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Umwelt

Was uns noch alles blüht

Die Wunderwerke der Natur sind oftmals hübsch anzusehen. Jedoch werden manche häufig zu einer Gefahr für Mensch und Tier.
Von Renate Beck

Fotos: Foto: Patrick Pleul/dpa (2)/Foto: Bernd Weißbrod/dpa (1)/Foto: Bernd Thissen/dpa (1)
Fotos: Foto: Patrick Pleul/dpa (2)/Foto: Bernd Weißbrod/dpa (1)/Foto: Bernd Thissen/dpa (1)

Der Riesen-Bärenklau

Fotos: Foto: Patrick Pleul/dpa (2)/Foto: Bernd Weißbrod/dpa (1)/Foto: Bernd Thissen/dpa (1)
Fotos: Foto: Patrick Pleul/dpa (2)/Foto: Bernd Weißbrod/dpa (1)/Foto: Bernd Thissen/dpa (1)

Der Riesen-Bärenklau gehört zu der Familie der Doldenblütler. Der Neophyt kam ursprünglich als Zierpflanze aus dem Kaukasus zu uns.
Der Riesen-Bärenklau wird auch Herkulesstaude genannt. Vor 40 bis 50 Jahren war sie eine beliebte Zierpflanze in den deutschen Gärten. Dank ihrer enormen Größe füllte sie schnell brach liegende Gartenflächen und war zudem eine willkommene Bienenweide. Getrocknete Blütenstände wurden in der Floristik verwendet. Die mittlerweile ausgewilderte, bis zu drei Meter hoch werdende Pflanze ist inzwischen nicht nur in Gärten, sondern auch ausgewildert an Ufern und Wegrändern zu entdecken. Mit ihren bis zu 50 Zentimeter breiten Dolden, bis zu einem Meter langen Laubblättern und bis zu 10 Zentimeter dicken Stängeln steht sie imposant in der Grünfläche und verdrängt dort die einheimischen Pflanzen.

Ein Selbstversuch, der nicht nachgemacht werden darf:

Wie jeder Doldenblütler enthält er im Pflanzensaft fotosensibilisierende Substanzen; der Riesenbärenklau in sehr hoher Konzentration. Der Giftstoff Furocumarin wird durch Pflücken und auch durch unabsichtliches Abbrechen freigesetzt. Kinder, die mit den dicken abgebrochenen Stängel spielen oder aus ihnen ein Blasrohr basteln, sind besonders gefährdet. Auch Hundenasen, die mit den Pflanzenteilen in Berührung kommen, sind der Gefahr starker Hautreaktionen ausgesetzt. Auf Haut und Hundenasen können in Verbindung mit Sonnenlicht Blasen wie bei Verbrennungen entstehen. Die stark schmerzende Wunde heilt nur sehr langsam und hinterlässt nicht nur Narben, sondern auch dunkle Pigmentierungen.

Der Buchsbaumzünsler:

Der Buchsbaumzünsler ist ein ostasiatischer seidig weißer Kleinschmetterling mit braunem Rand aus der Familie der Crambidae
Man vermutet, dass der Buchsbaumzünsler durch Containerschiffe mit Handelspflanzen aus Ostasien zu uns eingeschleppt wurde. 2006 hat man ihn erstmals in Deutschland bemerkt. Die invasive Spezies kann als Raupe durch Kahlfraß große Schäden an Buchsbäumen verursachen. Die bis zu fünf Zentimeter lange, grün-schwarz-weiß gestreifte Raupe mit schwarzen Punkten und schwarzer Kopfkapsel überwintert in Kokons in der Nähe von Buchsbaumpflanzen. Aktiv wird der Schädling bei konstanten Temperaturen über 7 Grad. Die nach drei Tagen aus den Eiern schlüpfenden Raupen des Buchsbaumzünslers fressen zuerst die Blätter und anschließend auch die Rinde an den Ästen des Buchsbaums. Oberhalb der Fraßstelle sterben alle Pflanzenteile ab. Ein von den Raupen gebildetes Gespinst umgibt die beige-gelblichen Pflanzenteile. Die Raupen verpuppen sich in einem Kokon und werden nach etwa einer Woche zu Faltern. Ein jeder von ihnen kann bis zu 150 Eier ablegen. Bei Temperaturen zwischen 18 und 30 Grad Celsius verbreiten sie sich besonders schnell. Die in Deutschland beheimateten Arten „Buxus sempervirens“ und „Buxus microhylla“ sind besonders betroffen. Buchsbaumkäufer sollten die Pflanzen bereits vor dem Kauf gründlich auf einen eventuellen Befall hin untersuchen. Aufmerksame Gartenbesitzer berichten von Spatzen, die diese Larven aus ihren Buchsbaumbüschen picken.

Der Eichenprozessionsspinner:

Der Eichenprozessionsspinner ist ein heimischer Schmetterling aus der Familie der Zahnspinner, der als Raupe in Gespinstnestern an Eichenstämmen zu finden ist.
Dieser Anblick veranlasst derzeit Eichenbesitzer zu besonderen Vorsorgemaßnahmen. Bereits im vergangenen Jahr legte das Eichenprozessionsspinner-Weibchen 100 bis 200 weiße Eier an eine getarnte Stelle am oberen Kronenbereich der betroffenen Eiche. Im Herbst entwickelten sich diese zur Jungraupe, die im Ei überwinterten und Anfang Mai schlüpften. Die etwa fünf Zentimeter langen Raupen leben gesellig und gehen wie in einer Prozession in Gruppen auf Nahrungssuche. Daher auch deren Name. Auf ihrer dunklen Rückenlinie liegen samtartig behaarte Felder mit rotbraunen, langbehaarten Warzen. Die feinen Brennhaare sind durch das darin enthaltene Nesselgift Thaumetopoein gesundheitsgefährdend. Eine Berührung löst Juckreiz, Ausschläge und Reizungen der Atemwege aus. Zu einem unscheinbaren Schmetterling verwandeln sie sich ab Ende Juni/ Anfang Juli dicht aneinandergedrängt in einem Gespinstnest am Eichenstamm.

