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Integration

Wegbegleiter sollen weiterarbeiten

Kelheims Integrations- und die Bildungslotsin sollen sich weiter um Neuankömmlinge kümmern – teils unter neuen Vorzeichen.
Von Martina Hutzler

Gibt es zu viele Bildungsangebote, oder werden sie zu wenig wahrgenommen? Die Meinungen im Ausschuss gingen auseinander. Foto: Schmidt/dpa
Gibt es zu viele Bildungsangebote, oder werden sie zu wenig wahrgenommen? Die Meinungen im Ausschuss gingen auseinander. Foto: Schmidt/dpa

Kelheim.Der Landkreis Kelheim setzt weiter auf eine koordinierte Integration von Geflüchteten und Migranten, die länger oder auf Dauer hier leben wollen und dürfen: Zwei Lotsen-Projekte sollen fortgesetzt werden, hat der Kreisausschuss einstimmig beschlossen. Vorausgesetzt, die staatlichen Geldgeber zahlen weiter dafür.

Magdalena Beslmeisl ist seit Anfang 2018 die kreisweite Koordinatorin der „Bildungsangebote für Neuzugewanderte“; fürs Erste zahlt das Bundes-Bildungsministerium ihre Stelle bis Ende diesen Jahres. Einen Antrag auf weitere zwei Jahre Förderung kann das Landratsamt stellen – den Segen der Kreisräte hat es. Und auch für einen Antrag ans bayerische Sozialministerium: Es ist Finanzier für die Stelle von Veronika Schinn: die „Integrationslotsin“ für den Landkreis, vor allem für die hier lebenden anerkannten Asylbewerber sowie für die Bürger und Helferkreise, die beim Ankommen im Alltag helfen. Der Freistaat zahlt den Lotsendienst bislang bis Jahresende; beantragt wird ein weiteres Förderjahr.

Magdalena Beslmeisl (li.) und Veronika Schinn sollen sich nach dem Willen der Kelheimer Kreispolitiker weiterhin um die Integration von Migranten kümmern. Foto: Hutzler
Magdalena Beslmeisl (li.) und Veronika Schinn sollen sich nach dem Willen der Kelheimer Kreispolitiker weiterhin um die Integration von Migranten kümmern. Foto: Hutzler

Beide Stellen seien „notwendig und wichtig“, kommentierte Landrat Martin Neumeyer die Präsentationen beider Lotsinnen zu ihrer Arbeit und Plänen. Aber die Verlängerung der Stellen brauche es auch deshalb, weil in der Umsetzung noch nicht alles rund läuft: Auch diese Meinung klang im Ausschuss durch. „Wir machen den Menschen, die zu uns kommen, ein gutes Angebot – aber es gibt auch welche, die nicht bereit sind es zu nützen“, befand etwa der Landrat.

Das Landratsamt hat Zahlen aus dem Landkreis Kelheim zusammengestellt:

  • 125 Länder der Erde sind im Landkreis Kelheim vertreten. Von den 120.600 Bürgerinnen und Bürgern hier haben 88 Prozent die deutsche Staatsbürgerschaft. Zwölf Prozent sind Bürger eines anderen Staates. (Quelle: Landratsamt Kelheim)
  • Rund 8200 Personen mit ausländischer Staatsbürgerschaft stammen aus einem anderen EU-Staat; das sind 54 Prozent aller hier lebenden Ausländer.
  • 35 Prozent aller Ausländer sind Bürger von so genannten „Drittstaaten“: Staaten also, aus denen Menschen auf regulären Wegen nach Deutschland kommen. Zum Beispiel leben 44 Brasilianer und 69 US-Amerikaner im Landkreis Kelheim.
  • 10 Prozent der Ausländer im Landkreis kamen aus den klassischen Fluchtländern nach Deutschland: aus Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia, Syrien. In absoluten Zahlen sind das knapp 1450 Menschen. (Quelle: Landratsamt Kelheim)

Zu viel oder zu wenige Kurse?

