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Wahlporträt

Wahlkämpfer Unfried will mehr Rot sehen

Der Landshuter Harald Unfried kandidiert in Kelheim für die SPD. „Zurück zu den Wurzeln“, fordert er von seinen Genossen.
Von Martina Hutzler

Höhen und Tiefen bei seiner SPD ist Harald Unfried gewohnt. Aber jetzt sieht der Kelheimer Direktkandidat schwarz für die Sozialdemokratie, falls sie sich nicht auf ihren roten „Markenkern“ besinnt. Foto: Heike S. Heindl
Höhen und Tiefen bei seiner SPD ist Harald Unfried gewohnt. Aber jetzt sieht der Kelheimer Direktkandidat schwarz für die Sozialdemokratie, falls sie sich nicht auf ihren roten „Markenkern“ besinnt. Foto: Heike S. Heindl

Kelheim. Nach zwei Bewerbungen für Berlin jetzt eine für München – ist Harald Unfried die Allzweckwaffe der SPD? „Ein bissl schon“, antwortet der Landshuter. Dass er im Kreis Kelheim antritt, weil es den hiesigen Genossen an Eigengewächsen fehlt, weist er indes zurück. Aber so eine Kandidatur, weil zeitaufwändig, „muss halt in die Lebensplanung passen“. Bei ihm passt es grad, und eine dringende politische Mission hat der 54-Jährige auch: zurück zu den Wurzeln der Sozialdemokratie, zur Sozialpolitik. Sonst, fürchtet er, könnte die Zeit der Volkspartei SPD bald vorbei sein. Dem will er im wahrsten Wortsinn vorbauen.

„Wir brauchen mindestens 5000 bezahlbare Wohnungen jährlich neu, sonst ist in zehn Jahren die Katastrophe vorprogrammiert.“

„Soziale Wohnungsbau wird, neben der Bildungspolitik, der Schwerpunkt“, sagt Harald Unfried. Er meint damit nicht nur seinen Wahlkampf, sondern das, was er für die „ allerwichtigste sozialpolitische Aufgabe in Bayern“ hält. Mindestens 5000 bezahlbare Wohnungen jährlich müssten neu her, „sonst ist in zehn Jahren die Katastrophe vorprogrammiert“.

Harald Unfried (4. v. li.) will im Landtag die Nachfolge von Johanna Werner-Muggendorfer antreten. Der Landshuter wurde in Saal vom SPD-Unterbezirk Kelheim als Direktkandidat nominiert. Foto: SPD
Harald Unfried (4. v. li.) will im Landtag die Nachfolge von Johanna Werner-Muggendorfer antreten. Der Landshuter wurde in Saal vom SPD-Unterbezirk Kelheim als Direktkandidat nominiert. Foto: SPD

Nebenbei bietet das Thema natürlich guten Wahlkampfstoff: Das „dramatische Versagen der CSU“, die unter anderem den Verkauf der fast 33 000 GBW-Wohnungen zu verantworten habe, sei Schuld an der aktuellen Wohnungsnot, kritisiert Unfried. Seine eigenen Genossen nimmt er freilich auch ins Gebet – vor allem die in Berlin.

GroKo-Gegner Kühnert hilft

Wenn etwa die Große Koalition um der Schuldenbremse willen keine Kredite für Wohnungen und sonstige Daseinsvorsorge aufnehme, sei das in der jetzigen Niedrigzins-Phase „deppert“. Überhaupt: die Dauer-„GroKo“! Unfried hat sie zuletzt, 2017, abgelehnt; und das untermauert er nun, wenn er Juso-Chef Kevin Kühnert am 25. September nach Neustadt holt: Den Auftritt der „No-GroKo“-Galionsfigur bezeichnet Unfried als sein persönliches Wahlkampf-Highlight. Denn die derzeit maue Prognose für die BayernSPD am 14. Oktober haben ihren Ursprung in Berlin, ist er überzeugt: Der Bundes-SPD hänge Schröders „Agenda 21“ als Altlast nach; ihre aktuellen Erfolge würden von Kanzlerin Merkel vereinnahmt; und die Grenzen zwischen Rot und Schwarz seien immer unschärfer – „das stärkt die Ränder“.

Schneller Kandidaten-Check gefällig? „Fünf Fragen - Fünf Antworten“!