Das müssen sie über den Eichenprozessionsspinner wissen:

Das müssen Sie über den Eichenprozessionsspinner w

Auch nach der Puppenruhe von bis zu fünf Wochen bleiben die leeren Nester erhalten. Die darin befindlichen alten Larvenhäute mit ihrer immer noch hohen Konzentration von giftigen Raupenhaaren bilden über mehrere Jahre eine Gefahr für Allergien – auch bei Berührung am Boden und im Unterholz durch Schuhe und Kleidung. Zur Absicherung und Bekämpfung auf öffentlichem Gelände sind die Gemeinden zuständig, auf Privatgründstücken die Grundstücksbesitzer.

Der Rizinus

Ricinus communis – der Rizinus. Eine mit Vorsicht zu genießende Gartenpflanze. Er gehört zu der Familie der Wolfsmilchgewächse und ist die Giftpflanze 2018.
In seiner afrikanischen Heimat wird er oft 12 Meter hoch. Bei uns in Bayern kann man ihn als einjährigen Strauch in den Gärten bewundern. Vermehrt wird er durch die Samen, deren Aussehen an eine vollgesaugte Zecke erinnert. Die für Gärtner eingeführte Zierpflanze beeindruckt mit rötlichem Fruchtstand und den handförmigen manchmal rot überlaufenen Blätter. Sie wächst sehr schnell zu einer stattlichen Pflanze mit einer Höhe von bis zu sechs Meter heran, weshalb sie auch „Wunderbaum“ genannt wird. Von August bis Oktober bildet sie bis zu 40 Zentimeter lange Blütenstände. Älteren Lesern wird aus Kindertagen das aus den Samen gepresste Rizinusöl gegen Verstopfung bekannt sein. Es wirkt stark abführend. Zur Gewinnung dieses Öles werden die Rizinussamen ausgepresst und die giftigen Pressrückstände entsorgt. Das ungiftige Öl wird noch heute für Kosmetika und in der Industrie verwendet. Anders verhält es sich mit mit den marmorierten, glänzenden Rizinussamen: ein Hauptbestandteil des Samen ist stark giftig. Er enthält Rizin; eines der giftigsten in der Natur vorkommenden Substanzen. Der Verzehr von nur wenigen Samen ist tödlich. Selbst durch beschädigte Hautstellen kann es in den Körper dringen. Besonders bei Kindern und Tieren ist äußerste Vorsicht geboten. Kinder spielen gerne mit den „Castorbohnen“; Tiere fressen den angeblich nussig schmeckenden Samen.

Das ist zu beachten

  • Eichenprozessionsspinner:

    Absperrung mit Warnschilder des betroffenen Geländes und Einbeziehen von Fachleuten, die bei starkem Befall unter Umständen die Nester fachgerecht absaugen. Ein Insektizid-Einsatz ist riskant für Mensch und Natur. Der NABU fordert: „Anstatt das akute Auftreten eines bestimmten Forstschädlings mit chemischen Mitteln zu bekämpfen, sollten zudem geeignete Maßnahmen ergriffen werden, um einen vitalen Mischwald zu fördern.

  • Buchsbaumzünsler:

    Durch Pheromonfallen und chemische Bekämpfung kann man den Buchsbaumzünsler bekämpfen. Dabei werden allerdings auch Bienen und andere Nutztiere getötet. Als Alternative ist die regelmäßige Kontrolle und bei Bedarf ein Abspritzen mit dem Hochdruckreiniger möglich. Ein Tuch unter die Pflanze legen, damit die Raupen aufgesammelt und entsorgt werden können. Auch bodennahes Abschneiden bringt oftmals Erfolg. Der Buchs treibt oft neu aus.

  • Riesen-Bärenklau:

    Georg Sinzenhauser von der Stadt Kelheim berichtet von Pflanzen-Meldungen der Bevölkerung bei der Polizei. In freier Natur dürfen sie sich laut seiner Auskunft entfalten. Dort aber, wo sich Menschengruppen versammeln wird die Herkulesstaude mit entsprechender Schutzausrüstung entfernt. Bricht ein Pflanzenteil ab, sollte die Haut sofort mit einem Tuch vor UV-Strahlung geschützt und die gereizte Haut mit Wasser und Seife gereinigt werden.

  • Rizinus:

    Der Verzehr von nur wenigen Samen ist tödlich. Besonders bei Kindern und Tieren ist äußerste Vorsicht geboten. Zumindest die heranreifenden Fruchtstände sollten hier vorsichtshalber beizeiten entfernt werden. Gartenbesitzer, die sich des Giftgehalts der Rizinussamen bewusst sind und entsprechend vorsichtig mit ihm umgehen, können mit diesen optisch hübschen Samen auf einfache Weise jedes Jahr neue Jungpflanzen ziehen. (erb)

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