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Polit-Brunch

Vom „Worldcafé“ in die Wahlkabine

Gleichstellungsbeauftragte und Frauenbund wollen am 10. März in Kelheim die wahlmüden Geschlechtsgenossinnen mobilisieren.
Von Martina Hutzler

Wählen gehen, das lässt sich mit Beruf und Familie ja noch vereinbaren. Aber aktiv in die Politik einsteigen? Davor scheuen sich gerade jüngere Frauen noch zu oft, bedauern die Organisatorinnen der Aktion „Damenwahl“. Foto: Bernd Weißbrod/ dpa
Wählen gehen, das lässt sich mit Beruf und Familie ja noch vereinbaren. Aber aktiv in die Politik einsteigen? Davor scheuen sich gerade jüngere Frauen noch zu oft, bedauern die Organisatorinnen der Aktion „Damenwahl“. Foto: Bernd Weißbrod/ dpa

Kelheim.Frauen fürs Podium finden, und auch noch solche, die nicht sämtlichen Männern den Rede-Vortritt lassen: Nein, einfach ist es für Veranstalter nicht, dem weiblichen Geschlecht auf der Politbühne Gehör zu verschaffen. Die Aktion „Damenwahl“ umgeht das Problem lieber: Der „Frauenpolitische Dialog“ zur Landtagswahl am 10. März ist ein Dialog für Frauen und (nur) mit Frauen. Den Organisatorinnen bereitet die wachsende Wahl- und Politikmüdigkeit gerade von Frauen Sorgen – 100 Jahre nach Einführung des Frauen-Wahlrechts.

Das Henne-Ei-Problem

Die Landtagswahlen stehen am 14. Oktober an; danach starten die Parteien bald in die personalintensive Vorarbeit für die Kommunalwahlen im März 2020. Die beste Zeit also, Kelheims Frauen nicht nur Lust aufs Wählen, sondern auch auf eine eigene Kandidatur zu machen, findet das Damenwahl-Team, also Kreis-Gleichstellungsbeauftragte Gabi Schmid sowie Elisabeth Lammel-Kargl und Anneliese Röhrl von der Frauenbund-Kommission „Gesellschaft und Politik“. Denn sonst scheitert die politische Frauenpower weiter am Henne-Ei-Problem, fürchtet Elisabeth Lammel-Kargl.

Organisieren die „Damenwahl: (v.li. Anneliese Röhrl, Gabi Schmid, Elisabeth Lammel-Kargl Foto: Hutzler
Organisieren die „Damenwahl: (v.li. Anneliese Röhrl, Gabi Schmid, Elisabeth Lammel-Kargl Foto: Hutzler

Ob Stadtrat oder Landtag – in den Volksvertretungen dominieren bislang nach wie die Männer. Was bei vielen Frauen die Reaktion auslöst, „da mitarbeiten – bloß nicht!“ Was mithin die Gremien weiterhin Männerbiotope bleiben lässt. Meist ohne dass es die Herrenrunde aktiv drauf anlegen würde, gesteht Gabi Schmid gerne zu, zumindest für die kommunale Ebene: Weil auf den Listen meist eh Frauenmangel herrscht, bekommen Interessentinnen zwar selten Steine in den Kandidatur-Weg gelegt. „Aber wenn sich keine Frau aufdrängt, wird das hingenommen“, sagt Elisabeth Lammel-Kargl. Aus ihrer Sicht ein Argument pro Frauen-Quote für Parteien.

Wählen gehen, das lässt sich mit Beruf und Familie ja noch vereinbaren. Aber aktiv in die Politik einsteigen? Davor scheuen sich gerade jüngere Frauen noch zu oft, bedauern die Organisatorinnen der Aktion „Damenwahl“. Foto: Bernd Weißbrod/ dpa
Wählen gehen, das lässt sich mit Beruf und Familie ja noch vereinbaren. Aber aktiv in die Politik einsteigen? Davor scheuen sich gerade jüngere Frauen noch zu oft, bedauern die Organisatorinnen der Aktion „Damenwahl“. Foto: Bernd Weißbrod/ dpa

Doch auch die Quote hilft nichts, wenn – gerade jüngere – Frauen von sich aus abwinken. Meist sind ja doch sie es, die – neben dem Beruf – mehr Zeit in die Familie investieren als „er“, gibt Anneliese Röhrl zu bedenken. Hinderlich freilich ist schon auch der innere Schweinehund: „Mal ehrlich – es ist zeitaufwendig, sich zu engagieren, zu informieren“, um in der Politdebatte mitreden zu können, sagt Gabi Schmid und erntet wissendes Nicken. Aber die Politik, gerade vor Ort, gehört für sie einfach zu den Feldern, in denn frau sich ehrenamtlich betätigen sollte, bekräftigt die Mitarbeiterin des „Zentrums für Chancengleichheit“ am Kelheimer Landratsamt.

Entsprechende Impulse soll am 10. März Professor Dr. Ursula Münch geben, Politikwissenschaftlerin und Direktorin der Akademie für Politische Bildung Tutzing. Nach ihrem Referat bitten die Organisatorinnen, statt zur eher ermüdenden „klassischen“ Podiumsdiskussion, in das „World-Café“.

Bei dieser Methode verteilen sich die Veranstaltungsbesucherinnen auf vier Gruppen, denen je eine Politikerin Rede und Antwort steht: je zwei Landtags- und zwei Bezirkstags-Kandidatinnen; je zwei, die schon ein Mandat haben und zwei, die sich erstmals drum bewerben. Sie kurbeln in der Gruppe die Diskussion an, indem sie zum Beispiel ihre tollsten Erfahrungen und bittersten Niederlagen schildern, das, was ihnen geholfen und was sie gehindert hat auf dem Weg zur Kandidatur.

Diskussion mal vier
Nach einem Viertel der Zeit – insgesamt anderthalb Stunden – wechseln die Teilnehmerinnen in die nächste Gruppe. Was dann noch ungeklärt blieb, lässt sich im Plausch beim finalen Brunch klären.

Denn „was zum Essen“ steigert einfach die Attraktivität solcher Veranstaltungen, erklärt Gabi Schmid trocken – ein vermutlich geschlechts-unabhängiger Aspekt. Nachprüfen lässt sich das an diesem Samstag, 10. März, indes nicht: Es wird eine Veranstaltung rein für Frauen. Mit dem Gleichstellungsgedanken sei das durchaus zu vereinbaren, findet Gabi Schmid. Schließlich gehe es darum, jeweils diejenige Landkreis-Bevölkerungshälfte zu fördern, die in einem Bereich deutlich unterrepräsentiert ist. Und das wird in der Politik keiner bestreiten…

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