Also wäre eine Große Koalition in München für ihn tabu? Nein, genauso wenig wie zum Beispiel Rot-Rot-Grün, antwortet er: „Um grundlegende Probleme durchgreifend anzugehen, muss man heutzutage für alles offen sein“ – außer für die AfD: „Die haben ja keine Lösungen.“ Die BayernSPD muss freilich erst mal ordentlich ackern, um nach der Landtagswahl überhaupt für Koalitionsgespräche relevant zu sein, räumt Unfried ein. Und nimmt sich dabei auch selbst in die Pflicht.

„Unsere Mitglieder und Anhänger haben ganz einfach ein Anrecht drauf, dass man kämpft!“

Wenngleich das Kelheimer Direktmandat derzeit für die SPD in recht weiter Ferne sei. „Aber unsere Mitglieder und Anhänger haben ganz einfach ein Anrecht drauf, dass man kämpft!“

Was für ihn freilich leichter gesagt als getan ist: Der Absolvent von Wirtschaftsschule und Bayerischer Beamten-Fachhochschule arbeitet für die Deutschen Rentenversicherung im Raum München – Wahlkampftermine untertags sind für ihn schwierig zu organisieren; er will Urlaub und Freistellung für die „heiße Phase“ nehmen.

Lohnende Einblicke im Job

Andererseits weiß er seine Arbeit als Betriebsprüfer zu schätzen: „Ich habe sehr gute Einblicke, wie in der Praxis der Hase läuft“; er bekomme mit, welche Gesetze funktionieren – „der Mindestlohn zum Beispiel“ – und welche eher nicht, etwa „die Mietpreisbremse in der jetzigen Form“; er sehe, wo noch Nachbesserungsbedarf besteht, zum Beispiel bei der Lohn-Gleichstellung von festen und Leiharbeitern. Berufsbedingt sei er zudem gut vernetzt mit Landes-SPDlern und Gewerkschaftern.

Zur Person

  • In Kürze:

    Harald Unfried, 54 Jahre, lebt in Landshut, seine Lebensgefährtin in München. Der Diplom-Verwaltungswirt (FH) arbeitet als Betriebsprüfer für die Rentenversicherung. Privat schätzt er Literatur, Kino und Südfrankreich.

  • In Kontakt:

    Über seine Homepage https://harald-unfried.de und auf Facebook; Mail: info@harald-unfried.de

In die Wiege gelegt war ihm diese Nähe zur Sozialdemokratie nicht: Sein Vater, ein Mauerer, war „glühender Strauß-Fan“ und in der Arbeitnehmer-Union der CSU aktiv. „Er hat aber auch den ,Spiegel’ gelesen“. Und dafür gesorgt, dass der Filius bereits in politischer Diskussions-Kultur gestählt war, als er 1982 zur SPD fand. Treu geblieben ist Unfried der Partei selbst, als sie unter Schröder „den neoliberalen Schalmeienklängen“ erlag. „Aber dass damals die gesamte Sanierung des Staatshaushalts den unteren und mittleren Einkommensklassen aufgebürdet wurden, hat dem ,Markenkern’ geschadet“, ärgert er sich noch heute.

Machen Sie sich selbst ein Bild: Harald Unfried im Video

Politisches und Privates von SPD-Kandidat Harald Unfried Video: Heike S. Heindl & Martina Hutzler

Solch grundlegende Überlegungen, liegen ihm erkennbar mehr als das politische Alltags-Kleinklein. Dazu passt zum Beispiel, dass er ein komplettes Konzept für eine Bürgerversicherung zur Alterssicherung geschrieben hat. Und dass er gerne liest – Philosophisches, Wirtschaftsliteratur. Zwischendurch hat aber auch bei ihm die Politik mal Pause – wenn er mit seiner Lebensgefährtin zu Städte-Trips aufbricht, oder auch mal zu einer längeren Reise durch Südfrankreich. Bis zum 14. Oktober freilich muss ein gelegentlicher gemeinsamer Kino-Nachmittag reichen.

Höhen und Tiefen bei seiner SPD ist Harald Unfried gewohnt. Aber jetzt sieht der Kelheimer Direktkandidat schwarz für die Sozialdemokratie, falls sie sich nicht auf ihren roten „Markenkern“ besinnt. Foto: Heike S. Heindl
Höhen und Tiefen bei seiner SPD ist Harald Unfried gewohnt. Aber jetzt sieht der Kelheimer Direktkandidat schwarz für die Sozialdemokratie, falls sie sich nicht auf ihren roten „Markenkern“ besinnt. Foto: Heike S. Heindl

Alle Porträts der zehn Kelheimer Direktkandidaten und weitere Infos zur Landtagswahl veröffentlichen wir hier!

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