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Auftritt

Vom Zirkus zum „edlen Indianer“

Beim Trommelevent in Bad Gögging tritt J. Reuben Silverbird als „edler Indianer“ auf. Wer ist er wirklich?
Von Jochen Dannenberg

J. Reuben Silverbird gibt Bücher und CDs heraus und spricht gern über den Frieden auf der Welt.
J. Reuben Silverbird gibt Bücher und CDs heraus und spricht gern über den Frieden auf der Welt. Foto: Grüner

Bad Gögging. Der Kurort war in seinem kulturellen Programm bisher vor allem für leichte Kost bekannt. Wolga Kosaken, Don Kosaken, Opern- und Musicalsänger, Bauerntheater und so mancher Kabarettist sorgte in den vergangenen Jahren für die Unterhaltung der Kurgäste. Jetzt ist jedoch ein „Trommelevent mit Künstler- und Handwerkermarkt“ im und am Kurhaus in Bad Gögging angekündigt, zu dem neben 500 Trommlern als „Stargast und Schirmherr der Veranstaltung“ J. Reuben Silverbird angekündigt ist.

Er wird von Veranstalter Norbert Grüner als „führender Lehrer der Native-American-Spiritualität“ und Sohn eines weisen Mannes der Nedhni Apachen und einer Cherokee Medizinfrau genannt. „Er ist zudem Friedensbotschafter und ausgebildeter Musiker, Sänger und Darsteller. Reuben verkörpert den ’edlen Indianer‘ und spricht dadurch auch die Kinderseelen in uns an“, teilt Norbert Grüner mit.

Wobei anzumerken ist, dass J. Reuben Silverbird vielleicht nicht immer nur als Oberindianer für den Frieden auf der Welt gekämpft hat. Im Internet findet sich unter www.psiram.com/ge/index.php/J._Reuben_Silverbird eine Homepage, die auf eine äußerst irdische Vergangenheit hinweist. Danach war J. Reuben Silverbird einst vermutlich als Ruben Ortiz unterwegs. Ab Ende der 1940er bis Ende der 1960er Jahre bildete er mit einem Bruder und einer Schwester das „Ortiz Trio“. Später gründete er die Band „The Coronados“, die Band etablierte sich auf dem Latino-Musikmarkt. Ab ungefähr 1970 hatte er eine weitere Band, „The Silverbirds“, die ebenfalls aus Familienmitgliedern bestand und auf den entstehenden Markt indigener Musik sowie Musik mit indigenen Texten abzielte.

Auf J. Reuben Silverbirds Homepage findet sich zu den Bands kein Hinweis. Hier heißt es immerhin, dass der Meister Gitarre, Flöte und Schlagzeug spielt. Auf der Bühne, im Film und Fernsehen habe er mit Stars wie Diana Ross und Eartha Kitt gestanden. Leider haben die Angaben zur Biografie einige Mängel. So fehlen beispielsweise Jahresangaben und Belege. Unklar bleibt auch, wie aus dem kleinen Jungen, der nach eigenen Angaben bereits mit sechs Jahren auf der Bühne stand, ein hauptberuflicher Indianer und Friedensbotschafter wurde.

Norbert Grüner sagt, er habe J. Reuben Silverbird nach seiner Vergangenheit gefragt. Sein Stargast habe ihm versichert, dass seine Eltern indianischer Abstammung seien und am Broadway in New York gearbeitet hätten. In Silverbirds Biografie heißt es dazu, er sei Sohn eines Nedhni Apache Wise Man und einer Cherokee Ärztin. Wo Silverbird heute lebt, scheint nicht ganz klar zu sein. „Ich glaube, sein Hauptwohnsitz ist in Wien“, sagt der Kelheimer Veranstalter.

Möglicherweise ist die Geschichte von den edlen Indianern, von denen J. Reuben Silverbird angeblich abstammt, nur eine Legende. Nach dem Beitrag im Internet waren Ortiz Eltern nämlich „mexikanische Staatsbürger, die zunächst überwiegend in Mexiko lebten und einen kleinen Familienzirkus bzw. ein reisendes Varieté betrieben, mit dem sie in der Saison im Süden der USA tourten und vorwiegend in Texas und New Mexico auftraten“.

