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Region Kelheim
Sonntag, 22. April 2018 27° 2

Tarifrunde

Warnstreik vor der Goldberg-Klinik

„Der Pflegenotstand ist in aller Munde, aber die Politiker und Arbeitgeber handeln nicht“, so der Verdi-Vertreter in Kelheim.

Hartmut Veitengruber (v. l.) steht mit Hans Kleehaupt und Gewerkschaftssekretär Roman Martynez vor der Klinik. Foto: Kugler

Kelheim.Die Gewerkschaft Verdi ist sauer, weil die Arbeitgeber in der laufenden Tarifrunde noch immer kein Angebot vorgelegt haben. Sie will mit Warnstreiks die Öffentlichkeit sensibilisieren, auch in Kelheim.

Hartmut Veitengruber hat am Morgen schon in Passau auf einer Streikkundgebung gesprochen. Der Verdi -Geschäftsführer für Niederbayern ist gerade im Bezirk unterwegs, um die Öffentlichkeit auf die Anliegen der Gewerkschaft und der von ihr vertretenen Beschäftigten im öffentlichen Dienst aufmerksam zu machen. „Es ist eine Schweinerei, wenn die Arbeitgeber nach zwei Verhandlungsrunden noch immer kein Angebot vorgelegt haben“, sagte er bei der Kundgebung vor der Goldberg-Klinik Montagmittag. Dort hatte Verdi zum Warnstreik aufgerufen – und mehrere Dutzend Teilnehmer waren gekommen. Nicht nur Pflegepersonal und Beschäftigte aus anderen Branchen des öffentlichen Dienstes, auch Kreisräte, Kelheims Bürgermeister und der Landrat nahmen an der Veranstaltung teil.

„Der Pflegenotstand ist in aller Munde, aber die Politiker und Arbeitgeber handeln nicht – oder nur unzureichend oder falsch“, sagte Veitengruber. Das konnte der Betriebsratsvorsitzende der Goldberg-Klinik Hans Kleehaupt nur bestätigen. „Die Fallzahlen haben sich in den letzten Jahren in den Krankenhäusern verdoppelt, aber das Personal ist gleich geblieben oder weniger geworden“, sagte er. Darauf haben die Beschäftigten in Kelheim immer wieder hingewiesen, „besser geworden ist nichts“, bedauerte Kleehaupt. Es gebe immer noch Personalengpässe, Überstunden würden geleistet und die Belastung der Pfleger sei oft kaum mehr tragbar. Das bestätigte auch seine Kollegin Barbara Strobl. Die Krankenschwester arbeitete in Regensburg, bevor sie nach Kelheim kam. Gerade in Zeiten wie der aktuellen Grippewelle, wenn das Krankenhaus übervoll ist, seien Pfleger wie auch Ärzte oft überlastet. „Wir bräuchten mehr Personal, um mehr Zeit für die Patienten zu haben. Sie sollen ja nicht die Leidtragenden sein. Gerade alte Menschen brauchen oft länger, um wieder gesund zu werden“, sagte sie. Um die Situation zu verbessern fordert Verdi deshalb nicht immer am Personal zu sparen, sondern wesentlich mehr einzustellen – und es besser zu bezahlen. Die Gewerkschaft fordert sechs Prozent mehr Einkommen und 20 Prozent Zuschlag auf Nachtarbeit. Auch Auszubildende, die für die Zukunft besonders wichtig seien, sollten monatlich 100 Euro mehr bekommen. Und eine Übernahmegarantie nach ihrer Ausbildung.

Die Forderungen fanden unter großem Applaus allgemeine Zustimmung der Versammelten. Mitte April steht die nächste Verhandlungsrunde an, dann unter Vorsitz des neuen Innenministers, Horst Seehofer. „Wenn dann kein verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt wird, werden wir den Druck noch mal erhöhen und notfalls auch auf die Straße gehen“, sagten die Vertreter von Verdi unter dem Beifall der Streikenden.

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