Kreisrat Karl Zettl bestätigte das mit seinem Eindruck, ein Teil der Migranten habe nicht allzu viel Interesse an und Erfolg in Sprachkursen. Was aber verständlich sei angesichts der großen Bildungs-Bandbreite insbesondere bei Flüchtlingen, entgegnete Kreisrat Richard Zieglmeier: „Wer von zuhause zum Beispiel schon Englischkenntnisse mitbringt, tut sich viel leichter mit Deutsch als rein arabisch Sprechende.“

Magdalena Beslmeisl erklärte, als Koordinatorin dürfe sie sich nicht um Besuchs- und Erfolgskontrolle von Kursen bemühen; das sei Sache der Anbieter. Und die hätten da schon ein Auge drauf, betonte Kreisrätin Petra Högl, die auch Vorsitzende der vhs-Weiterbildungsakademie Kelheim ist: „Unsere Kurse werden nicht nur ,ein bissl’ besucht, sondern kontinuierlich!“

Genau das sei gar nicht sinnvoll, fand Kreisrat Andreas Kreitmeier: „Integration bei uns ist völlig abgehoben, da tobt sich das Bildungsbürgertum aus!“ Er forderte, Flüchtlinge und Migranten nicht in langwierige Sprachkurse zu stecken: Integration gelinge sowieso nur über Arbeit. Umso kritischer sei es dann aber, wenn vielen Flüchtlingen eine Arbeitserlaubnis versagt werde, wandte Richard Zieglmeier ein.

Bei denen, die zum Nichtstun verdonnert sind, schwinde dann auch die Lust, sich Sprachkenntnisse anzueignen und sich in die Gesellschaft zu integrieren: Das bestätigte Integrationslotsin Veronika Schinn. Und auch bei den Helferkreisen wachse der Frust, wenn sie für diejenigen, die einen unsicheren Aufenthaltsstatus haben, wenig tun könne, so Schinn.

Weniger Unterkünfte – weniger Helferkreise

Die Zahl der Helferkreise im Landkreis hat sich nach Schinns Worten auf etwa zehn halbiert. Das sei nachvollziehbar, weil vielerorts dezentrale Unterkünfte geschlossen wurden und die Helfer schlicht keine Flüchtlinge mehr zu betreuen hatten. Umgekehrt sei in Städten wie Kelheim, mit großen Gemeinschaftsunterkünften, die Arbeit für die Ehrenamtler kräftig gestiegen. Die Helferkreise am Leben zu halten und möglichst auch neue Helfer zu finden, bezeichnete Schinn daher auch als ihre Hauptaufgabe für die nächste Förderphase, so diese genehmigt wird.

Zwei Lotsinnen

  • Magdalena Beslmeisl:

    Die Sozialpädagogin Magdalena Beslmeisl aus Ihrlerstein ist seit Januar 2017 die „Koordinatorin der Bildungsangebote für Neuzugewanderte“ im Landkreis Kelheim. Das Bundes-Bildungsministerium fördert die Stelle zu 100 Prozent.

  • Veronika Schinn:

    Die Kelheimer Germanistin und Sprachwissenschaftlerin Veronika Schinn ist seit Juli 2017 am Landratsamt Kelheim als „Integrationslotsin“ tätig.

  • Stelle:

    Ihre Stelle wird zu 100 Prozent vom bayerischen Sozialministerium gefördert.

Helferfest geplant

„Sie stecken viel Herzblut und Zeit in die Betreuung“, würdigte die Integrationslotsin die Arbeit der Helferinnen und Helfer; Ohne deren Engagement „mag mir gar nicht vorstellen, wie es ansonsten die letzten Jahre gelaufen wäre!“ Wobei das nicht nur für die Helferkreise gelte, sondern auch für viele Einzelpersonen, die sich zum Beispiel um Migranten in der Nachbarschaft kümmern, ergänzte Landrat Neumeyer. Ihnen allen, ob einzeln oder gemeinsam engagiert, will der Landkreis im September mit einem „Helferfest“ im Landratsamt danken.

Dieses sowie auch Arbeitstreffen zu organisieren – von Helferkreisen untereinander, mit hauptamtlichen Stellen, mit Fachbehörden – ist eine weitere Aufgabe der Integrationslotsin. Außerdem erarbeitet sie mit ihren Kolleginnen des Landratsamts-“Zentrums für Chancengleichheit“ derzeit den Integrationsplan für den Kreis Kelheim. Er werde bis Jahresende fertig und Thema im Kreistag bzw. seinen Gremien sein, so Schinn.

Inhaltlich reicht der Plan weit über das Thema „Flucht und Asyl“ hinaus, das generell keinen so großen Schwerpunkt mehr darstelle, erklärte Magdalena Beslmeisl: Die Bildungskoordinatorin will ihr Augenmerk verstärkt auf die wachsende Zahl von EU-Migranten legen, die um der Arbeit willen in den Landkreis kommen. „Die wurden bislang kaum gesehen“.

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