Eventuell hat Ruben Ortiz alias J. Reuben Silverbird in jenen Jahren gelernt, worauf es im Leben oft ankommt: Die Illusion muss stimmen. Nicht nur im Show-Business. Und so nutzte er vielleicht die Umsiedlung von den USA nach Europa, um sich als Indianer mit Heilsbotschaft zu verkaufen. Silverbird tritt nicht nur als Redner (in Bad Gögging für 30 Euro Eintritt, für die übrige Veranstaltung ist der Eintritt frei) auf, er bietet übers Internet auch Bücher, CDs und Seminare an.

Damit kommt Silverbird in der Welt herum. So war er in Australien, aber auch in Norwegen „auf Tournee“ und er hat unter anderem Kontakte zu Sekten wie der Vereinigungskirche („Moonies“), die einst in Europa vor allem für ihre Massenhochzeiten bekannt wurde.

Lebensläufe wie die von Ruben Ortiz alias J. Reuben Silverbird sind übrigens gar nicht einmal selten. Vor allem ältere Mitbürger erinnern sich noch an den früheren Schlagersänger Christian Anders, der einst als Schlagersänger mit dem Hit „Es fährt ein Zug nach nirgendwo“ die Hitparaden stürmte und der sich später unter dem Namen Lanoo als Autor esoterischer und verschwörungstheoretischer Bücher in Erinnerung brachte. Jüngeren Bürgern dürfte zuletzt auch der Wandel des Sängers Xavier Naidoo aufgefallen sein. Er trat unlängst auch bei den deutschnationalen „Reichsbürgern“, in der Verschwörungstheoretiker, Rechtsextreme und andere Wahnhafte sich als staatenlos deklarieren und die Rechtmäßigkeit der Bundesrepublik anzweifeln, auf.

Wie auch immer, das Interesse für das Trommelevent und den Auftritt von J. Reuben Silverbird in Bad Gögging ist groß. Die Nachfrage nach Eintrittskarten für den Auftritt des Indianers soll jedenfalls gut sein.

Trommelevent mit Künstlermarkt

  • Veranstaltung:

    Am 27. und 28. Juni wird ein Trommelevent mit Künstler- und Handwerkermarkt im und am Kurhaus Bad Gögging geboten. Das „Internationale Trommelevent“ steht im Zeichen von Mensch, Gesundheit, Ökologie, Spiritualität und Freude, teilt der Veranstalter mit.

  • Programm:

    „Am frühen Nachmittag bis in den Abend des Samstags findet ein europaweit einmaliges Spektakel statt: Trommeln zum Herzschlag der Mutter Erde“, wird mitgeteilt. Außerdem gibt es einen Handwerker- und Künstlermarkt sowie Vorträge, Country-/Linedance-Musik und Workshops.

  • Entwicklung:

    Was als kleine Idee des Veranstalters Norbert Grüner aus Kelheim und einigen Gleichgesinnten begann, mobilisiert nun Schamanen, Trommler und Heiler aus ganz Europa. Etwa 500 Trommler werden mit indianischen und afrikanischen Trommeln gemeinsam „zum Herzschlag der Erde für die Heilung der Mutter Erde trommeln“ erwartet. Der Eintritt ist frei.

  • Karten:

    Stargast und Schirmherr ist J. Reuben Silverbird. Er verkörpert den „edlen Indianer“. Am Samstag ab 19.30 Uhr wird er im Kurhaus auftreten. Eintritt: 30 Euro pro Person, 15 Euro für Kinder bis 12 Jahre; Kartenvorverkauf: Tourist-Information Bad Gögging. Die Öffnungszeiten des Marktes sind Samstag, 27. Juni, 10 bis 22 Uhr sowie Sonntag, 28. Juni, 10 bis 17 Uhr.

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