem jetzt Stichwahl unter solch denkwürdigen Umständen stattfindet: damit hat die neue Geschäftsleiterin am Riedenburger Rathaus nun wirklich nicht gerechnet.

„Alle Unterlagen draußen“, berichtet sie zu Wochenbeginn im MZ-Gespräch, mit deutlicher Erleichterung in der Stimme. Kein Wunder, denn das Organisieren der Brief-Stichwahl am Sonntag, 29. März, war ein hürdenreicher Wettlauf mit der Zeit.

Virus torpediert Vorsorge

In „normalen“ Zeiten wäre man am Riedenburger Rathaus ganz gut gewappnet gewesen: 2500 Briefwahl-Unterlagen für eine mögliche Stichwahl ums Amt des Bürgermeisters waren bei der Druckerei vorsorglich vorbestellt. Die nun tatsächlich anstehende zweite Runde – zwischen Amtsinhaber Siegfried Lösch und seinem Herausforderer Thomas Zehetbauer – wäre also kein Problem. Wäre da nicht Corona und, in der Folge, die Vorgabe, dass in ganz Bayern nächsten Sonntag ausschließlich per Brief gewählt wird.

Stichwahl

Virtuelle Wahlkampfbühne hat auch Tücken

In Riedenburg nutzen die Bürgermeister-Anwärter Siegfried Lösch und Thomas Zehetbauer digitale Kanäle – und beäugen sich.

Denn während die vorbestellten Briefwahl-Unterlagen schon vorige Woche versandt werden konnten, fehlten nun noch rund 2500 weitere – „die haben wir erst Freitagmittag bekommen“, schildert Kristina Heil. Beim Auspacken wartete die nächste unliebsame Überraschung.

Druckerei unter Druck

Angesichts der Auftragsflut schaffte es die Druckerei nicht mehr, auch die Briefkuverts zu bedrucken. „Um fünf vor zwölf“ organisierte Heil dies ersatzweise noch bei einer Abensberger Druckerei. Weshalb es nun von den Kuverts optisch zwei Varianten gibt. Das geht indes vielen Kommunen so; das Innenministerium hat laut Heil bereits klargestellt, dass dies wahlrechtlich kein Problem ist. „Und bei den Stimmzetteln selbst gibt es sowieso keinen Unterschied“, ergänzt die Verwaltungsleiterin.

Eintüten in Nachtschicht

Sie trommelte am Freitag im Rathaus Freiwillige für eine Nachtschicht zusammen – gleich 15 halfen, die Unterlagen in die druckfrischen Kuverts einzutüten. Dieser und überhaupt der Einsatz aller Riedenburger Wahlhelfer dieser denkwürdigen Kommunalwahlen sei großartig, bilanziert die aus Neustadt stammende Geschäftsleiterin dankbar.

Am Samstag der nächste Tiefschlag: Die Postfiliale hatte corona-bedingt zu. „Mit Hängen und Würgen haben wir die Unterlagen dann am Montag rausgebracht“.

Ein Brief-Berg an Arbeit wartet nächsten Sonntag nochmal auf die 30 Wahlhelferinnen und -helfer, die in der Riedenburger Volksschule die Bürgermeister-Stichwahl auszählen. Foto: Sven Hoppe/dpa
Ein Brief-Berg an Arbeit wartet nächsten Sonntag nochmal auf die 30 Wahlhelferinnen und -helfer, die in der Riedenburger Volksschule die Bürgermeister-Stichwahl auszählen. Foto: Sven Hoppe/dpa

Mittlerweile organisiert Heil die Auszählung, aufgeteilt in sechs Briefwahlbezirke à sechs Volksschul-Klassenzimmern. Nur fünf Helfer pro Bezirk zählen, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren. Handschuhe sind Standard, und es werden die letzten Vorräte an Desinfektionsmittel zusammengekratzt – Nachschub ist derzeit nicht zu bekommen. Wenn jetzt nicht nochmal Ungeplantes die Pläne durchkreuzt, sollte am Sonntag gegen 20 Uhr feststehen, wer künftig Riedenburgs Bürgermeister ist, hofft Kristina Heil.

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